Als Bomben auf die Schule fielen

Dieter Rickert an seinem Computer: Im Internet recherchiert er nach Fakten zum 13. Dezember 1943, als die Schule Hirtenweg in Schutt und Asche gelegt wurde. (Foto: tischler)

Dieter Rickert sucht Zeitzeugen, die die Bombardierung der Schule Hirtenweg im Dezember 1943 erlebten

Markus Tischler, Othmarschen – Der 13. Dezember 1943 ist ein klarer und sehr kalter Tag. Dieter Rickert sitzt mit seinen Klassenkameraden im Hauptgebäude der Schule Hirtenweg. Durch die Fenster können die Schüler auf den Schulhof sehen, der von einem weiteren, in U-Form gehaltenen Komplex umrahmt wird. Es geht auf elf Uhr zu, Rickert und die anderen schreiben eine Arbeit, da gehen die Sirenen los. Luftalarm. Einer von vielen in dieser Zeit. Heute schreibt Rickert an seinen Erinnerungen und sucht ehemalige Mitschüler, die sich noch an den Bombenangriff erinnern.

Im Schulkeller war der Bombeneinschlag zu spüren

Rickert, mittlerweile 82 Jahre alt und in Sasel wohnhaft, sitzt in seinem Haus und nippt kurz an seiner Tasse Kaffee. „Ich weiß noch, dass unsere Lehrerin damals gesagt hat, dass wir die Arbeit nach dem Alarm weiterschreiben.“ Mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Klaus und rund 150 anderen Kindern sowie den Lehrern sei er dann in den Keller gelaufen. Irgendwann spürten sie, dass eine Bombe eingeschlagen haben muss. „Müssen wir jetzt sterben?“, das hat mein Bruder mich damals gefragt“, erinnert sich Rickert.
Als sie den Keller wieder verlassen, ist der vom Hauptgebäude aus zu sehende rechte Flügel des Komplexes zerstört. „Die Arbeit haben wir an diesem Tag nicht mehr zu Ende geschrieben“, erzählt Rickert. Es sollte, was Rickert damals nicht klar war, sein letzter Besuch an der Schule Hirtenweg gewesen sein. „Ich war dann bis 1951 in einer Mittelschule in Ottensen. “
Doch ist alles wirklich so passiert, wie Rickert es in Erinnerung hat? Der ehemalige Othmarschener und Vater von vier Kindern schreibt derzeit an seiner Biografie und sucht nach Zeitzeugen, die an jenem Tag ebenfalls an der Schule gewesen sind. „Sie sollen bestätigen: Ja, Du hast recht, so ist es gewesen“, so Rickert.
Immerhin weiß er mittlerweile ganz sicher, dass es sich tatsächlich um den 13. Dezember 1943 gehandelt hat. Im Internet ist er auf die Chronik des Röperhofs gestoßen. Dort heißt es, dass damals insgesamt 18 Bomben gefallen seien. Und auch die genannte Uhrzeit stimmt nahezu mit dem überein, woran sich Rickert erinnert.
Es findet sich auf der Internetseite auch ein Tagebuch-Auszug von Lucie Röper, die jeden Luftalarm über Hamburg in jenem Kriegsjahr vermerkt hat. Demnach dauerte besagter Alarm 28 Minuten. Wie lange er mit seinem Bruder und den anderen Kindern im Keller gesessen hat, kann Rickert indes nicht genau sagen. Aber er hofft darauf, dass sich noch jemand findet, der das weiß und sich bei ihm meldet.

Kontakt:
Dieter Rickert
Tel. 601 17 11
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