„Cornern“ wird weiterhin geduldet

Auch hier wird gerne „gecornert“ – wenngleich es sich, streng genommen, nicht um eine Straßenecke handelt: die Sitzbank-Stufen auf dem Schlachthofgelände. Foto: cvs

Party auf der Straße: Altonaer SPD will Lage erstmal „weiter beobachten“

Ch. v. Savigny, Altona

Insbesondere an lauen Sommerabenden kann man es regelmäßig erleben, dass der Alma-Wartenberg-Platz in Ottensen zu einer großen Open-Air-Kneipe mutiert: Junge Leute treffen sich hier, um Bier zu trinken und zu chillen. Bevorzugte Einkaufsstätten sind der örtliche Penny-Markt, der bis 23 Uhr geöffnet hat und der nebenan gelegenene „Kiosk 2000“, der erst um 5 Uhr früh dichtmacht. Das Bier kostet nicht viel: Selbst im Kiosk ist die günstige Sorte bereits für 70 Cent erhältlich. Nicht alle kommen mit dem nächtlichen Partylärm zurecht: „Der Spaß miteinander raubt den umliegenden Bewohnern ihre bitter nötige Nachtruhe“, schreibt Elbe Wochenblatt-Leserin Gisela Alberti und fragt, ob eine Wohngegend zur Nachtzeit wohl das passende Ambiente sei.
Dem sogenannten „Cornern“ (d. h. an Straßenecken herumlungern) wollen die Altonaer Grünen jetzt einen Riegel vorschieben. Für die vergangene Sitzung der Bezirksversammlung wurde ein Antrag vorbereitet, der sich für ein Alkoholverkaufsverbot für den Einzelhandel an Wochentagen ab 22 Uhr einsetzt. Gefordert wurde außerdem, dass Händler bei Verstößen zur Kasse gebeten werden („Gewinnabschöpfung“).

Städtische Mitarbeiter sollten – so der Antrag - für die Einhaltung der Ladenschlusszeiten sorgen.

Gecornert wird nicht nur im Zentrum Ottensens, sondern an zahlreichen Ecken westlich und östlich des S-Bahnhofs. Die Kreuzung Bahrenfelder Straße / Ottenser Hauptstraße ist so ein beliebter „Spot“, ebenso wie die Tabak-Börse in der Straße Beim Grünen Jäger (St. Pauli).
Für viele gehört das Cornern zum Stadtbild dazu: „Wir wollen in einem lebendigen Stadtteil nicht die Spaßbremse sein“, sagt denn auch Wolfgang Kaeser (SPD Altona), Fachsprecher im Ausschuss für Verbraucherschutz. Auf der anderen Seite hätten Anwohner das Recht auf Ruhe. „Wir wollen das weiter beobachten“, so Kaeser. Derzeit halte man es aber nicht für nötig, Maßnahmen zu ergreifen.
Auch die Grünen hatten ihren Antrag im letzten Moment abgeändert. In der aktuellen Version werden Senat und Bürgerschaft lediglich dazu aufgefordert, die Landesgesetzgebung hinsichtlich Ladenschluss und Gaststättenerlaubnis zu überprüfen. Bisher bietet diese kaum Handhabe, was das „Cornern“ angeht.
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