„Nicht Wurst säbeln, Bäume fällen!“

Wo soll der Baum zu Boden gehen? Klaus Lachmann zeigt mit ausgestreckten Armen in welche Richtung die Reise gehen soll. Fotos: sd
 
Männer zeigen ihre Motorsäge: Die sechs Teilnehmer waren am Ende zwar durchgefroren, aber zufrieden. Wer teilnehmen möchte, kann sich Im Internet unter www.motorsaegenkurs.de informieren.
Rosengarten: Wildpark Schwarze Berge |

Reportage: Motorsägenkurs mit Förster Ralf Neumann im Wildpark Schwarze Berge.

Von Sabine Deh.
Die Hirsche im Wildpark Schwarze Berge sind an diesem Morgen nicht zu hören, wenn die Motorsäge von Förster Ralf Neumann (45) heult. Die Waldtiere sind in sicherem Abstand von den Menschen in grünen Schutzanzügen, die häufiger laut „Achtung“ in Richtung der schon fast kahlen Bäume brüllen.
Neumann veranstaltet an diesem klammen Novembertag einen Motorsägenkurs für sechs Hobby-Holzfäller, die mit Schutzhelmen, Sicherheitsschuhen und Ohrenschützern in den Wald gegangen sind. „Immer mehr Menschen greifen selbst zur Motorsäge und besorgen sich ihr Holz im Wald“, so Förster Neumann. Die Verletzungsgefahr durch fallende Bäume oder den laienhaften Umgang mit der Säge sei allerdings groß, darum fordern Neumann und seine Kollegen seit Jahren, dass sich nur Holzfäller mit Motorsägenschein an die Arbeit machen dürfen.
Die Teilnehmer des Workshops zieht es aus unterschiedlichen Gründen an die Säge: Henner Prestien (58) unterrichtet Englisch und Französisch. „Kürzlich habe ich ein Stückchen Wald geerbt und will dort das Holz für meinen Kachelofen selbst schlagen“, sagt der hochgewachsene Lehrer mit dem grauen Bart. Betriebsleiter Erik Abel (51) und Klaus Lachmann, ein 55-jähriger Disponent, sitzen gemeinsam im Rat der Gemeinde Heidenau. Da sei es praktisch, kleinere Arbeiten mit der Motorsäge selbst durchführen zu können ohne gleich eine Firma beauftragen zu müssen.
Dietrich Danckwerts (47) ist Bauingenieur und kann den Schein gut für seinen Job gebrauchen. „Angst vor einer Motorsäge haben wir nicht, aber Respekt“, sagen die Männer übereinstimmend. Am Abend vorher stand bereits der theoretische Teil auf dem Programm. Ausführlich wurde über Sicherheit, Schutzkleidung und Fälltechniken gesprochen, nun wird es ernst am Stamm.
Nachdem die Umgebung durch zwei Männer ausreichend gesichert ist, nimmt Neumann eine schlanke, rund 20 Meter hohe Buche ins Visier. Für Hobby-Holzfäller gilt: Niemals alleine in den Wald gehen, und Finger weg von Bäumen, die einen größeren Durchmesser als 25 Zentimeter haben. „Denkt daran, dass wir hier keine Wurstscheiben säbeln, sondern einen Baum fällen wollen“, redet der Fachmann den Kettensägen-Novizen ins Gewissen.
Es ist so kalt im Wald, dass sich bei jedem Atemzug kleine weiße Wolken vor den Mündern der angehenden Holzfäller bilden. Da hilft nur eins: Warmarbeiten. Erik Abel macht den Anfang. Zunächst markiert er die Stelle, auf die der Baum fallen soll, mit einer Holzscheibe. Dann greift er zu einer rund sieben Kilo schweren Motorsäge und bringt in der Richtung, in die der Baum fallen soll, den so genannten „Fallkerb“ an. Dazu wird ein waagerechter Schnitt am unteren Stammende bis zu einer Tiefe von etwa einem Drittel der Baumstärke geschnitten, so dass ein Keil aus dem Stamm herausgetrennt werden kann. Beim Sägen sprühen feine Holzspäne auf den mit Laub und Tannennadeln bedeckten Waldboden. „Das riecht gut, ich glaube heute Abend gönne ich mir einen Saunagang mit Fichtenaufguss“, witzelt Lachmann.
Mit sicherer Hand bringt Abel auf der Rückseite des Fallkerbs einen „Fällschnitt“ als Markierung an, bevor er Aluminiumkeile in die Lücke treibt, um so den Baum zum Fallen zu bringen. Kurz bevor es so weit ist, schreit er zweimal lauthals „Achtung“, um mögliche Passanten zu warnen, bevor die Buche mit einem satten Plumps umfällt. „Gute Arbeit“, lobt Neumann. Der Baum ist fast genau an der vorgesehen Stelle niedergegangen.
Jeder Kursteilnehmer fällt zwei Bäume. Nicht bei allen klappt das Fällen auf Anhieb. Einer der Bäume von Henner Prestien bleibt in der Krone eines Nachbarbaumes hängen. Die widerspenstige Fichte von Elektro-Mechaniker Marc Wajda (31) muss mit Hilfe eines Fällhebers umgelegt werden. Förster Neumann hat für alle Probleme eine Lösung und demonstriert diese ausführlich. „Der Kurs ist klasse, was wir heute gelernt haben, kannst du dir nicht anlesen“, findet Abel.
Am Nachmittag beginnen die Herren dann trotz zwei Paar warmer Socken und langen Unterhosen unter ihrer Schutzkleidung zu frieren. Vor dem Feierabend müssen sie aber noch die Lektion „Äste absägen“ verinnerlichen, bevor sie es sich vor dem heimischen Kamin bzw. Ofen gemütlich machen.
www.motorsaegenkurs.de
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