Baumfrevel!

Annemarie Kaumanns ärgert sich über die Fällung gesunder Bäume vor dem Regenrückhaltebecken an der Straße Op’n Hainholt. Foto: jve

Sülldorf: Fünf gesunde Bäume am Rückhaltebecken gefällt – Bezirksamt Altona räumt Versäumnis ein

Julia Vellguth, Sülldorf

Als Annemarie Kaumanns kürzlich zum Einkaufen ging, traute sie ihren Augen nicht: Vor dem Regenrückhaltebecken an der Ecke Op’n Hainholt/Sülldorfer Knick waren Arbeiter gerade dabei, drei Wildkirschen und zwei Buchen zu fällen! Die 65-Jährige fragte die Baumfäller nach einer Genehmigung, doch sie wurde schroff abgewiesen.
Annemarie Kaumanns ist entsetzt: „Die fünf Bäume waren gesund!“ Die Wildkirschen seien außerdem wichtig für die Wildbienen der Sülldorfer Imker und zur Blütezeit hübsch anzusehen. „Und die Buchen waren mindestens 100 Jahre alt“, meint die Rentnerin.
Während ihre Nachbarn resignierten, ließ die Naturschützerin den Vorfall nicht auf sich beruhen und telefonierte sich durch zahlreiche Behörden. „Keiner weiß was, keiner will zuständig sein“, so ihr Fazit. Annemarie Kaumanns erfuhr schließlich, es habe einen Antrag zur Wiederherstellung der Sichtachse in die Feldmark gegeben. Doch sie entgegnet: „Wieso wiederherstellen? Es gab da nie eine freie Sicht! Die Buchen waren außerdem außerhalb jeglicher Sichtachse!“
Niemand aus ihrer Nachbarschaft sei einverstanden mit der Fällung, so die 65-Jährige. Warum wurden die gesunden Bäume also abgeholzt? Hajo Schaefer, Abteilungsleiter Stadtgrün des Bezirksamtes Altona, schafft Klarheit: „Die Bürgerinitiative „Erhaltet Sülldorf“ hatte darum gekämpft, dass man wieder in die Feldmark gucken kann. Der Initiative war versprochen worden, dass die alten Zustände wiederhergestellt werde“, so Schaefer und räumt ein: „Als das Gebiet als wasserwirtschaftliche Fläche an das Bezirksamt Altona verkauft wurde, wurde die Maßnahme umgesetzt, ohne sie noch einmal kritisch zu hinterfragen.“
Der Antrag der Bürgerinitiative stammte von 2015. „Wenn man es nach baumschutzrechtlichen Maßstäben neu bewerten würde, hätte man wahrscheinlich eine andere Entscheidung getroffen. Aber man ging von einer abgestimmten Meinung aus“, so Schaefer. Auch im Grünflächenausschuss hätten die Fällungen nachträglich für Unmut gesorgt, da sie vorab nicht besprochen worden waren.
Als Ersatz für die Buchen sollen nun zwei Bäume nachgepflanzt werden. Annemarie Kaumanns: „Ich hoffe, es handelt sich nicht nur um Stecklinge!“

Baumfällaktionen
Gestern (28. Februar) endete offiziell die Fällsaison für Bäume in Hamburg. Das traurige Ergebnis der Baumfällsaion 2016/2017: „Hamburg verliert weitere 2.535 Bäume – viele davon standen Baumaßnahmen im Weg“, bedauert Katharina Schmidt. Die Referentin beim Naturschutzbund (NABU) fährt fort: „Für nur 731 Bäume sind bisher Nachpflanzungen geplant.“ Hamburgweit wurden die meisten Bäume im Bezirk Altona gefällt, nämlich 202 Straßenbäume und 546 Bäume in Parkanlagen (insgesamt 748 Bäume). Obwohl Altona im Bezirksvergleich lediglich auf Platz sechs mit seinem Bestand an Straßenbäumen liegt (23.991 in 2015), werden hier die meisten Bäume abgesägt. Zu den Nachpflanzungen macht der Bezirk keine Angaben. KI
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