Ehrung für „die schöne Frau auf dem Berg“

Roland Holst vom Förderkreis Historisches Blankenese setzt sich für die Umbenennung der Bulckestraße ein. Schriftsteller und Jurist Carl Bulcke (1875-1936) war 1933 Mit-Unterzeichner eines Treuegelöbnisses für Adolf Hitler. Foto: rs
 
Friederike Klünder, die "Schöne Frau vom Berg". Foto: pr

Initiative zur Umbennung der Bulckestraße -
Der Schriftsteller Bulcke verehrte Adolf Hitler

Von Reinhard Schwarz. Sie setzte sich für arme Blankeneser ein - und ist fast vergessen: Friederike Klünder(1776-1848). Als Gattin des erfolgreichen Versicherungskaufmanns Rütger Heinrich Klünder (1763-1849) führte sie in Blankenese erfolgreich die erste Pockenimpfung ein, indem sie als Vorbild zu allererst ihre eigenen Kinder impfen lies. Als die Blankeneneser Fischer durch die Kontinentalsperre Napoleons in Not gerieten, unterstützte sie die von Hunger Bedrohten und besorgte den Fischerfrauen Flachs, die daraus Leinwand sponnen, die die Kaufmannsfrau vermarktete. Bei den Blankenesern galt sie als „die schöne Frau auf dem Berg“.
Aus Sicht von Roland Holst vom Förderkreis Historisches Blankenese wäre eine - wenn auch späte - Ehrung der Wohltäterin schon längst fällig. Holst hatte 2013 gemeinsam mit seiner Frau Maike das Buch „Blankeneser Frauen“ herausgegeben und war so auch auf das Wirken von Friederike Klünder gestoßen. Holsts Vorschlag: Die jetzige Bulckestraße könnte - oder sollte sogar - in Klünderstraße umbenant werden. Der Grund: Carl Bulcke (1875-1936), Jurist und Schriftsteller, hatte sich 1933 an einem „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ beteiligt, in dem die 88 Unterzeichner dem „Herr(n) Reichskanzler“ Adolf Hitler huldigen.
Zahlreiche Hürden für eine Umbenennung.
„So etwas passt einfach nicht mehr in unsere Zeit“, empört sich Holst und plädiert für eine Umbenennung der Bulckestraße. Doch bei dem Verfahren gibt es zahlreiche Hürden, schreibt ein Mitarbeiter des Staatsarchivs: „Nach jahrelanger Senatspraxis ist es unüblich, die ehrende Erinnerung eines Namensgebers diesem zu entziehen, um sie einer anderen Person zu erteilen, es sei denn, es liegen schwerwiegende Gründe gegen den Namensgeber vor.“
Doch diese schwerwiegenden Gründe seien in dem Fall Bulckes gegeben, argumentiert der engagierte Blankeneser: „Es geht einfach nicht, dass sich Menschen, die sich so verstrickt haben, mit einem Straßennamen geehrt werden.“
Laut Staatsarchiv muss erst die Politik vor Ort den Namenswechsel befürworten, dann entscheidet in letzter Ins-tanz der Senat. Holst sieht gute Chancen für die Initiative und verweist auf den Fall der Gustav-Frenssen-Straße, die 1986 in Anne-Frank-Straße umbenannt wurde. Der völkisch-nationale Schriftsteller (1863-1945) hatte die Rassenpolitik der Nazis unterstützt.
Skeptisch sieht SPD-Politiker Wolfgang Kaeser die Erfolgschancen der Initiative, aber: „Wenn die Vorwürfe so gravierend sind, könnte ich mir eine Umbenennung vorstellen.“
Die Klünders und die Hesses
Die Geschichte von Friederike Klünder und ihrem Ehemann Rütger Heinrich ist eng mit der Geschichte des Hesseparks verbunden. 1799 erwarb Klünder ein Gebiet, das über die Grenzen des heutigen Hessepark hinausging. 1800 entstand dort eine klassizistische Villa, die mittlerweile Teil einer Privatschule ist. Nach dem Tod der Klünders 1848/1849 wurde das Areal verkauft. 1877 erwarb der Bankier George Heinrich Hesse das Grundstück, das dessen Witwe 1926 an die Gemeinde Blankenese verkaufte. Die Gemeinde parzellierte anschließend den Park. Kurios: Nach 1945 wurde die an den Park grenzende Straße namens „Klünders Park“ wieder in „Hessepark“ umbenannt.
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