Kein Platz für Sensibelchen

Betty Bergeest ist mit Leib und Seele Feuerwehrfrau bei der Freiwilligen Feuerwehr Rönneburg. Sie hat dort noch eine Kollegin, sonst nur Kollegen. (Foto: pr)

Betty Bergeest ist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Rönneburg

Andreas Tsilis, Harburg – Während andere nach Feierabend in bequeme Klamotten schlüpfen und die Füße hochlegen, tauscht Betty Bergeest (29) die rote Arbeitsjacke gegen eine blau-gelbe und geht in Alarmbereitschaft. Die Rettungssanitäterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist mit Leib und Seele Feuerwehrfrau bei der Freiwilligen Feuerwehr Rönneburg.
Eine Frau als „Feuerwehrmann“? Bergeest sieht das ganz pragmatisch. „Für mich“, sagt sie, „ist eine geschlechtergerechte Sprache unwichtig.“ Ärmel hoch, bergen, retten, helfen – darum geht’s, und Betty Bergeest wühlt mit schwerem Atemschutzgerät an vorderster Front „So stehe auch ich meinen Mann“, lacht sie. Außerdem sei es dem Feuer egal, ob es von einem Mann oder einer Frau gelöscht werde.
Seit vier Jahren macht sie den Job, zusammen mit Sandra Claes stellt sie das weibliche Kontingent unter einem Haufen Männern. Statistisch gesehen kommen Frauen bei der Feuerwehr ganz selten vor, in Harburgs Freiwilligen Wehren kann man sie an einer Hand abzählen. Bei Hamburgs Berufsfeuerwehr kommt auf 75 Männer eine Feuerwehrfrau.
Dass Bergeest überhaupt Brandbekämpferin wurde, lag an Tobi, einem Freund, Nachbarn und Feuerwehrmann. Seine Geschichten animierten sie, „das mit der Feuerwehr einmal auszuprobieren“.
2012 machte Bergeest an der Rönneburger Wache einen Kurs als Erstversorgerin. Sie biss sich durch und wurde durch „Wehrbeschluss“ schließlich als offizielles Mitglied aufgenommen. Ihr gesamtes Leben veränderte sich schlagartig. Bergeest brach ihr Pädagogikstudium ab und wurde hauptberuflich Rettungssanitäterin. Der Job wurde ihr Traumberuf. Ihr Privatleben, sagt sie, „gehört aber der Feuerwehr“.
Letztes Jahr war Bergeest bei 60 von insgesamt rund 120 Einsätzen dabei. Den Dienst in einer von Männern beherrschten Wehr hat sie bisher noch nicht bereut. Dass es so bleiben wird, daran hat sie keinen Zweifel. Der manchmal forsche Umgangston bereite ihr keine Magenschmerzen, sagt sie. „Für Sensibelchen ist da kein Platz“, sagt Bergeest.

Wer sich über die Freiwillige Feuerwehr informieren möchte: www.feuerwehr-
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