Auf zwei Mokka bei einer Künstlerin

Künstlerin Emina Kamber stammt aus Bosnien und setzt sich seit Jahrzehnten für den Austausch ein. Foto: calvi

Wie Emina Kamber Menschen einander näher bringt

Jenifer Calvi, Eimsbüttel

„Wasser für die Kehle, Mokka für die Seele“ – mit diesem Trinkspruch serviert Emina Kamber das starke Bohnengetränk. Nach zwei Tassen fließen die Gedanken, und das Herz wird warm. Damit ist schon viel gesagt über das, was Emina Kamber erreichen möchte: Menschen zusammenbringen, Offenheit und Austausch fördern. Mokka ist da so etwas wie ein Türöffner. Und Emina entdeckte diesen so: „Die Mokka-zeremonie und das Mokkasatzlesen habe ich als 14-Jährige von einer Frau in Belgrad gelernt“, erzählt Emina Kamber. Zehn Jahre später – durch puren Zufall – traf Emina die Tochter der Mokkasatzleserin, die ein Buch ihrer Mutter zu diesem Thema veröffentlichen wollte, in Deutschland wieder. „Das war wie ein kleines Wunder. Natürlich wollte ich das Buch machen.“
Anekdoten wie diese liebt Emina. Die gebürtige Bosnierin lebt seit fast 50 Jahren in Hamburg. Aus ihrer alten Heimat hat sie Erfahrungen, Überzeugungen und Traditionen mitgebracht, die sie heute weiter pflegt. „Wir brauchen in der Welt ethische Werte – zum Beispiel ist Teilen sehr wichtig“, sagt sie. „Aber wir brauchen auch viel mehr Kommunikation untereinander! Kommunikation ist Integration! Nur sie kann Menschen verbinden und Kriege verhindern.“ Neben der Mokkazeremonie bringen auch die vielen Lesungen, die Emina in Eimsbüttel und Umgebung organisiert, Nachbarn und Kunst- sowie Literaturinteressierte einander näher.
Emina ist dieses Jahr 70 geworden, aber so richtig merkt man es ihr nicht an. Zu fix ist ihr Geist, zu spannend sind ihre vielen Eindrücke und die Lösungen, die sie für Probleme sucht. „Kneipen sind eine tolle Einrichtung“, sagt sie. „In der Kneipe an meiner Straßenecke kommen täglich völlig unterschiedliche Menschen zusammen. Vom Arzt bis zum Schuster – alle kennen sich, alle helfen sich, wenn es ohne Umstände möglich ist.“
Um Jugendliche für Kunst zu begeistern, plant und leitet sie im Auftrag der EU Austauschreisen für junge Hamburger, zum Teil aus Problemstadtteilen, und junge Bosnier. „Finde deinen Weg“ heißt ein Buch dieser Jugendlichen von und mit Emina. Im Juni geht es wieder los zu einer Projektreise. „Manchmal haben die Kinder kein Geld, um an meinen Kunstkursen teilzunehmen – das tut mir immer sehr weh, da versuche ich zu helfen.“
Dann findet sie einen Weg für diejenigen, denen Türen sonst verschlossen bleiben.

Kurzbiografie
Emina Kamber ist freie Autorin, Malerin und Übersetzerin. Geboren und aufgewachsen in Zentralbosnien, ging sie 1968 nach Hamburg. Emina Kamber ist Herausgeberin mehrerer Bücher über den jugoslawischen Bürgerkrieg. 1988 gründete sie den internationalen Literaturclub „La Bohemina“, Schriftstellerkollegen aus 38 Ländern organisieren ähnliche Veranstaltungen in ihren Heimatländern. In Hamburg ist die Autorin in der Kirchengemeinde St. Markus (Hoheluft) aktiv, bietet dort Lesungen und Diskussionsabende an. Zudem arbeitet Kamber seit mehr als 16 Jahren an Austauschprojekten mit deutschen und bosnischen Jugendlichen mit. CV
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