Der Kampf um den Marktplatz

Darum wird gestritten: So könnte der Blankeneser Marktplatz - hier eine vorläufige Darstellung – einmal aussehen. Grafik: arbos Freiraumplanung
 
Bei Sonnenschein gaben sie mit dem symbolischen ersten Spatenstich den Startschuss für die Bauarbeiten im Blankeneser Ortskern: Eberhard Fledel (Zukunftsforum Blankenese), Katarina Blume (FDP), Wolfgang Kaeser (SPD), Liane Melzer, Leiterin Bezirksamt Altona, Clemens Reus (CDU) und Gesche Boehlich (Grüne). Foto: Bezirksamt Altona

Interessensgemeinschaft will Umbau des Marktplatzes
noch verhindern – Bürgerbegehren läuft

Karin Istel, Blankenese
Die Bauarbeiten am Blankeneser Markt haben begonnen. Mit einem symbolischen ersten Spatenstich gab Ende September Bezirksamtsleiterin Liane Melzer den Startschuss für die Neugestaltung. Doch ob und wann es nach dem ersten Bauabschnitt weiter geht, ist fraglich. Es formiert sich Protest. Die Interessengemeinschaft (IG) Marktplatz will die weiteren Umbauarbeiten am Marktplatz verhindern und sammelt in einem Bürgerbegehren Unterschriften.

Um was geht es?

Damit der Marktplatz Blankenese attraktiver wird, soll
er samt Umfeld schrittweise umgestaltet werden. Jetzt laufen bereits die Bauarbeiten
östlich  der Blankeneser Bahnhofstraße zwischen Osterleystraße und Propst-Paulsen-Straße sowie der Umbau des „Platzes am Martini-Block“.
Anschließend soll der Marktplatz verändert werden. Seit drei Jahren laufen
darüber Gespräche. Im Arbeitskreis (AK) „Ortskern Blankenese“ haben sich Vertreter örtlicher Vereine, der Kirche und Parteien zusammengeschlossen.
Der AK erarbeitete gemeinsam mit der Verwaltung Vorschläge zur Verschönerung des Platzes. Zu diesen konnten die Bürger ihre Meinung einbringen, die in die Pläne einfloss. Die Bezirksversammlung beschloss die Umgestaltung des Marktplatzes auf der Basis dieser Vorplanungen, an denen die Bürger beteiligt waren.

Was ist am Markt vorgesehen?

Geplant ist ein barrierefreier abgeschrägten Zugang vom Marktplatz zum Kirchenvorplatz. Dazu soll der Erdhügel zum Mühlenberger Weg ab-getragen werden. Ebenso sollen Büsche am Markt und an der Bahnnhofstraße entfernt werden. Als Pflasterung dient gelber Klinker.
 
Warum bildete sich die IG  Marktplatz?
„So raubt man dem Marktplatz die Seele“, protestiert Monika Lühmann gegen die Pläne. Sie ist eine der Initiatoren der IG, die sich monatelang öffentlich gegen die Umbaupläne wehrte. Doch alle Gespräche mit dem Bezirksamt und dem AK Ortskern Blankenese für eine einvernehmliche Lösung scheiterten bislang.

Warum gibt es jetzt einen Bürgerentscheid?
Am 8. September hat die IG ihren Antrag auf einen Bürgerentscheid im Bezirksamt Altona eingereicht. Die Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass alle weiteren Planungen zur Umgestaltung des Blankeneser Marktplatzes sofort gestoppt werden?“ 
Monika Lühmann: „Wir haben bis 24. September 2.000 Unterschriften zusammenbekommen. Derzeit sind es sogar 2.500. Die weiteren Bauarbeiten werden damit gestoppt. Ein halbes Jahr haben wir Zeit, die nötigen 6.000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid zu sammeln“, so Lühmann.

Welche Reaktionen gibt es?
Blankeneser Händler, Freiberufler, Dienstleister sowie andere Gewerbetreibende haben sich zur „Blankenese Interessengemeinschaft“ (BI) zusammengeschlossen. Die BI rät ihren Mitgliedern: „Verhindern Sie in ihren Geschäftsräumen jegliche Unterstützung des Bürgerbegehrens“. Denn: „Ein attraktiver Ortskern liegt im Interesse aller Gewerbetreibenden in Blankenese.“
„Mehr Bürgerbeteiligung ging eigentlich nicht. Und jetzt das: ein Bürgerbegehren gegen die Umsetzung des schon beschlossenen Projekts ,Blankeneser Ortskern’ in letzter Minute“, wettert FDP-Politiker Knut Köhler. Auch Eberhard Fledel vom AK ist sauer: „Die Planungen wurden demokratisch erarbeitet und entschieden. Sie sollen Bestand haben.“

Das sind die Positionen zum Umbau des Ortskerns

Zukunftsforum
„Für einen attraktiven Ortskern. Zukunftsforum ruft zur Zusammenarbeit auf.Den Charakter des Orts in neue Attraktivität für junge Generationen zu übertragen – daran arbeiten zwölf Gruppierungen im Ausgleich der Meinungen und Geschmäcker.
So wird der Markt autofrei und freundlich zum Verweilen einladen. Zum Schutz der Denkmäler und alten Bäume werden Straßenränder leicht verschwenkt, 13 Bäume neu gepflanzt. Der Wochenmarkt behält seine Größe, der Fahrradverkehr wird gefördert.
Das neue Bild des Marktes – zum Beispiel mit Grünflächen, Sitzecken und Pflasterung: In der kommenden Detailplanung gibt es viele Einflussmöglichkeiten.
Wir bedauern, dass ein sehr verzerrtes Bild gezeichnet wird – weniges ist wirklich strittig. So sollen schräge Parkbuchten helfen, den autofreien Markt zu kompensieren. Einen barrierefreien Übergang zum Mühlenberger Weg mit im Mittel 35 Zentimetern Erdabtrag fordert auch das Baurecht. Ob Granit, entgegen dem Bürgervotum vom Frühjahr, das Klinkerpflaster ersetzt, ist eine
Geschmacksfrage. Statt einen Baustopp zu fordern, müssen wir aufeinander zugehen. Gemeinschaftlicher Geist soll sich auf die Gestaltung des neuen Herzens von Blankenese übertragen.“
Ausführliche Information unter
www.blankenese.de

IG Marktplatz
„Für unser Bürgerbegehren haben wir bereits mehr als 2.500 Unterschriften gesammelt und damit die Bestätigung, dass die Bürger die laufende Planung ablehnen. Das heißt also: keine Absenkung des Marktplatzes und Auffüllung des Mühlenberger Weges, keine Fest-, Feier- und Kommerz-Meile um den eigentlichen Markt herum,
sondern
• Erhalt des Mühlenberger Weges mit den Parkplätzen. Keine gefährlichen Schrägparkplätze wie in der Waitzstr. zu Lasten der Marktplatzfläche.
• keine einheitliche Pflasterung der Kirch-, Markt- und Stadtbäcker-Plätze sowie der umliegenden Straßen mit gelb-rotem Klinker sondern Erhalt des Dorfcharakters durch Natursteine.
• keine Verbreiterung der Bahnhofstraße.
•alles Grün muss wieder hergestellt und später auch gepflegt werden. Die Flächen um die Denkmäler dürfen nicht angetastet werden.

Wir bitten weiterhin um
Ihre Unterstützung,
Monika Lühmann
IG „Rettet unseren Blankeneser Marktplatz“
Ausführliche Information unter
www.blankenese-marktplatz.de
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