Ideen statt Sprachlosigkeit

Die Designerin Gabi Haramina möchte Menschen, die ihre Trauer sprachlos gemacht hat, ermutigen, sich künstlerisch auszudrücken. Foto: ki

Im Kurs „Neues kreativ erleben“ bietet Gabi Haramina die Chance, den Verlust künstlerisch zu verarbeiten

Von Karin Istel. Der Tod einer geliebten Person stürzt die meisten Menschen in Trauer. Manche können über das Erlebte nicht einmal sprechen. Müssen sie auch nicht. Gabi Haramina bietet unter dem Motto „Neues kreativ erleben“ ein kreatives Trauercafé an. Statt mit Worten drücken die Teilnehmer ihre Gefühle künstlerisch aus.
„Alles, was einen bewegt, darf Ausdruck finden. Es soll dabei kein Kunstwerk entstehen“, sagt Gabi Haramina. Die Designerin bietet kleine Experimente an. „In ihnen können sich die Teilnehmenden frei und vielseitig in Tanz, Performance, Musik, Literatur oder Malerei ausprobieren.“ Dabei kommen alle fünf Sinne zum Einsatz: fühlen, riechen, schmecken, hören und sehen. „So erweitert sich der eigene Horizont und eröffnet neue Perspektiven. Wer trauert, ist sehr eingegrenzt. Wenn man loslässt, kann man sich wieder für Neues öffnen.“
Klingt alles sehr allgemein. Wie könnte denn ein Treffen ablaufen? „Zum Einstieg lese ich der Gruppe beispielsweise eine Kurzgeschichte vor, zeige ein Bild oder biete unterschiedliche Materialien zum Fühlen und Entdecken an. Dann möchte ich dazu anregen, dass jeder Teilnehmer mit Gebrauchsmaterialien wie Papier, Stoff oder Farbe experimentiert. So können kleine Installationen oder Collagen erstellt werden oder Bilder entstehen“, beschreibt Haramina. Sie leitet das Trauercafé ehrenamtlich.
Für den Kurs braucht man sich nicht in Schale zu werfen. „Man sollte etwas tragen, in dem man sich wohl fühlt. Niemand soll sich verstellen. Jeder darf sein, wie er ist. Wenn jemand hier einfach nur sitzt und weint, dann ist das auch in Ordnung“, erklärt Haramina.
Mit der Trauer umzugehen und trotz des Verlustes wieder Vertrauen ins Leben zu fassen, das möchte der Kurs erreichen. „Die Menschen sollen in dieser Krisensituation handlungsfähig bleiben. So entscheidet man sich beispielsweise für die blaue statt für die rote Farbe. Man schöpft nach und nach wieder Lebensmut. Durch die Kunst bekommt das eigene Leben wieder eine gewisse Leichtigkeit. Denn trotz des schweren Verlustes: Man selbst lebt ja noch.“
Das Trauercafé wird vom Hospizverein Hamburger Süden angeboten.

Trauercafé

„Neues kreativ erleben“
Start: Donnerstag, 1. Juni
(Schnupperangebot)
dann jeden ersten Donnerstag im Monat, sechs Treffen
jeweils 18.30 bis 20 Uhr
MSH-Campus Arts
and Change
Kosten: 35 Euro
(für Material)
Schellerdamm 22

Anmeldung:  
Hospizverein Hamburger Süden
Tel. 76 75 50 43
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