Bald erinnert hier nichts mehr an Siegfried Lenz

Das Haus, das Siegfried Lenz im Jahr 1963 mit seiner ersten Frau Liselotte bezog, wird abgerissen. Seit dem Tod des Schriftstellers im Oktober 2014 gammelt es vor sich hin. (Foto: BVFO)

Das Haus des Hamburger Ehrenbürgers in der Preußerstraße wird abgerissen

Karin Istel, Othmarschen – Es gammelt seit drei Jahren vor sich hin: das Haus von Siegfried Lenz in der Preußerstraße 4. Jetzt ist klar: Es wird kein Museum oder eine Gedenkstätte, sondern abgerissen. Die Arbeiten werden wahrscheinlich schon Ende der Woche starten.

Die Fassade bröckelt, Efeu wuchert an den Hauswänden, und einige Scheiben sind eingeworfen. Das war zu Beginn der 60er Jahre anders: Ab 1963 lebte und arbeitete Siegfried Lenz in dem Haus, damals in erster Ehe mit seiner Frau Liselotte verheiratet. In seinen letzten Jahren vor seinem Tod im Jahre 2014 war er nur noch zeitweise mit seiner zweiten Frau, Ulla Reimer, in Othmarschen.
Da das Haus nicht denkmalgeschützt ist, soll auf dem Grundstück ein Neubau mit drei Wohnungen entstehen. Eine Bauanfrage liegt dem Bezirksamt vor. Das Grundstück verbleibt im Besitz der Familie. Damit sind Pläne vom Tisch, im Lenz-Haus ein Museum über den Schriftsteller einzurichten. Nach Angaben der Siegfried-Lenz-Stiftung sei das Haus dafür auch zu klein. Lenzens schriftstellerische Nachlass wird darüberhinaus vom Deutschen Literaturarchiv Marbach verwaltet.

Wird zukünftig nichts mehr an den Hamburger Schriftsteller und Ehrenbürger erinnern? Das ist noch ungewiss. Der Bürgerverein Flottbek-Othmarschen wil sich dafür einsetzen, dass die Preußerstraße nach Siegfried Lenz umbenannt wird. „ Wir können uns sehr gut vorstellen, eine Straße nach Siegfried Lenz zu benennen“, sagt Enno Iserman, Sprecher der Kulturbehörde. Anwohner wünschen sich, dass zukünftig eine Tafel auf den ehemaligen Wohnort von Lenz hinweist.

Siegfried Lenz
Geboren wurde der Schriftsteller am 17. März 1926 als Sohn eines Zollbeamten in Lyck, einer kleinen Stadt in Ostpreußen. Nach dem Notabitur wurde er zur Kriegsmarine eingezogen. Kurz vor Kriegsende desertierte Lenz und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. Daraus entlassen, studierte er in Hamburg Literaturwissenschaft, Philosophie und Anglistik. Schon während seines Studiums arbeitete er als Redakteur für die „Welt“. Als 1951 sein erster Roman „Es waren Habichte in der Luft“ erschien, kündigte er bei der Zeitung und beschloss, als freier Schriftsteller zu leben.Für sein außergewöhnliches Schaffen wurde Siegfried Lenz mit vielen Auszeichnungen bedacht, unter anderem dem Thomas-Mann-Preis oder der Ehrenbürgerschaft des Landes Schleswig-Holstein und der Hansestadt Hamburg.
´ Am 7. Oktober 2014 starb der Schriftsteller im Alter von 88 Jahren. NDR
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Erich Jungnickel aus Altona | 02.12.2017 | 17:55  
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