Ex-Postamt wird zur Unterkunft für Flüchtlinge

Im ehemaligen Postamt am Neuländer Platz möchte die Innenbehörde eine Zentrale Erstaufnahme für Flüchtlinge einrichten. Nicht als Übergangslösung, sondern als dritten Eckpfeiler der Hamburger Erstaufnahme neben der Sportallee 70 und der Einrichtung Nostorf/Horst. (Foto: Sabine Langner)

Erstaufnahme mit 300 Plätzen sowie Dienststelle des Einwohner-Zentralamtes im Gebäude am Neuländer Platz/Harburger Poststraße für mindestens fünf Jahre geplant

von Olaf Zimmermann, Harburg
Das ehemalige Postamt am Neuländer Platz wird zu einer Flüchtlingsunterkunft umgewandelt. 300 Plätze für die
Erstunterbringung möchte die Innenbehörde hier einrichten. Nicht als Übergangslösung, sondern als dritten Eckpfeiler der Hamburger Erstaufnahme neben der Sportallee 70 und der Einrichtung Nostorf/Horst. Das leer stehende Postamt soll für einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren angemietet werden. Der Bezirk lehnt die Pläne der Innenbehörde zwar ab, er kann die Entscheidung aber kaum verhindern.
Von neu nach Deutschland einreisenden Flüchtlingen nimmt Hamburg 2,55 Prozent auf. Für dieses Jahr werden über 100.000 Asylanträge erwartet. Die Zahl verdeutlicht, warum in Hamburg dringend Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen werden müssen.
Aus Sicht der Innenbehörde bietet die verkehrsgünstig gelegene ehemalige Harburger Post mehrere Vorteile: 300 Flüchtlinge können hier in einem festen Gebäude untergebracht und 24 Stunden am Tag betreut werden – nachts über einen Portierdienst. Auch behindertengerechte Unterkunftsplätze und entsprechende sanitäre Einrichtungen werden bereitgestellt, es gibt Kantine und Speisesaal sowie Räume für Beratung, Deutschkurse, Kinderbetreuung. Außerdem ist es möglich, hier eine Dienststelle des Einwohner-Zentralamtes einzurichten.
Gegen den Standort am Neuländer Platz spricht aus Sicht der Harburger Verwaltung, dass sich in unmittelbarer Nähe, in Lewenwerder und Wetternstraße, bereits zwei Unterkünfte befinden. „Soziale Brennpunkte sind von der Unterbringung auszunehmen, ebenso Straßen und Viertel mit bereits existierenden Unterkünften“, argumentiert Harburgs SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath, „alle Beteiligten haben damals den Bürgern vor Ort versichert, dass es in der Zukunft in diesem Umfeld keinen Ausbau und auch keine weitere neue Einrichtung geben soll.“
„Harburg Stadt verträgt keine weiteren Flüchtlingsunterkünfte“, urteilt die Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver, die zu diesem Thema jetzt eine Anfrage an den Senat gestellt hat.


Info:
Neu ankommende Flüchtlinge werden zunächst für drei Monate in einer Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung (ZEA) der Innenbehörde aufgenommen. Nach diesem Zeitraum müssen sie dort bis zur Entscheidung über ihr Bleiberecht und danach gegebenenfalls so lange untergebracht werden, bis sie eigenen Wohnraum gefunden haben.
Bis Anfang 2012 gab es in Hamburg 270 Plätze in der Zentralen Notaufnahme, seit Oktober 2013 sind es mehr als 1.000 Plätze: 200 in Nostorf/Horst (Mecklenburg), 250 im Haupthaus in der Sportallee 70, 116 in Containern auf dem Gelände Sportallee 70, 324 in Wohncontainern Schnackenburgallee 83 sowie 112 in Wohncontainern Schnackenburgallee 81.
Benötigt werden in Hamburg etwa 1.500 Erstaufnahme-Plätze.
Im ersten Halbjahr 2013 haben rund 43.000 Menschen Asylanträge in Deutschland gestellt. Für das ganze Jahr werden über 100.000 Anträge erwartet. Von neu einreisenden Asylbewerbern nimmt Hamburg 2,55 Prozent auf.


Kommentar von Olaf Zimmermann:
Keine Alternative zum Wortbruch
Die Innenbehörde möchte im ehemaligen Harburger Postamt 300 Flüchtlinge unterbringen – ein Skandal? Nein. Das verkehrsgünstig gelegene, seit Jahren leerstehende Gebäude scheint für diesen Zweck gut geeignet zu sein. Es bietet sogar dringend benötigte behindertengerechte Plätze.
Trotzdem bedeutet die Entscheidung einen Wortbruch. In unmittelbarer Nähe befinden sich bereits zwei Unterkünfte. Den Anwohnern war zugesagt worden, dass sie längst ihren Teil zur Lösung dieser gesamtstädtischen Aufgabe beigetragen hätten. Angesichts der Flüchtlingswelle ist dieses Versprechen überholt.
Nun müssen die Verantwortlichen schnellstmöglich auf die Anwohner zugehen, denen viel Solidarität abverlangt wird. An einem Runden Tisch sollten alle auftauchenden Probleme frühzeitig erkannt und hoffentlich sofort beseitigt werden.
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