„Echo“-Preisträgerin zwischen Pop und Jazz

Wenn Johanna Borchert auf dem Weg aus ihrer alten Heimat Berlin nach Kopenhagen fährt, steigt sie jedes Mal in Hamburg um. „Als gebürtige Bremerin fühle ich mich wohl im Norden“, sagt sie. Foto: Mike Hoejgaard

Johanna Borchert stellt ihr neues Album im Stage Club vor

Matthias Greulich, Altona
Lange hat Johanna Borchert in Berlin gewohnt, jetzt lebt sie in Kopenhagen. „Hamburg ist die genaue Mischung aus beiden Städten“, sagt die Jazzmusikerin, die 2015 den Echo als „bes-te Sängerin national“ gewann. Will heißen: Ein gelungener Kompromiss zwischen der Überschaubarkeit der dänischen Hauptstadt und dem riesigen kulturellen Angebot Berlins.
Am Dienstag, 19. Dezember, stellt Borchert ihr neues Album „Love or Emptiness“ im Stage Club vor. Die Musik der gebürtigen Bremerin wird von Kritikern, die auch ihr aktuell zweites Album durch die Bank lobten, zwischen Pop und Jazz verortet. Mit den Vergleichen zu Björk und Laurie Anderson „kann ich gut leben“, sagt die 34-Jährige, als wir in einem Lokal in Altona beim Interview sitzen.
Borcherts 13 Monate alter Sohn ist gerade eingeschlafen, als seine Mutter eine heiße Orange probiert. „Habe ich noch nie getrunken.“ Passt aber hervorragend zum nassgrauen Abend.
Ihre neue Platte wurde von Olaf Opal produziert, der auch den Alben der Sportfreunde Stiller zu einem unverwechselbaren Klang verhalf. Drei Jahre hat Borchert an „Love or Emptiness“ gearbeitet. „Ich habe alles in dieses Album reingelegt, was ich habe“, sagt sie und ihre Augen blitzen. „Energie, Willen zur Utopie und all mein Geld.“
Die Platte selbst unter ihren Fans bekannt zu machen, ist über soziale Netzwerke schwieriger als erwartet. Nicht jeder ihrer Follower bei Facebook bekommt es offenbar mit, wenn sie etwas über eine Veröffentlichung postet. „Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass dadurch alles einfacher wird“, sagt sie. Die Deutschland-Tour, die auch 2018 weiter geht, ist also Werbung in eigener Sache auf althergebrachte Weise.
Sie liebt die Auftritte, liebt es die Vibes im Publikum zu spüren. „Darum geht es: Spielen und das Erlebnis mit anderen zu teilen.“
Auf der Fahrt zum Interview steckte Johanna Borchert lange im Feierabendverkehr am Dammtor fest. In Kopenhagen wäre sie wahrscheinlich mit dem Fahrrad gekommen. „Die Dänen fahren das ganze Jahr über auf breiten Radstrecken. Du musst die Spur halten und kannst nicht kreuz und quer fahren wie in Berlin.“ Auch in dieser Hinsicht liegt Hamburg also irgendwo in der Mitte.
❱❱ Johanna Borchert
Dienstag, 19. Dezember, 20 Uhr, Stage Club, Stresemannstraße 163, Tickets 17, ermäßigt zwölf Euro.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.