Helfen, bevor es zu spät ist

In einem Gespräch informieren Fachkräfte ältere Menschen in deren eigenen vier Wänden über Unterstützungsmöglichkeiten. Foto: panthermedia

Gesundheitsbehörde startet in Harburg Seniorenprojekt

Olaf Zimmermann, Harburg
Viele Menschen möchten auch im fortgeschrittenen Alter so lange wie möglich ein selbstständiges, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden führen. Mit dem „Hamburger Hausbesuch“ will die Gesundheitsbehörde hierbei Hilfestellung leisten. Das auf drei Jahre befristete Projekt wird nur in den Bezirken Eimsbüttel und Harburg angeboten.Hintergrund: Fast jeder vierte Hamburger ist über 60 Jahre alt. In der Hansestadt leben über 90.000 Menschen, die älter als 80 Jahre sind. Im Jahr 2035 werden es über 120.000 sein. Angesichts dieser alternden Gesellschaft müssen die Anliegen und Belange von Senioren stärken ins Blickfeld rücken.

Was ist geplant? Beim Projekt „Hamburger Hausbesuch“ besuchen Fachkräfte im Auftrag der Stadt ältere Menschen, um Hilfen gegen Vereinsamung, bei gesundheitlichen Problemen, Pflegebedürftigkeit oder Unterstützungsbedarf im Haushalt zu vermitteln. Auch darüber, wie das Umfeld im Quartier seniorenfreundlicher gestaltet werden kann, wird gesprochen. Das Beratungsangebot ist kostenlos, die Nutzung freiwillig.

Wer kann den „Hamburger Hausbesuch“ nutzen? Erst einmal nur Senioren in den Bezirken Eimsbüttel und Harburg. Vorgesehen ist, dass in diesen Bezirken alle älteren Menschen zu ihrem 80. Geburtstag ein schriftliches Besuchsangebot mit einem Terminvorschlag erhalten. In Harburg leben derzeit rund 1.300 79-/80-Jährige, in Eimsbüttel rund 2.000.

Wer soll erreicht werden? Vorrangig die Gruppe der allein oder isoliert lebenden älteren Menschen mit und ohne deutschen Pass; Senioren mit Behinderungen oder schweren Erkrankungen; Menschen, die in Altersarmut leben oder davon bedroht sind.

Wie viele Personen werden den angebotenen Hausbesuch annehmen? „Erfahrungen aus anderen Städten zeigen eine Annahmequote von rund 25 Prozent“, teilt die Gesundheitsbehörde mit. Das Problem: Gerade Menschen, die aufgrund einer schweren Lebenssituation vom Hausbesuch besonders profitieren können, werden eventuell nicht erreicht, weil sie das Angebot ablehnen oder die Tür nicht öffnen.
Senioren aus Eimsbüttel und Harburg, die jünger oder älter als 79 oder 80 Jahre sind, können auf eigene Nachfrage hin das Hausbesuchsangebot ebenfalls in Anspruch nehmen. Allerdings erst ab Mitte 2018 – nach Auskunft der Gesundheitsbehörde gibt es dafür bislang keinen Ansprechpartner.
Ist eine Ausweitung des Projekts auf ganz Hamburg geplant? Darüber wird enschieden, wenn die Ergebnisse des Projekts, das wissenschaftlich begleitet wird, ausgewertet sind. 

Klaus Wicher, Hamburger Landesvorsitzender des Sozialverbands Deutschland, kritisiert „Hamburger Hausbesuch“


Heftige Kritik am Projekt „Hamburger Hausbesuch“ kommt vom Sozialverband Deutschland (SoVD).
„Diese Ankündigung ist eine Mogelpackung“, sagt Klaus Wicher, Hamburger SoVD-Landesvorsitzender. „Zum einen startet die Aktion in nur zwei Stadtteilen, nämlich Eimbüttel und Harburg. Zum anderen berücksichtigt sie drei Jahre lang zunächst nur die über 80-Jährigen, alles in allem sind das gerade mal maximal 3.300 Menschen, die teilhaben könnten.“
Wicher geht es vor allem um die Senioren, die in Altersarmut leben oder von ihr bedroht sind. In Hamburg sind dies rund 53.000 Menschen über 65 Jahre. Davon leben in der Zwischenzeit schon mehr als 25.000 ausschließlich von Grundsicherung.
Klaus Wicher: „Gerade bei dieser Gruppe besteht die Gefahr, dass die Menschen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und vereinsamen. Sie sind angewiesen auf kostenfreie Hilfe und Angebote.“
Der SoVD fordert: Aufsuchende Seniorenarbeit flächendeckend für alle über 65-Jährigen umsetzen; die bezirklichen Seniorenberatungen einbeziehen und personell sowie finanziell stärken.

Wer macht die Hausbesuche?

Die Hausbesuche sollen von qualifizierten Honorarkräften – Pflegekräfte, Sozialpädagogen, Pädagogen – durchgeführt werden. Aus einem Pool an Fachkräften können Besuche so passgenau koordiniert werden, etwa im Hinblick auf Sprachkenntnisse.
Um Akquise, Schulung und Begleitung der Honorarkräfte kümmert sich eine Fachstelle, die mit 1,5 Stellen für Sozialarbeiter/Sozialpädagogen sowie zwei Stellen für Bürokräfte ausgestattet ist.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.