Flüchtlingshilfe auf eigene Kosten

Heute heißt es nur: Reste verwalten. Halime Gümüs aus der alevitischen Gemeinde Harburg kocht regelmäßig für Flüchtlinge. Der kleinen Gemeinde geht langsam das Geld aus, sie braucht dringend Spenden. Sonst ist Schluss mit den kostenlosen Mittagessen für Flüchtlinge.

Die alevitische Gemeinde Harburg kocht für Flüchtlinge – eine gute Tat, die sie sich bald nicht mehr leisten kann

Harburg - Wenn Halime Gümüs für ein einziges Mittagessen einkaufen geht, dann nimmt sie alles gleich kiloweise mit: drei Kilo Karotten, fünf Kilo Kartoffeln, drei Kilo Salat, fünf Kilo Hack und genau so viel Bulgur. Sie gehört der alevitischen Gemeinde Harburg an, kocht gemeinsam mit anderen Frauen und Männern dienstags und donnerstags an die 60 kostenlose Mittagessen, überwiegend für Flüchtlinge. Das bringt die kleine Gemeinde an den Rand des finanziellen Ruins. „Wir können uns das nicht mehr sehr lange leisten und sind dringend auf Spenden angewiesen“, so Gümüs.
In den Räumen über einem großen Supermarkt an der Winsener Straße ist ein ständiges Kommen und Gehen. Ab und an wirft jemand einen Blick in die Küche. Doch dort ist keiner, nichts ist gekocht. Halime Gümüs ist die Frage, warum es kein Mittagessen gibt, sichtlich peinlich. Das Essen fällt an diesem Tag aus, weil erst einmal geschaut werden muss, wie lange das Geld dafür noch in der Gemeinde reicht. „Pro Tag zahlt die Gemeinde 100 bis 150 Euro für die Lebensmittel“, weiß Gümüs. „Das sind über 200 Euro pro Woche. Wir sind keine Kirche, bekommen also keine Kirchensteuer. Bei uns gibt jedes der 150 Mitglieder freiwillig in die Gemeindekasse. Die Essen können wir nicht mehr lange finanzieren. Wir sind ganz dringend auf Spenden angewiesen“, sagt Aziz Aygün. Seit Ostern werden die letzten finanziellen Reserven zusammengekratzt, um das Essensangebot so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Gebrauchte Kleidung kann auch ausgesucht werden

Warum wird überhaupt für Flüchtlinge gekocht? Werden die Flüchtlinge nicht von der Behörde verpflegt? „In der Zentralen Erstaufnahme gibt es eine Gemeinschaftsverpflegung“ sagt Bettina Maak, Sprecherin des Bezirksamtes Harburg. Ziehen die Flüchtlinge aus der Erstunterbringung in andere Einrichtungen, müssen sie sich selbst verpflegen. „Flüchtlinge aus Syrien, Palästina, Afghanistan, Osteuropa, Afrika und dem Irak vertragen das deutsche Essen nicht so gut“, weiß Aygün. „Wir kochen das gewohnte orientalische Essen“, so Gümüs.
Der Mittagessen-Treff bietet mehr als nur ein kostenloses warmes Essen. „Die Flüchtlinge brauchen Kleidung. Wir legen während der Mittagessen oft Kleiderspenden hin, aus denen man sich das Passende aussuchen kann. Natürlich kostenlos. Außerdem planen wir, einen Sprachkurs einzurichten, die Menschen zu Behörden zu begleiten und Freizeitaktivitäten anzubieten“, zählt Aygün auf. „Doch das geht nur so lange, wie das Geld reicht.“

Wer sind die Aleviten?
Namensgeber der Aleviten oder Alewiten ist Ali, der Cousin und Schwiegersohn des Islam-Propheten Mohammed. Die Aleviten sind Mitglieder einer auf das 13./14. Jahrhundert zurück-gehenden, islamischen Glaubensrichtung. Damals zogen turkmenische Stämme nach Anatolien.
In Hamburg leben derzeit etwa 5.000 bis 7.000 Aleviten. Der Harburger Gemeinde, eine von insgesamt vier Hamburger Gemeinden, gehören 150 Mitglieder an. Die Aleviten sind in Deutschland nicht als Kirche anerkannt, sondern haben Vereinsstatus. KI

Spendenkontakt
Aziz Aygün
Tel. 0176/ 44 41 48 74

Muttertagsbüfett
Alevitische Gemeinde
Winsener Straße 36
So, 10. Mai, ab 12 Uhr
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