Kita Zauberburg sucht Nachwuchs

Auch im Bewegungsraum der Kita haben die Schützlinge von Sabine de Jong viel Platz zum Spielen.

Harburger Kita betreut Kinder von Drogensüchtigen und kämpft gegen Vorurteile von Eltern aus der Nachbarschaft an

Laute Kinderstimmen empfangen die Besucher der Zauberburg. Nicht ungewöhnlich für eine Kindertagesstätte, doch die Integrationskita auf dem Gelände des Bildungs- und Beratungszentrums am Schwarzenberg ist etwas Besonderes. Mit ihrer Eröffnung im Februar 2010 ging sie eine hamburgweit einmalige Kooperation ein: Eltern, die den benachbarten Drogenkonsumraum Abrigado besuchen, können zuvor ihre Kinder in die Kita bringen. Doch für die Einrichtung bringt das auch Probleme mit sich: Ihr fehlen Anmeldungen von Familien aus der Nachbarschaft.
„Viele Menschen haben Berührungsängste mit unserer Kita und denken, hier gehen die Drogensüchtigen ein und aus“, sagt Sabine de Jong. Sie führt die Zauberburg, die ein Ableger der Kita Bissingstraße ist, gemeinsam mit zwei Erzieherinnen und einer Kinderkrankenschwester. De Jong wünscht sich mehr Offenheit von den Eltern, denn Ausgrenzung schaffe schließlich nur noch mehr Probleme, sagt die 56-Jährige.
Bisher hat die Zauberburg insgesamt 25 Familien von Abrigado-Gängern betreut, neun Kinder kamen regelmäßig. „Das Abrigado ist kein Umfeld für Kinder. Die Mitarbeiter dort können die Kinderbetreuung nicht übernehmen“, erklärt de Jong. „Ursprünglich war geplant, dass die Kinder erst sporadisch kommen und dann an die Kita angebunden werden. Aber das hat sich nicht bewährt, weil die Eltern über die ganze Stadt verstreut wohnen.“
Zudem gäbe es eine große Scheu: Wer sein Kind vorbei bringt, outet sich als Drogensüchtiger, auch wenn er anonym bleiben kann. „Auch diese Eltern wollen gute Eltern sein und lieben ihre Kinder“, betont de Jong. Dennoch könnten drogensüchtige Eltern ihren Kindern nicht die Stabilität bieten, die sie für ihre Entwicklung brauchen. In dem geschützten Raum der Kita würden die Kinder richtig aufblühen, erzählt de Jong.
Eine weitere Herausforderung ist, dass die Kita mitten in einem sozialen Brennpunkt liegt und viele sehr belastete Kinder betreut. Von den insgesamt 17 Kindern im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren haben sechs einen Förderbedarf. „Eine andere Durchmischung wäre gut“, wünscht sich de Jong. Auf dem Schwarzenberg würden viele Studenten leben, die sicherlich auch Kinder hätten. „Die finden uns wohl nicht“, vermutet die Erzieherin.
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