Anwohner protestieren gegen neues Flüchtlingsdorf

Auf der ehemaligen Pferdewiese im Straßendreieck Am Radeland, Bostelbeker Damm und Moorburger Bogen will die Sozialbehörde bis zu 216 Flüchtlinge in zehn Pavillons unterbringen.
 
Auf der ehemaligen Pferdewiese im Straßendreieck Am Radeland, Bostelbeker Damm und Moorburger Bogen will die Sozialbehörde bis zu 216 Flüchtlinge in zehn Pavillons unterbringen.

Sozialbehörde will 216 Asylbewerber in Bostelbek unterbringen – Siedlergemeinschaft „Am Radeland“: „Wir fühlen uns verraten und verkauft!“

Jasmin Garlipp von der Siedlergemeinschaft „Am Radeland“ ist stinksauer. In ihrer Nachbarschaft soll ein Flüchtlingsdorf für 216 Bewohner entstehen und die Anwohner haben als Letzte davon erfahren. „Dabei hat der Bezirksamtsleiter zugesagt, uns Bescheid zu sagen, sobald es solche Pläne gibt. Wir haben auf sein Wort vertraut“, sagt die zweite Vereinsvorsitzende. „Wir fühlen uns verraten und verkauft!“
Schon im vergangenen Jahr hatten sich die Bostelbeker Siedler an Bezirkschef Thomas Völsch (SPD) gewandt. Damals wurden Gerüchte laut, dass auf einem Gewerbegrundstück in der Nähe Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Von dem jetzt vor ihrer Haustür auf einer ehemaligen Pferdewiese im Straßendreieck Am Radeland, Bostelbeker Damm und Moorburger Bogen geplanten Containerdorf haben sie erst erfahren, als die Fläche am 19. Februar gerodet wurde. „Wir sind eine kleine Siedlung mit rund 800 Bewohnern. Wir können nicht 216 Flüchtlinge integrieren. Das ist nicht zu wuppen“, sagt Garlipp.
Zum Hintergrund: Die Zahl der Flüchtlinge steigt, in Hamburg gibt es nicht genügend Unterkünfte. Laut Sozialbehörde müssen in diesem Jahr 3.700 neue Plätze geschaffen werden. Deshalb hatte der Bezirk Flächen vorgeschlagen, auf denen Wohncontainer aufgestellt werden könnten. Das Bezirksamt Harburg hat der Sozialbehörde im August 2013 zwei städtische Flächen genannt: Eine gegenüber der ehemaligen Röttiger Kaserne in Fischbek und die besagte Pferdewiese.
Dass sich die Sozialbehörde für Bostelbek entschieden hat, will man im Bezirksamt erst vor Kurzem erfahren haben. „Die Entscheidung, dass die Fläche geeignet ist, ist nicht kommuniziert worden“, sagt Sprecherin Bettina Maak. Die Behörde habe den Bezirk mit einem Brief vom 17. Februar über die Pläne informiert. Das Bezirksamt habe zwar bereits am 6. Februar die Genehmigung erteilt, auf der Wiese Bäume zu fällen, doch das habe ein Sachbearbeiter abgenickt, der Bezirksamtsleiter sei nicht informiert worden, so Maak.
Nach Angaben der Sozialbehörde, weiß der Bezirksamtsleiter schon seit September 2013, dass die Fläche in Bostelbek geeignet sei. Dass die Bevölkerung erst jetzt davon erfährt, sei zwar unglücklich, doch nicht Schuld der Sozialbehörde. „Wann eine Info-Veranstaltung stattfindet, entscheidet der Bezirk“, sagt Sprecher Marcel Schweitzer.



Das sagt die Politik:
Die Fraktionen der Bezirksversammlung fühlen sich von der Sozialbehörde übergangen, ihr Anhörungsrecht sei missachtet worden. „Wenn - wie hier geschehen - schon vor Beginn des Anhörungsverfahrens auf dem vorgesehenen Gelände umfangreich Bäume gefällt und Gebüsch entfernt wird, spricht dies eindeutig dafür, dass vollendete Tatsachen geschaffen werden sollten. Das ist völlig inakzeptabel“, kritisiert Kay Wolkau, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Die CDU hält die Fläche zudem für wenig geeignet. Die Behörde habe keinerlei Angaben zu den Menschen gemacht, die hier untergebracht werden sollen. Deshalb könnte man nicht beurteilen, ob die Infrastruktur, also Erreichbarkeit von Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindungen geeignet sei. „Die CDU-Fraktion wird der Inanspruchnahme dieser Fläche derzeit nicht zustimmen“, sagt CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer. Die SPD sieht vor allem kritisch, dass die Sozialbehörde die Fläche hat roden lassen, bevor Anwohner über das geplante Containerdorf informiert wurden. „So kann man nicht miteinander umgehen“, sagt Fraktionschef Jürgen Heimath.


Jetzt wird informiert:
Gleich zwei Mal will der Bezirk nun über die Pläne für das Flüchtlingsdorf informieren:
• Am Dienstag, 18. März, 19 Uhr gibt es eine Informationsveranstaltung für Anwohner, zu der sich Vertreter des Bezirks, der Sozialbehörde und des Trägers Fördern und Wohnen, der hamburgweit Flüchtlingsunterkünfte betreut, angemeldet haben. Ort: Vereinshaus des Bostelbeker Sportvereins, Am Radeland 61.
• Für Mittwoch, 19. März, ist zu dem Thema eine Sondersitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Integration geplant.
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