Schecks und faire Rosen für drei Preisträgerinnen

Preisträgerinnen, BewerberInnen, Jury und HARBURG21-AkteurInnen (Foto Gisela Baudy)
 
Thomas Völsch und Manfred Schulz überreichen den 1. Preis an die Lehrerinnen Yvonne Musolff-De Nardo und Marlis Mauritz vom AvH Harburg. (Foto Gisela Baudy)
 
Überreichung des 2. Preises an Ludmila Wieczorek, Leiterin des Infohauses Fischbek (Foto Gisela Baudy)

Feierliche Verleihung des 3. Harburger Nachhaltigkeitspreises im Harburger Rathaus

Am 27. November 2015 konnten im Großen Saal des Harburger Rathauses drei Preisträgerinnen aus 13 Bewerbern den Harburger Nachhaltigkeitspreis entgegennehmen. Bezirksamtsleiter Thomas Völsch und Manfred Schulz, Vorsitzender der Bezirksversammlung, überreichten vor rund 80 applaudierenden Gästen die Siegerurkunden und symbolischen Schecks. Aber auch die anderen zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen nicht leer aus. Sie konnten für Ihre zukunftsweisenden Projekte aus den Händen von Frank Wiesner von HARBURG21 Anerkennungsurkunden mit nach Hause nehmen.

"Die Menschen sind Zukunftsatheisten, sie glauben nicht an das, was sie wissen, selbst wenn man ihnen stringent beweist, was kommen muss." Mit diesen Worten des Philosophen Peter Sloterdijk eröffnete Jürgen Marek, Moderator und Mitglied der HARBURG21-Arbeitsgruppe Bildung21, vor rund 80 interessierten Hörerinnen und Hörer die Verleihung des 3. Harburger Nachhaltigkeitspreises im Harburger Rathaus. Diesem Zukunftsatheismus hielt Marek das Weltaktionsprogramm für nachhaltige Entwicklung (WAP) entgegen, das die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung seit 2015 wegweisend weiterentwickelt und Handlungsfelder auch im lokalen Bereich eröffnet. Eine wichtige Zielsetzung sei es hier, möglichst viele lokale Akteure zu gewinnen, die bereits vorhandene Netzwerke gestalten und erweitern. "Der Harburger Nachhaltigkeitspreis ist eine hervorragende Möglichkeit, Netzwerkziele voranzubringen und die Vielfalt nachhaltiger Projekte bekannt zu machen", konstatierte der Moderator.

Bezirksamtsleiter Thomas Völsch wies auf die Wichtigkeit nachhaltigen Handels aufgrund des dynamischen Bevölkerungswachstums der letzten Jahre in Hamburg und im Bezirk Harburg hin. Laut jüngster Statistik Hamburg Nord hatte die Hansestadt Ende 2014 über 1,8 Millionen Einwohner. Harburg habe am 31.12.14 über 156.000 Einwohner gehabt - seit 2011 gäbe es eine jährliche Steigerung um 1000 Einwohner. Die Politik sei darum gefragt, mehr Wohnraum, Schulen, Krankenhäuser, Straßen sowie Freizeit- und Naturräume zu schaffen. "Das gilt natürlich auch für die kleinen Dinge, für das, was wir aus unserem Leben machen", betonte Völsch. "Und deshalb ist der Nachhaltigkeitspreis, der schon zum dritten Mal stattfindet, so unglaublich wichtig." Denn er zeige, was im unmittelbaren Umfeld möglich sei. "Wir sind in den letzten Jahren nach meiner festen Überzeugung weitergekommen. Wir schaffen das - genauso, wie wir andere Dinge schaffen", resümierte der Bezirksamtsleiter.

Es hatten sich insgesamt 13 Initiativen und Einrichtungen um den Harburger Nachhaltigkeitspreis beworben. In einer PowerPoint-Präsentation stellte Dr. Chris Baudy, Mitglied der AG Bildung21, die besonderen Leistungen aller Initiativen vor, die sich mit ihren Projekten beworben hatten, wie zum Beispiel die Kita Kinderwaldschlösschen mit ihrem Projekt "Gesundheitsforscher" oder das ASB Löwenhaus mit seinem Projekt "Streetart". "Das Besondere in diesem Jahr ist die Alterspanne von eins bis 75 plus, ferner gibt es zum ersten Mal ein internationales Projekt sowie ein Projekt, das soziale Randgruppen explizit einbezieht", stellte Baudy fest. Gemeint waren hier die IPO – Internationale Paketaktion Ost e.V. mit ihrem Projekt "Nachhaltige Hilfe für Bedürftige in Osteuropa" und die Lüneburger Studierendengruppe um Lis Evers mit ihrem Upcycling-Kunsthandwerkprojekt "Diewers". Von den Bewerbungen gehörten fünf zum Handlungsfeld Ernährung, zwei zum Globalen Lernen/Gerechtigkeit, zwei zu Kunst und Kultur und vier zum Bereich Ressourcen-, Umwelt- und Klimaschutz.

Endlich war es so weit. Manfred Schulz, Vorsitzender der Bezirksversammlung Harburg, gab die drei Preisträger bekannt. Der Preis "ist ein hervorragendes Instrument, die Vielfalt lokaler Projekte stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen", erklärte er. "So kann der abstrakte Begriff Nachhaltigkeit mit Leben gefüllt werden und zur Nachahmung anregen."

Der erste Preis in Höhe von 1.000 Euro ging an das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, das mit seinem Projekt „Lernen im Fluss (LiF)/ Teilprojekt Lernen im Fluss II (LiF II)“ Schulungseinheiten für Fünftklässler unter der Betreuung von Oberstufenschülern anbietet. Die jährlich durchgeführte Renaturierung der Engelbek und seit neuestem, gefördert durch den Eisenbahnbauverein Harburg, auch des Rückhaltebeckens Langenbek durch Mittelstufenschüler führt diese "an die Natur heran und fördert das Verständnis der Zusammenhänge sowie die Entwicklung eines Bewusstseins für den Wert und die Schutzwürdigkeit der Natur", so Lehrerin Yvonne Musolff-De Nardo.

Den zweiten Preis in Höhe von 600 Euro konnte das Naturschutz-Informationshaus Fischbeker Heide der Loki Schmidt Stiftung für das Projekt "Die Heidepaten – Lernen „IN, AN und MIT der Natur“ entgegennehmen. Über das sogenannte Entkusseln und die spielerische Erforschung der Heidegebiete lernen Schülerinnen und Schüler aus zwei 3. Klassen der Schule Ohrnsweg (Neugraben-Fischbek) als Heidepaten, Verantwortung für ihre Patenfläche zu übernehmen und an nachfolgende Klassen als Multiplikatoren weiterzugeben. Schulz: "Das Projekt umfasst nicht nur die ökologische Seite. Die Heidenpatenschaft bietet vielfältige Möglichkeiten, einen nachhaltigen Zusammenhang zwischen Natur, Kultur und Landwirtschaft aufzuzeigen."

Über den dritten Preis in Höhe von 400 Euro konnten sich Lis Evers und fünf weitere Studentinnen der Leuphana Universität Lüneburg mit ihrem Projekt "Dievers" freuen. Diese entwickeln in ihrem Projekt "Dievers" nachhaltige und zugleich stilvolle Produkte wie Turnbeutel, Laptoptaschen oder Rucksäcke aus wertvollen und beständigen Restmaterialien wie Feuerwehrschläuchen oder Warnkleidung. Dabei engagieren sie sich auch sozial, indem sie in den Elbewerkstätten in Harburg produzieren. Den Studentinnen ist es wichtig, dass Nachhaltigkeit nicht mit Verzicht, sondern mit der Harmonisierbarkeit von Ästhetik und Umweltschutz assoziiert wird.

Nach der Preisverleihung durften sich alle anderen Bewerberinnen und Bewerber über eine Anerkennungsurkunde freuen, die Frank Wiesner, der Vorsitzende des Fördervereins HARBURG21 e.V., zusammen mit Regina Marek von der AG Bildung21 überreichte. Für musikalische Untermalung sorgte "First Chance mit Max Krause und Niklas Dahl, zwei echte Harburger Jungs, mit Gitarre, Percussion und Gesang.

Am Ende regnete es für alle Bewerber und für die Jury fair gehandelte Rosen. Wer wollte konnte im Treppenaufgang die Plakate der Bewerberinnen und Bewerber bewundern und sich mit Viva con Agua, lokalem Apfelsaft sowie den veganen und biofairen Köstlichkeiten der Veganer Anna Baum und Benjamin Bartel stärken, die sich ebenfalls um den Nachhaltigkeitspreis beworben hatten. Es waren viele begeisterte Stimmen zu hören. "Die Veranstaltung war toll organisiert", kommentierte auch Musolff-De Nardo. Draußen auf dem Harburger Rathausplatz wartete bereits der Weihnachtsmarkt mit seinen vielen Düften und Lichtern.

Alle Interessierte sind herzlich zur Plakatausstellung im Harburger Rathaus eingeladen, die seit dem 02.12.15 die Preisträger im Foto zeigt und alle Teilnehmenden benennt. Sie endet am 31. Dezember dieses Jahres.

Text Gisela Baudy
Fotos Gisela und Chris Baudy

Links:
Übersicht über alle Bewerberinnen und Bewerber 2015 als Download
Allgemeines zum Harburger Nachhaltigkeitspreis mit vielen weiteren Downloads
Interview mit dem Alexander-von-Humboldt-Gymasium (Reihe Gelebte Nachhaltigkeit im Raum Harburg)
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