„Das ist, als ob man schielen würde“

Das ist neu in Deutschland: Im Erste-Hilfe-Kurs für Hörgeschädigte ist in der Elbschule jetzt kein Gebärdendolmetscher mehr nötig. Die Ausbilderin gebärdet. So kann alles leichter und schneller verstanden werden. (Foto: nig)

Hörgeschädigte brauchten bislang Dolmetscher für Erste-Hilfe-Kurse –
In der Elbschule unterrichtet der Dozent jetzt in Gebärdensprache

Niggemeyer/Istel, Othmarschen – Bei jeder Führerscheinausbildung ist der Erste-Hilfe-Kurs Pflichtprogramm. Zu wissen, wie man eine blutende Wunde stillt oder bei Atemstillstand, am besten helfen kann, ist enorm wichtig. Im Notfall entscheidet es sogar über Leben und Tod. Doch was macht man, wenn man einen Notfalllehrgang besucht und hörgeschädigt ist? Jetzt gibt es an der Elbschule Erste-Hilfe-Kurse in Gebärdensprache. Das ist ein Pilotprojekt in Deutschland.
Anne Storz ist eine von 14 gehörlosen Mitarbeitern der Elbschule, dem einzigen Bildungszentrum mit der Spezialrichtung Hören und Kom- munikation in Hamburg. Die Lehrerin hat in der Vergangenheit bereits mehrere Erste Hilfe Kurse absolviert. „Erst der letzte hat mich zu 100 Prozent ausgebildet“, sagt sie. Denn endlich war der Kurs in der richtigen Sprache, nämlich in deutscher Gebärdensprache.
Die „normalen“ Kurse sind für gehörlose Menschen ein Riesenproblem. „Man weiß gar nicht, wo man hingucken soll, zum Kursleiter oder zum Dolmetscher. Das ist so, als ob man schielen würde, man fühlt sich unwohl und versteht natürlich überhaupt nichts“, berichtet Anne Storz aus Erfahrung.

Der Dolmetscher fällt komplett weg


Damit ist jetzt Schluss. Die Heilerzieherin Nina Maier bietet Erste-Hilfe-Kurse für Hörgeschädigte an. „Dadurch, dass ich gebärde, fällt die Dolmetscherrolle komplett weg. Jetzt kommunizieren wir auf direktem Weg, das ist unglaublich schön und vor allem: effektiv“, beschreibt Maier die neue Situation.
Die gelernte Krankenschwes-ter hat die Gebärdensprache in Eigeninitiative erlernt. „Das war schon immer ein Kindheits-traum von mir. Mit der Fortbildung ‘Erste Hilfe an Erwachsenen und Kindern’ ist es jetzt die perfekte Kombination.“
Sie bildet nicht nur Lehrer, sondern auch gehörlose Schüler zu kompetenten Ersthelfern aus. Zusammen mit Peter Müller, einem Polizisten aus Baden-Württemberg, der die Idee zu dem Vorzeigeprojekt hatte, möchte sie das Angebot gerne in ganz Deutschland voranbringen.

Infos.
Elbschule –
Bildungszentrum Hören und Kommunikation
Holmbrook 20
Tel. 428 48 50
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