Zu viel Musik ist Lärm

Auch für Straßenmusiker gibt es Gesetze, doch die werden oft nicht eingehalten. Eine Gruppe von Anwohnern der Ottenser Hauptstraße will den dauernden Lärm nicht länger ertragen.
von Reinhard Schwarz. Sie gehören zum Stadtbild von Ottensen: Straßenmusiker. Doch was für die einen Unterhaltung ist, ist für andere auf die Dauer eine Qual. Denn von morgens bis abends spielen in der Ottenser Hauptstraße speziell vor dem Mercado Straßenmusiker aus allen Nationen und hoffen auf Spenden. Anwohner sowie Mitarbeiter von Arztpraxen und Kanzleien leiden derweil stumm unter der Dauerberieselung. Kürzlich aber haben Betroffene im Verkehrsauschuss des Bezirks eine Regelung gefordert.
Ihr Sprecher ist Dieter Kröger, der mit seiner Frau Antje im Mercado wohnt und arbeitet. Das Problem: Alle Wohnungen liegen zur Ottenser Hauptstraße hin, es gibt für Anwohner keine Rückzugsmöglichkeiten. „Letzten Sommer war es besonders schlimm“, schildert Kröger, „da spielte eine Trommelgruppe, wir waren kurz vorm Herzinfarkt.“ Mittlerweile hat sich eine „informelle Gruppe“ von rund 40 Anwohnern gebildet, die den Lärm nicht länger ertragen wollen.
Im zuständigen Verkehrsausschuss gibt es inzwischen Einigkeit über Handlungsbedarf. So sollen zukünftig Straßenmusiker ein Merkblatt bekommen und unterschreiben, dass ihnen der Inhalt bekannt ist. Weiterhin soll den Musikanten eine Meldekarte ausgehändigt werden, mit der sie sich gegenüber dem Bezirklichen Ordnungsdienst (BOD) ausweisen müssen. Zudem soll ein Musikant nur eine halbe Stunde lang spielen dürfen und dann den Platz wechseln.
Doch schon beim Thema Ordnungsdienst hapert es: Dieser ist chronisch unterbesetzt. „Wir haben für mehr als 200.000 Einwohner nur elf Mitarbeiter des BOD, die zahlreiche andere Aufgaben wahrnehmen“, kritisiert Tim Schmuckall von der CDU-Bezirksfraktion. „Dem Senat ist das bekannt, doch es gibt nicht mehr Personal.“ Auch bei der „Regierungspartei“ SPD hat man das Problem erkannt, doch es gebe noch Details zu klären, sagt Bezirksabgeordneter Henrik Strate. „Unklar ist noch: Wie verhindern wir, dass an einem Standort dauerhaft gespielt wird?“
Alle Beteiligten betonen, dass man rigorose Maßnahmen wie in München nicht ergreifen will. Dort müssen die Straßenmusiker zunächst den Behörden vorspielen. Und nur zehn der Musiker bekommen eine Spielerlaubnis für den jeweiligen Tag.
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