Blankeneser verhindern Flüchtlingsdorf

Björnsonweg: Anwohner versperren die Straße, ein Anwohner klagt – Bauarbeiten für das Pavillondorf ruhen

Blankenese – Im Björnsonweg, unterhalb des Falkenstein, sind neun Holzpavillons für insgesamt 192 Flüchtlinge geplant. Als die ersten der insgesamt 42 Bäume für den Bauplatz gefällt werden sollten, nahmen einige Anwohner das Recht in die eigene Hand: Sie blockierten mit ihren Autos die Zufahrt zum Gelände. Eine Biologin, die zu fällende Bäume markieren wollte, wurde angepöbelt, eine Spraydose entwendet, dutzende Bäume von Unbekannten willkürlich besprüht.
„Die Aktion, mit der Anwohner das Entstehen der Unterkunft ausgebremst haben, hat mit rechtsstaatlichem Handeln nichts zu tun“, so Uwe Szczesny (CDU). „Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Blankeneser Bürger ein solches Vorgehen billigt.“
Das Bauland liegt im Naturschutzgebiet. Ein Anwohner klagte im Eilverfahren beim Verwaltungsgericht (VG), die Stadt habe bei der nötigen Umweltverträglichkeitsprüfung geschlampt. Das VG gab dem Kläger recht, stoppte den Bau- und Fällarbeiten.

Ist sich Blankenese zu fein für Flüchtlinge?

Jetzt hat die Sozialbehörde Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) eingereicht. So lange keine Entscheidung des OVG vorliegt, dürfen die Bäume nicht gefällt werden. Sollte das Gericht die Klage zurückweisen, könnten die Bäume mit einer Sondergenhmigung des Bezirksamtes Altona frühes-tens ab Juli gefällt werden.
Keine Baumfällung, kein Pavillondorf, keine Flüchtlinge. „Dass hier in Hamburg die Schickeria unter sich bleiben will, werden wir nicht akzeptieren“, kündigt Sandra Peters von der Interventionistischen Linken an.
„Blankenese, zu fein für Flüchtlinge?“, fragt auch Bewohner Heiner Fossek kritisch. „Jahrzehnte lang gab es am Björnsonweg eine Flüchtlingsunterkunft. Sie wurde für den Bau überteuerter Wohnhäuser im Jahr 2008 abgerissen. Hier zogen gut betuchte Eigentümer ein. Jetzt mussten sie erfahren, dass in direkter Nachbarschaft wieder Dauerunterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden sollen. Das erregte Unmut.“
Jürgen Weber, Erster Vorsitzender des Blankeneser Bürgervereins weist den Vorwurf Fremdenfeindlichkeit zurück: „An der Notwendigkeit dieser Unterkunft an diesem Standort besteht aus Sicht des Blankeneser Bürgervereins kein Zweifel.“
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