Rund 60 Gäste beim 1. Harburger Netzwerktreffen

Gemeinschaftsfoto mit Thomas Völsch (hinten links) und den beteiligten Initiativen der Netzwerk-Broschüre. (Foto Gisela Baudy)
 
Buchcover der Broschüre "Gelebte Nachhaltigkeit im Bezirk Harburg" (Foto Chris Baudy)

Schritt für Schritt in eine nachhaltige Vernetzung


Haben Sie Ideen und Ressourcen für ein gemeinsames Nachhaltigkeitsprojekt? Wie könnte ich beziehungsweise meine Organisation dabei mitwirken? Um diese beiden Zentralfragen ging es am 8. Juli 2014 im Harburger Rathaus. Dabei hatten rund 60 Gäste reichlich Gelegenheit, sich über gelungene lokale Vernetzungen in Sachen Nachhaltigkeit zu informieren und eigene Vernetzungsgespräche zu führen.

Das Nachhaltigkeitsnetzwerk HARBURG21 hatte alle lokale Initiativen und alle Interessierte aus dem Raum Harburg zum 1. Harburger Netzwerktreffen und zur Vorstellung der druckfrischen Netzwerk-Broschüre „Gelebte Nachhaltigkeit in Harburg“ in das Harburger Rathaus eingeladen.

Programmpunkte: Nach der Begrüßung durch Bezirksamtsleiter Thomas Völsch verfolgten mehr als 50 Gäste interessiert die Powerpoint-Präsentation der Journalistin Gisela Baudy zur Netzwerk-Broschüre und den Vortrag der Netzwerkexperten Jürgen Forkel-Schubert, Referent für Nachhaltigkeit in der BSU Hamburg und Susanne Wildermann, die Leiterin des Agenda21-Büros in Hannover. Zweiter Programmpunkt war die eigentliche Netzwerkarbeit in vier moderierten Diskussionsgruppen zum Thema Möglichkeiten und Chancen einer lokalen Vernetzung in Sachen Nachhaltigkeit. Zum Abschluss stellte jede Gruppe ihre entwickelten Ideen und Vorschläge dem Plenum vor. Die Moderation des Abends hatte HARBURG21-Lenkungsgruppen-Mitglied Jürgen Marek. Das Rahmen-Programm der Abendveranstaltung waren eine Plakat-Ausstellung zur Broschüre und lockere Netzwerkgespräche bei veganen oder Bio-Erfrischungen, begleitet von den Koraklängen des Senegalesen Saliou Cissokho.

Inhalte: Ziel der Veranstaltung war es, eine Weiterentwicklung und Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort über lokale Netzwerkgespräche anzustoßen. Mit seinem Impulsreferat "Wie geht es weiter? Initiative Hamburg Lernt Nachhaltigkeit (HLN) und Agenda 21 HARBURG21" zeigte Forkel-Schubert zunächst auf, dass wir etwa in den Bereichen Energieverbrauch und Konsum noch weit von dem gesteckten Ziel der gesellschaftlichen Fairness entfernt sind. Ist beispielsweise die Harburger Schlossinsel, die für klimabewussten innovativen Wohnungsbau steht, nur für Besserverdienende? Wie weit geht unser verantwortungsbeswusstes Konsumverhalten, wenn trotz unserer ethischen Grundhaltung der Markt-Anteil von fair gehandeltem Kaffee in Deutschland immer noch bei 2,2 Prozent liegt? "Wir müssen vom Projekt zur Struktur gelangen und und dabei die neue Generation einbeziehen", benannte Forkel-Schubert die Ziele von HLN, die am 25. November 2014 ihre Abschlusskonferenz hat. Ab 1. Januar 2015 startet das auf fünf Jahre angelegte UN-Weltaktionsprogramm BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung). Es will BNE neben der Verankerung in der Bildungs- und Entwicklungs-Politik auch auf kommunaler Ebene voranbringen. "Auch der Bezirk Harburg ist herzlich eingeladen", so Forkel-Schubert in Richtung Thomas Völsch.

Im zweiten Impulsreferat "Agenda 21- und Nachhaltigkeitsbüro Landeshauptstadt Hannover" wurde deutlich, wie weit HARBURG21 als lokale Agenda 21 im Bezirk Harburg noch von einer systemischen Verankerung wie in Hannover entfernt ist. Wildermann erklärte, dass das Agenda 21-Büro in Hannover, das bei seiner Gründung im Jahr 1996 mit zwei vollen Stellen und einer FÖJ-Stelle (Freiwilliges Ökologisches Jahr) begann, heute mit vier vollen Stellen und strukturell optimal aufgestellt ist. Hinzu kommen zwei halbe Arbeitsstellen und ein FÖJ-Stelle. Entsprechend eindrucksvoll ist die Bandbreite, kontinuierliche Weiterentwicklung und Tiefenwirkung nachhaltiger Maßnahmen. Dazu gehören etwa der Autofreie Sonntag, der Kinderwald Hannover, die nachhaltige Beschaffung in der Verwaltung, die nachhaltige Veranstaltungsplanung und die vielfältige Förderung des fairen Handels ebenso wie die finanzielle Unterstützung lokaler Projekte und Vernetzungsaktivitäten.

In den anschließenden Diskussionsgruppen und auf der Meinungswand vor dem Großen Rathausssaal wurden viele Ideen für eine Netzwerkarbeit im Sinne der Agenda 21 im Stadtteil zusammengetragen. Die Themen reichten von stadtplanerischen Veränderungen wie zum Beispiel umweltreundliche Mobilitätsstrukturen und mehr Stadtgrün über klimabewusste Ernährung, mehr Bürgerbeteiligungen, mehr Transparenz bei Verwaltungsentscheidungen bis hin zu stärkere Vernetzung auch außerhalb des Bezirks und die vermehrte Einbindung junger Menschen in den Agenda 21-Prozess. Beispielsweise wurde die Forderung nach einem STADTRAD, nach Laufgemeinschaften oder einem autofreien Aktionstag in Harburg laut. Weitere konkrete Vorschläge waren ein veganer Pfad, ein gemeinsames nachhaltiges Essen beim Bürgermeister, öffentliche Gärten im Stadtteil, selbst gebaute Windräder für jedermann, ein Nachhaltigkeitspreis für Unternehmer oder eine Planstelle für Nachhaltigkeit.

"Das war eine tolle Veranstaltung", war bei Veranstaltungsende von vielen Seiten zu hören. "Das macht Lust auf mehr", sagte auch Antje Kurz, Projektleiterin von Neugraben fairändern. Auch kam es bereits zu ersten Vernetzungen. Beispielsweise griff Michael Schulz, Lehrer der Staatlichen Handelsschule mit Wirtschaftsgymnasium (H10), den Vorschlag einer veganen Ernährung auf und plant, in seiner Schule einen veganen RUcK-Tag zu gestalten.. Andere wie Thomas Jörck von der Bioinsel dagegen wünschen sich für zukünftige Veranstaltungen intensivere Vernetzungsmöglichkeiten.

Die Plakat-Ausstellung ist voraussichtlich noch bis Ende August im Harburger Rathaus zu sehen. Mit Glück lässt sich auch die dazugehörige Broschüre direkt im Foyer des Rathauses oder des Standesamtes in der Knoopstraße 35 ergattern. Weitere Exemplare können Sie über buero(at)harburg21.de bestellen, solange der Vorrat reicht. (Gisela Baudy)

> Hintergrundinfos zur Veranstaltung
> Literaturangaben zur Broschüre "Gelebte Nachhaltigkeit - 22 Porträts zur zukunftsfähigen Entwicklung und erster Harburger Nachhaltigkeitspreis"
> Aufruf der UNESCO: Gesucht: "GAP Launch Commitments" – Verpflichtungserklärungen zum Weltaktionsprogramm. Deadline: 15. August 2014. Einzureichen unter esddecade(at)unesco.org. Mehr Infos siehe beim BNE-Portal.
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