Zuerst Moorburgtrasse, jetzt Kraftwerk Wedel: Planungschaos bei Vattenfall

Erfolg für die Bürgerinitiative Wedel und Rissen
Erörterungstermin zum Heizwerk Haferweg von BSU abgesagt

In einer Pressemitteilung vom 04.02.1013 hat Vattenfall angekündigt, daß das geplante Gaskraftwerk in Wedel um ca. 50 Prozent schrumpfen wird. Wir gratulieren der Bürgerinitiative in Wedel und Rissen zu ihrem
wichtigen Teilerfolg gegen die bisherigen gigantischen Planungen von Vattenfall und Hamburger Senat.


Seit Mitte 2012 hat die Bürgerinitiative in Wedel und Rissen in Zusammenarbeit mit der Initiative Moorburgtrasse-stoppen die Größe der bisherigen Kraftwerksplanung kritisch hinterfragt und auf fehlende Bedarfsnachweise seitens Vattenfall hingewiesen. Statt diese zu liefern, tritt Vattenfall nun die Flucht nach vorne an, plant nur noch mit einer statt zwei Turbinen und reduziert die geplanten Leistungszahlen von 470 MW el um 50 Prozent.

Anders als es Vattenfall und Senatorin Blankau in ihrer dünnen Pressemitteilung die Öffentlichkeit glauben machen wollen, entspricht dies jedoch keineswegs den bisherigen Planungen von Vattenfall.


Noch Ende November 2012 beim Erörterungstermin in Wedel im Rahmen des Genehmigungsverfahren hatte Vattenfall die beantragte Größe und technische Anlage mit bis zu 470 MW elektrisch (Strom) und 390 MW thermisch (Fernwärme) als "alternativlos" und "die beste Lösung für Hamburg und die Energiewende" dargestellt. Offensichtlich fühlt man sich bei Vattenfall knapp zwei Monate später jedoch mit den eigenen auf maximalen Profit ausgelegten Planzahlen aufgrund der kritischen Nachfragen seitens der Bevölkerung nicht mehr wohl. Als "Denkhilfe" beigetragen hat sicherlich die vor 2 Wochen von der Bürgerinitiative ausgerichtete Info-Veranstaltung in Rissen vor über 300 BürgerInnen, in der erneut der fehlende Bedarf an dem Großkraftwerk zur Sprache kam und Vattenfall und der SPD-Senat massiv kritisiert wurden.

Die Verkleinerung des fossilen Mega-Kraftwerks zu einem nur noch halb so großen Großkraftwerk macht aus diesem jedoch noch lange kein gutes, geschweige denn auch in der verkleinerten Version notwendiges Kraftwerk für Hamburg!


Die Reduzierung kann daher nur der erste Schritt sein, die gesamte Planung für ein übergreifendes Strom- und vor allem Fernwärmekonzept endlich auf eine seriöse Basis zu stellen. Denn mit dieser "2 Schritte vor, 1 zurück" Taktik schaffen Vattenfall und SPD-Senat kein Vertrauen in ihre Planungen. Das ganze Konzept des "Innovationskraftwerks" erscheint immer mehr als reichlich unausgegoren und „über´s Knie“ gebrochen.
Es wird deutlich, daß es Vattenfall und Senat bei der Verkündung des Vorhabens Ende 2011 hauptsächlich darum ging, schon vor dem Volksentscheid zu den Energienetzen Fakten zu schaffen. Um eine seriöse, am tatsächlichen Bedarf orientierte Planung der künftigen (Fern-)Wärmeerzeugung scheint es dem Senat dagegen nicht zu gehen.

Das wird im Fall des ebenfalls von Vattenfall geplanten neuen Heizwerks Haferweg (geplante Fernwärme-Leistung: 165 MW) deutlich. Wieder handeln Vattenfall und der SPD-Senat alles andere als transparent. Der bereits öffentlich für den 18.2.2013 vorgesehene Erörterungstermin zu den geäußerten Einwendungen gegen das geplante neue große Heizwerk wurde von der Behörde nun kurzfristig abgesagt.


Die EinwenderInnen, u.a. aus der Initiative Moorburgtrasse-stoppen, sollen damit ihrer Möglichkeit beraubt werden, Argumente gegen ein weiteres fossiles Großheizwerk in Hamburg vorzubringen und Alternativen einzufordern.


Nicht geprüft wird vom SPD-Senat, mit welchem Bedarf angesichts fortschreitender Wärmedämmung zu rechnen ist und ob dafür tatsächlich ein weiteres fossiles Großheizwerk nötig ist. Nicht geprüft bleibt auch, ob Vattenfall für seine Fernwärme nicht möglicherweise die Kundschaft abhanden kommt; denn das Einspeisemonopol für Vattenfall in das Fernwärme-Netz wurde vom Bundeskartellamt aufgehoben. Kleinteilig arbeitende Konkurrenz um den Wärmemarkt befindet sich bereits in den Startlöchern.

Fazit:
Bürgerbeteiligung ist kein Investitionshindernis. Im Gegenteil trägt transparente und ehrliche Bürgerbeteiligung dazu bei, Planungen effektiver zu machen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Hamburger Senat und Vattenfall sind aufgefordert, sowohl für den Standort Wedel als auch Haferweg eine Alternativenprüfung durchzuführen und endlich das seit über 1 Jahr angekündigte Wärmekonzept für Hamburg vorzulegen.




Über die Initiative Moorburgtrasse-stoppen:
Die in der Initiative Aktiven engagieren sich für eine sozial gerechte, dezentrale und regenerative Energieerzeugung in Hamburg (und weltweit).

Die Initiative Moorburgtrasse-stoppen ist Teil des Bündnisses gegenstrom.13.
gegenstrom.13 thematisiert den Kohleimport für das KoKW Wedel und das künftige KoKW Moorburg primär aus Kolumbien und die dortigen fatalen sozialen, wie ökologischen Umstände und Folgen des Kohleabbaus. http://www.gegenstrom13.de/
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Brigitte Thoms aus Lurup | 07.02.2013 | 11:44  
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