Gegenwind für A26 Ost

Direkt neben der Kattwykbrücke soll für die A26 Ost diese Brücke über die Süderelbe entstehen. Grafik: sbp-WTM, D+W
 
Der Wilhelmsburger Manuel Humburg ist einer der Sprecher des Bündnis’ Verkehrswende Hamburg. Foto: stahlpress

1.200 Einwendungen gegen Planung des ersten Abschnitts

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd

Heftiger Gegenwind für Hamburgs neue Autobahn. Gegen den ersten Planungsabschnitt der A26 Ost, früher Hafenquerspange genannt, wurden rund 1.200 Einwendungen erhoben. „Dies zeigt den zunehmenden Widerstand gegen das geplante anachronistische Vorhaben“, kommentierte das „Bündnis Verkehrswende Hamburg“.
Zur Erinnerung: Die gut neun Kilometer lange Strecke soll eine Verbindung zwischen A1 und A7 schaffen. „Wir brauchen eine Entlastung für die Hafenverkehre und für die großräumigen Verkehre von Ost nach West“, begründet Verkehrsstaatsrat Andreas Rieck-hof. Arnold Mergell (Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden) ergänzt: „Die Realisierung der A26 Ost ist längst überfällig.“
Aus Berlin gab’s grünes Licht für das in drei Abschnitte aufgeteilte 900-Millionen-Euro teure Vorhaben. Jetzt sollen verbindliche Pläne geschaffen werden, sogenannte Planfeststellungsverfahren sind in Vorbereitung oder, wie im im Abschnitt A (Bereich Moorburg, Bostelbek), gerade in Gange.
In Wilhelmsburg ist die Front der A26 Ost-Gegner gespalten. Viele lehnen eine neue Autobahn komplett ab. Sie setzen darauf, den Bau politisch oder gerichtlich zu verhindern – zumindest aber den geplanten Trassenverlauf zu kippen.
Die „Moderaten“ machen bei den umfangreichen offiziellen Beteiligungsverfahren, die von der Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg organisiert werden, mit. „Es werden Empfehlungen und Forderungen formuliert, was in den Planungen bedacht werden muss, damit die A26 möglichst verträglich für die Menschen auf den Elbinseln umgesetzt wird“, formuliert Sören Schäfer (Bürgerhaus). Einfach ausgedrückt: Im Rahmen der vorgegebenen Pläne soll das Beste für Wilhelmsburg herausgeholt werden.
Wie groß ist das Interesse der Wilhelmsburger am Beteiligungsverfahren? Schäfer: „Bei der Planungswerkstatt waren rund 70 Personen anwesend, davon etwa 40 Bürger.“

„Bürgerbeteiligung ist nicht ergebnisoffen“

Manuel Humburg ist alter Wilhelmsburger. Er engagiert sich im „Bündnis Verkehrswende Hamburg und lehnt die A26 Ost vehement ab. Wie steht er zum Bürgerbeteiligungsverfahren, wie es seit Wochen mit großem Aufwand in Wilhelmsburg abläuft? Sein Statement:
„Bürgerbeteiligung muss frühzeitig und ergebnisoffen sein. Beides ist hier nicht der Fall. Das Bürgerhaus lässt sich von dem Vorhabenträger Deges für deren Strategie der Akzeptanzbeschaffung einspannen.
Das Deges-Budget für Marketing scheint gut bestückt: So viele Plakate standen für eine Planungswerkstatt noch nie in Wilhelmsburg. Nach „Aktivierung der BewohnerInnen” im Februar und März wurde am 22.April zu einer Planungswerkstatt in den Großen Saal des Bürgerhauses eingeladen. Nach meinen Informationen war die Beteiligung dort sehr übersichtlich.
Die überwältigende Mehrheit der engagierten Wilhelmsburger scheint es derzeit wichtiger zu finden, dieses völlig aus der Zeit gefallene Autobahnprojekt mit juristischen und politischen Mitteln doch noch zu verhindern und bessere Alternativen durchzusetzen.
Zumal die Spielräume für Veränderungen innerhalb der vorgegeben Planung sehr gering erscheinen. Zum Beispiel scheint nicht einmal der ursprünglich vorgesehene Trog in Kirchdorf realisierbar.
Das Bürgerengagement hier im Süden erlebt derzeit eindeutig wieder einen Aufschwung – trotz der von der Behörde und der Deges beauftragten offiziellen ‘Beteiligung’“.



Weitere Planung

Die ausgewählte Trassenvariante führt in Bostelbek und Moorburg haarscharf an Wohngebieten vorbei. In Moorburg wird die A26 Ost deutlich zu spüren sein – sie geht in großem Bogen um das alte Elbdorf herum, steigt dann auf mehr als 50 Meter hoch und schwingt sich neben der Kattwyk-Brücke über die Süderelbe.
In Wilhelmsburg soll die Trasse parallel zur vorhandenen Straße Kornweide im Tunnel und weiter in einem Trog führen. Wohn- und Naherholungsgebiete wären betroffen, Kirchdorf-Süd in einem Autobahndreieck eingequetscht.

Abschnitt A: Autobahnkreuz HH-Süderelbe bis Anschlussstelle Hafen-Süd.
Zeitplan Wirtschaftsbehörde: Planung abgeschlossen, Planfeststellung: 1. Quartal 2019, Vergabe/ Bauvorbereitung: bis 2. Quartal 2019; Bau: ab Mitte 2019 bis 2023

Abschnitt B: Anschlussstelle Hafen-Süd bis Anschlussstelle Hohe Schaar. Zeitplan Behörde: Planung bis Mitte 2017, Planfeststellung: bis 1. Quartal 2020; Vergabe/ Bauvorbereitung: bis Mitte 2020, Bau: ab 3. Quartal 2020 bis 2024

Abschnitt C: Anschlusstelle Hohe Schaar bis Autobahndreieck Stillhorn. Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sollen im September 2017 vorgestellt werden.
Zeitplan Behörde:
Planung: bis Mitte 2018; Planfeststellung: bis 3. Quartal 2020, Vergabe/ Bauvorbereitung: bis Mitte 2021; Bau: 3. Quartal 2021 bis 2025
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