Wer baut eine Brücke für zwei Mio Euro?

Gut 1,5 Millionen Euro sollte diese Drehbrücke über den Lotsekanal ursprünglich kosten. Nachdem die Kosten sich mehr als verdreifacht hatten, wurde das Projekt gestoppt. Die erneute Ausschreibung verlief ergebnislos. (Foto: Grassl/Winking Froh Architekten)
 
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Der Kanalplatz um 1900. Im Hintergrund ein Teil der Schloßinsel, die zum Wohnpark mit Stadthafen umgebaut wird. (Foto: Helms-Museum)

Verbindung Schloßinsel zum Kanalplatz: zweite Brücken-Ausschreibung gescheitert - niemand ist interessiert

von Olaf Zimmermann, Harburg
Pünktlich zu Beginn der Internationalen Bauaustellung im März 2013 sollte die Harburger Schloßinsel besser an die Innenstadt angebunden sein. Fußgänger und Radfahrer sollten das neue Wohnquartier Schloßinsel dann vom Kanalplatz aus bequem über eine Drehbrücke erreichen. Die Idee klang gut, die Wirklichkeit im Herbst 2013 sieht anders aus. Es gibt keine Drehbrücke, nicht einmal eine provisorische
Brücke und schon gar keinen endgültigen Plan, was für eine Brücke überhaupt gebaut werden kann.
Die erste Ausschreibung hatte der Bezirk gestoppt, nachdem die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen waren - von 1,5 auf über 4 Mio Euro. An der zweiten Ausschreibung hatten sich keine Firmen mehr beteiligt.
Den Schuldigen für dieses Desaster haben die Harburger Politiker schnell ausgemacht: den für die Ausschreibung zuständigen Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG). „Welche Leute sitzen nur in dieser Behörde? Jeder, der über einen Computer verfügt, hätte ermitteln können, was Brücken kosten. Wir geben uns der Lächerlichkeit preis“, kommentierte etwa Jürgen Heimath (SPD). Wie geht’s jetzt weiter? Das Elbe Wochenblatt sprach mit dem LSBG.



EW: Stimmt es, dass die erneute Ausschreibung für den Bau einer Brücke über den Lotsekanal beendet ist und keine Firma Angebote abgegeben hat?
LSBG: Es ist richtig, dass von den Baufirmen, die sich im vorlaufenden Teilnahmewettbewerb qualifiziert hatten, kein Angebot abgegeben wurde und dieses Ausschreibungsverfahren deshalb beendet wurde.

EW: Waren demnach die Ausschreibungsbedingungen so
unattraktiv/unrealistisch?
LSBG: Bei der aufgehobenen Ausschreibung wurde das Brückenbauwerk „funktional“ im Sinne der Vergabeordnung (VOB) ausgeschrieben. Das heißt, dass die Baufirmen mit ihrem Know-How eigene Ideen und Entwürfe entwickeln und diese mit einem endgültigen Preis anbieten sollten. Leider waren die Firmen am Ende nicht bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

EW: Wie teuer darf die Brücke eigentlich sein?
LSBG: In der abgelaufenen Ausschreibung war eine Kostenobergrenze von circa zwei Mio. Euro genannt. Diese Kostenschätzung wurde von einem namhaften Ingenieurbüro durchgeführt und basiert auf wettbewerbsüblichen Preisen aus vergleichbaren Projekten in Hamburg.

EW: Wie geht es jetzt weiter? Wird der Auftrag ohne Ausschreibung vergeben?
LSBG: Derzeit wird der ursprüngliche Behördenentwurf mit dem Ziel einer Kostenreduzierung durchgearbeitet. Nach der zweimaligen erfolglosen öffentlichen Ausschreibung wird nun der direkte Kontakt zu interessierten Firmen und eine Vergabe im Verhandlungsverfahren angestrebt.

EW: Wann wird die Brücke über den Lotsekanal fertig sein?
LSBG: Wichtig ist der Abschluss eines Bauvertrages. Hierbei ist Flexibilität bei Vereinbarung der Ausführungszeiten eine wichtige Voraussetzung. Vor diesem Hintergrund ist die Nennung verbindlicher Fertigstellungstermine derzeit nicht sinnvoll. Es ist damit zu rechnen, dass nach Auftragserteilung etwa ein Jahr für die Durchführung der Arbeiten benötigt wird.
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