Die letzte Schicht im Yoko Mono

Auf ein Bier und gute Musik: Das Yoko Mono an der Marktstraße stand für Subkultur und abgerockten Charme. Foto: kp flügel

Szenekneipe im Karolinenviertel hat geschlossen – ein persönlicher Abschied eines DJs

KP Flügel, Karolinenviertel
Als Gerücht geisterte es schon länger durch die Szene. Dann verkündeten es Plakate an den Fensterfronten des Yoko Mono in der Marktstraße schwarz auf weiß: „Wir feiern Abschied“. Das war am vergangenen Wochenende. Nun ist das Yoko Mono zu. Für immer? Irgendwie unvorstellbar. Und überhaupt: Was soll danach kommen? Auf diese Fragen gibt es, hört man sich im und vor dem Laden um, bisher nur Achselzucken.
Das Yoko Mono war eine der wenigen noch übriggebliebenen subkulturellen Institutionen des Karoviertels. Das Publikum schätzte das abgerockte Barambiente, das gerade bei Jüngeren wieder als hip gilt. Tagsüber ließ sich hier ein ausgezeichneter Espresso oder Cappuccino trinken, besonders im Sommer auf der Terrasse mit Blick auf den Sonnenuntergang.

Bowie, Blondie, DAF:Jedes Mal eine Zeitreise

Abends, in der Regel ab 21 Uhr, stellten sich DJs hinter das Pult, gleich links neben der Eingangstür. Die einen spielten elektronische Mixe vom Laptop, andere kamen mit ihren Plattensammlungen, in denen sich viele Raritäten befanden. Sound-Enthusiasten und Freunde des guten, manchmal auch skurrilen Geschmacks legten hier auf. Seit vier Jahren kam ich immer am ersten Mittwoch eines Monats mit meinen Platten aus den Achtzigern. Da ich zu Hause meistens CDs spiele, war es für mich jedes Mal eine Zeitreise, Platten von Talking Heads, B 52s, Devo, Blondie, Bowie, XTC, Cabaret Voltaire, The Ruts, The Adverts, Gang of Four oder Pere Ubu zu hören. Oder ich legte DAF, Abwärts und Fehlfarben auf. Meistens überraschte ich mich selbst, und diese Selbst-Überraschung übertrug sich manchmal schnell auf den einen oder die andere, der oder die staunend mit dem Kopf zum Rhythmus der Musik nickte.
Besonders schön war es, wenn jemand auf mich zukam und nach Bands fragte, die schon in den Achtzigern nur bei Insidern bekannt waren. So beim letzten Mal. Eine End-Zwanzigerin (!) fragte mich, ob ich „I’m In Love With A German Filmstar“ von The Passions, einer längst aufgelösten englischen Wave-Band, auflegen könnte? Die LP hatte ich sonst immer dabei, aber an diesem Abend nicht. Da ich nur einige Häuser vom Yoko Mono entfernt wohne, holte ich das Album. Dann zu sehen, wie das Auflegen einer Platte die Stimmung noch ausgelassener werden ließ, das war schon ein Glücksmoment.
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