Macht die Politik die Lüneburger Straße kaputt?

Grundeigentümer der Lüneburger Straße wollen sich gegen die geplante Erweiterung des Phoenix-Centers wehren. (Foto: pr)

SPD, CDU und Grüne setzen auf Phoenix-Center-Erweiterung – Grundeigentümer befürchten dramatische Auswirkungen auf Harburger Innenstadt

von Olaf Zimmermann, Harburg
Die 98 Grundeigentümer der Lüneburger Straße fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Sie fürchten um die Zukunft der Harburger City. SPD, CDU und Grüne haben gegen alle Proteste die Erweiterung des Phoenix-Centers auf den Weg gebracht. Im Auftrag der Grund-eigentümer soll Rechtsanwalt Michael Günther die Erweiterung mit Hilfe einer Klage vor dem Verwaltungsgericht stoppen.
Bereits der Bau des Phoenix-Centers vor zehn Jahren war heftig umstritten. Wegen möglicher Auswirkungen auf die Harburger City wurde damals die Verkaufsfläche begrenzt. „Seit 2004 hat sich die Situation der Harburger Innenstadt deutlich verschlechtert“, urteilt BID-Manager Peter C. Kowalsky. Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, schlossen sich die Grundeigentümer der Lüneburger Straße zu einem „Business Improvement District“ (BID) zusammen. Bei einem BID wird jeder Grundeigentümer eines bestimmten Gebietes drei Jahre lang zur Kasse gebeten. Das so eingenommene Geld wird in Maßnahmen zur Verbesserung des Umfeldes - hier: der Lüneburger Straße - gesteckt.
Kaum sind mit Hilfe des BID
erste Verbesserungen erreicht, da soll das Phoenix-Center ausgebaut werden – um 3.400 m² auf 29.050 m² . Entstehen sollen unter anderem Flächen für 20 kleinere Geschäfte. „Das ist auch genau unsere Zielgruppe“, sagt Margit Bonacker (BID, konsalt), „dadurch werden uns die Beine weggezogen.“
Die Stadtentwicklungsbehörde hatte im Sommer 2013 wegen der Erweiterung noch eine weitere Schwächung der Harburger City befürchtet. Inzwischen sind die Bedenken ausgeräumt. Phoenix-Center-Betreiber ECE hat sich verpflichtet, rund 1,3 Millionen Euro für die Aufwertung der Harburger Innenstadt zur Verfügung zu stellen.
Diese Vereinbarung handelten Politik, Verwaltung und ECE miteinander aus, die Grundeigentümer waren nicht beteiligt. Öffentlich ausgelegt wurde der Vertrag ebenfalls nicht. Nach Einschätzung von Rechtsanwalt Michael Günther ein klarer Verfahrensfehler.
Der Anwalt der Grundeigentümer kritisiert auch einen weiteren Aspekt: „Weil die Center-Erweiterung deutliche Auswirkungen auf andere Innenstadtbereiche hat, hätte die Bauleitplanung auch den gesamten Innenstadtbereich umfassen müssen.“


Pro Tag kommen rund 35.000 Besucher zum Shoppen ins Phoenix-Center, in Spitzenzeiten vor Weihnachten sogar über 65.000. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt das über zehn Millionen Besucher. Der Jahres-Umsatz lag 2011 bei 150 Millionen Euro.
Aber die Konkurrenz in Buchholz, Soltau und Buxtehude schläft nicht. Deshalb soll das zehn Jahre alte Phoenix-Center jetzt erweitert werden. Geplanter Start: noch in 2014.
Kritiker der Erweiterung argumentieren, dass zuerst die ums Überleben kämpfende Harburger Innenstadt konsolidiert werden sollte. Erst danach könne das Phoenix-Center erweitert werden.
SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath plädiert für die Erweiterung, schränkt aber ein: „Das darf nicht dazu führen, dass die Lüneburger Straßen hintenansteht. Unabhängig von Beschlüssen müssen wird im Gespräch bleiben. Und die Gespräche müssen zu Ergebnissen führen. Die Politik muss dafür sorgen, dass der Geist des Vertrages mit ECE umgesetzt wird. Noch reicht das nicht.“ OZ


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