„Manchmal könnte ich heulen!“

Klare Forderung der Anwohner: „Keine Schwerlaster in Zone 30“ . (Foto: at)

Laster donnern durch die Jägerstraße: Anwohner bangen um ihre Häuser

Andreas Tsilis, Harburg - Helga Gericke blättert in ihren Akten. Seit zwei Jahren dokumentiert sie den Verkehrskollaps, der sich Tag und Nacht vor ihrer Haustür in der Jägerstraße abspielt. Fotos zeigen fahrende oder parkende Zugmaschinen, Brummis, Muldenkipper und Tankwagen - Fahrzeuge, die man in der Größe und Häufigkeit in einem verkehrsberuhigten Wohngebiet nicht vermuten würde.
„Manchmal könnte ich heulen“, sagt sie, „aber ich lasse nicht zu, dass das Haus, in dem bereits meine Großeltern wohnten, kaputt gefahren wird.“ Vor knapp 100 Jahren wurden hier die Häuser errichtet. Nicht gerade üppig verdienende Leute sollten „in kleinen Eigenheimen bei viel Licht und Sonne in gesunder Lage von den Schrecken des Ersten Weltkriegs genesen“. Das war das Ziel des Bauvereins „Freie Scholle“ von 1919. Viel ist davon nicht übriggeblieben. Helga Gericke leidet unter Lärm, Abgasen und Schlafstörungen. Manchmal hat sie Angst. „Es gibt Brummifahrer, die anhalten und obszöne Gesten machen, wenn man deren Geschwindigkeitsüberschreitungen kommentiert.“
Haus, Garten und Garage sind durch viele Risse stark in Mitleidenschaft gezogen, ein im November 2012 erstelltes Erschüttterungsgutachten ergab, dass die Maximalwerte überschritten seien. An die Grenzen der Belastbarkeit stößt auch Brigitte Diemann. Seitdem sie hier lebt, klagt sie über zu hohen Blutdruck, sie schläft nur bei geschlossenem Fenster, nimmt Ohropax. Das hilft nicht immer. „Einmal kamen um drei Uhr morgens 30 Muldenkipper, die Vibrationen waren im gesamten Haus zu spüren.“
Doch bei herunterfallenden Bildern oder Gläsern blieb es nicht - auch ihr Haus hat Risse im Mauerwerk. Liebend gern würde sie ihre erst vor ein paar Jahren gekaufte Immobilie wieder loswerden. Doch das gestalte sich schwierig, sagt sie. „Durch die Schäden sind die Gebäude doch nichts mehr wert, so was ist kalte Enteigung.“
Die Verwaltung wird ihre Pläne, wie der Verkehr in Jägerstraße und Vogtei beruhigt werden soll, am Dienstag, 12. August, in der Sitzung des Hauptausschusses um 18 Uhr im Bezirksamt Harburg vorstellen.
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