Zwei Jahre Baulärm - das geht an die Nerven!

Zum Greifen nah: die Neubauten neben der Seniorenwohnanlage in der Behringstraße. Zwei Jahre lang wurde daran gebaut - ihren Balkon konnte Wally D. in dieser Zeit nicht nutzen.

Mieter der Seniorenanlage Behringstraße 40 lebten rund zwei Jahre lang auf Tuchfühlung mit einer Baustelle - Mieterin will Mietminderung – ohne Erfolg.

In der Sonne auf dem Balkon sitzen und die wohlverdiente Ruhe genießen. So hat sich Wally D. (Name der Redaktion bekannt) ihren Lebensabend in der Saga-Seniorenanlage Behringstraße 40 vorgestellt . Aber es kam anders: Gut zwei Jahre lang hat sie quasi auf einer Baustelle gelebt. Ihre Nerven liegen blank.
Nachdem D. ihren kranken Mann bis zu seinem Tod gepflegt hatte, machte sie einen Neuanfang. Sie zog im September 2012 in eine Saga-Einzimmerwohnung in Ottensen.
Konnte sie ihre neue Umgebung genießen? „Achwattdenn!“ sagt sie. Nur ein paar Meter von ihrem Balkon entfernt wurden Neubauten in die Höhe gezogen. 74 Mietwohnungen verteilen sich dort auf sechs Mehrfamilienhäuser. Zwei Jahre lang wurde gebaut. Wally D. berichtet: „Die ersten fünf Monate hatte ich Ruhe – dann ging es los: montags ab 7 Uhr, manchmal auch schon um 6 Uhr, Mittagsruhe gab es keine. Fräsen, hämmern, flexen – samstags wurde gearbeitet, manchmal sogar sonntags. Meinen Balkon habe ich seit meinem Einzug noch nicht nutzen können.“
Bis auf eine andere Mieterin ist Wally D. die einzige, die sich ihres Wissens nach bei der Saga beschwert hat: „Die anderen haben Angst, dass die Saga sie rausschmeißt, wenn sie sich beschweren.“ Sie hat versucht, die Miete zu mindern - ohne Erfolg. „Die haben gesagt, sie hätten mich vor meinem Einzug von den bevorstehenden Bauarbeiten informiert. Aber das stimmt nicht.“
Gelegentlich hat die alte Dame versucht, direkt bei den Bauarbeitern zu intervenieren. Und traf auf gemischte Reaktionen. „Ein Polier war sehr kooperativ. Der hat laute Radiomusik auf dem Bau sofort abstellen lassen. Aber mir hat auch mal ein Arbeiter gesagt: Ihr seid doch alles alte Leute, ihr braucht nicht so viel Schlaf ....“
Saga-Sprecherin Kerstin Matzen erklärt auf Nachfrage der Wochenblatt-Redaktion, dass nach der „einschlägigen Rechtsprechung“ eine Mietminderung nicht in Frage komme. Dann beruft sie sich darauf, dass Neubau die Lage am Wohnungsmarkt entschärfen soll. „Dies setzt bei den angestammten Anwohnern eine entsprechende Toleranz voraus, die aus unserer Wahrnehmung selbstverständlich sein sollte.“
Wally D. wird bald wieder Toleranz beweisen können: Demnächst soll der Bunker neben der Seniorenanlage abgerissen und auch dieses Grundstück neu bebaut werden ...
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