„Da muss man etwas zurückgeben“

Mathilde Krink gibt in der Flüchtlingsunterkunft Sieversstücken ehrenamtlich Deutschunterricht. Foto: jve

Mathilde Krink unterrichtet ehrenamtlich Deutsch in der Folgeunterkunft Sieversstücken

Julia Vellguth, Sülldorf

Die Folgeunterkunft Sieversstücken beherbergt seit ihrer Erweiterung gut 700 Flüchtlinge. Der Unterricht wurde auf fünf Tage die Woche, jeweils vor- und nachmittags, mit rund 30 Ehrenamtlichen ausgeweitet. Eine von ihnen ist Mathilde Krink, die seit 20 Jahren dem Runden Tisch Blankenese angehört.
Mathilde Krink wurde in die Wiege gelegt, anderen zu helfen. Die 67-Jährige wuchs in einem Dorf im Münsterland auf, wo Nachbarschaftshilfe wichtig war. „Es geht mir gut, und ich bin gut versorgt“, sagt die Rissenerin, „da muss man etwas zurückgeben.“ Eine Handvoll Frauen aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak im Alter von 25 bis 50 Jahren besucht ihren Kurs am Montagnachmittag. Einige bringen ihre Kinder mit. „Eine Frau ist mit ihrem sieben Tage alten Baby gekommen. Das zeigt ja auch ihre Motivation“, sagt die Ehrenamtliche. Ihre Kursteilnehmerinnen erlebt sie als interessiert und herzlich – sie wuchsen ihr schnell ans Herz. Das Unterrichtsmaterial wurde durch eine Spende von 6.000 Euro durch den Rotary Club Hamburg-Elbe finanziert.
Mathilde Krink hatte zum ersten Mal sechs Monaten in der Erstunterkunft Bornheide andere unterrichtet. „Man muss sich einfach trauen, man kann gar nichts falsch machen“, erklärt sie.
Als die Münsterländerin vor 40 Jahren nach Hamburg kam, fühlte sie sich damals lange fremd in der Großstadt. „Ich kann es vielleicht deshalb so gut nachvollziehen, wie sich die Flüchtlinge hier fühlen. Dabei war es für mich ja die gleiche Kultur“, sagt die 67-Jährige. Die ehemalige Sekretärin ist froh, in ihrem Ruhestand ein Ehrenamt beim Runden Tisch auszuüben, der in Sülldorf zahlreiche Gruppen für Flüchtlinge anbietet.
Zusätzlich kümmert sich Mathilde Krink mit ihrem Mann um einen 21-jährigen Afghanen, der allein in Blankenese lebt und in der Ausbildung ist: „Er ist wie unser Kind. Er kommt zum Essen, wir reden und lernen mit ihm. Da inves-tiert man nicht nur Zeit, sondern auch Gefühle.“
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