Zomia-Bauwagenleute besetzen Platz in Bahrenfeld

Neuer Bauwagenplatz in Bahrenfeld an der Ecke Schützenstraße und Leverkusenstraße - allerdings ohne Segen von Politik und Verwaltung. (Foto: js)

- aber in Wilhelmsburg sind auch welche geblieben.

Am heutigen Mittwoch sind die Zomia-Bauwagenleute der Einladung der Altonaer Politik gefolgt und aus Wilhelmsburg in den Bezirk Altona gezogen. Aber nicht an den Holstenkamp, wo Politik und Verwaltung ihnen Platz frei gehalten haben. Die Zomia-Leute haben sich ihren eigenen Ort ausgesucht: Ihre Wagen stehen seit dem Vormittag an der Ecke Schützenstraße und Leverkusenstraße. Und nicht alle von Räumung bedrohten Zomia-Leute sind von ihrem schönen Grundstück am Ernst-August-Kanal weggezogen; einige halten dort in Wilhelmsburg noch die Stellung. "Wir haben uns verdoppelt", teilen die Bauwagenleute nicht ohne Witz mit.
Zur Vorgeschichte: Sieben Bauwagen stehen in einem idyllischen Eckchen am Kanal in Wilhelmsburg. Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter von Mitte, hat fest vor, sie räumen zu lassen und wird das wohl über kurz oder lang auch tun. Zurzeit gilt, nachdem mehrere andere Termine verstrichen sind, Donnerstag, 24. November, als Stichtag.
Altona will helfen und hat Zomia angeboten, nach Altona zu ziehen, wo an der Gaußstraße und am Rondenbarg schon zwei Gruppen von Bauwagenleuten ziemlich geräuschlos ihrer alternativen Lebensweise nachgehen. Doch Zomia verhandelte erst über mehr Platz - forderte angeblich 4.000 Quadratmeter - und schlug dann das Angebot "Holstenkamp" mit der Begründung aus, das sei ja nur eine Zwischenlösung. Das stimmt, aber SPD und GAL in Altona haben versprochen, die Zomia-Leute auch langfristig nicht hängen zu lassen und ihnen einen passenden Dauerplatz zu finden. Die Bauwagenleute trauen dem Versprechen der Politik nicht; sie wollen schon vor dem Umzug in den Zwischen-Standort Holstenkamp wissen, wo sie später bleiben sollen.
Der Altonaer SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Adrian hat kein Verständnis für diese Reaktion: "Altona hat eine sehr weitreichende Einladung ausgesprochen, die Zomianer aber haben mit neuen Bedingungen geantwortet. Die neue Forderung, schon heute die übernächste Fläche definitiv festzulegen, ist unerfüllbar. Mehr als die Garantien, die wir gegeben haben, war nicht drin. Gleichwohl bleibt bis Donnerstagmittag, dem Tag der letzten Bezirksversammlung in diesem Jahr, die Tür nach Altona offen - für eine Interimsnutzung am Holstenkamp und eine Zusage für eine Anschlussperspektive. Mehr kann Altona nicht tun."
Dazu, dass die Wilhelmsburger Gruppe sich jetzt eigenmächtig eine andere Fläche ausgeguckt und besetzt hat, meint er: " Das kann ich nicht gutheißen. Ich bin besonders enttäuscht weil ich ihnen noch am späten Dienstagabend eine Mail geschickt habe, dass sie am Holstenkamp willkommen sind. Die Fläche, auf der sie jetzt stehen, ist für Wirtschaftsförderung vorgesehen; dort sollen Arbeitsplätze entstehen."
Auf der morgigen Bezirksversammlung will die SPD einen Antrag zur Ansiedlung der Zomia-Bauwagengruppe in Altona einbringen. Thomas Adrian weiter: "Die Zomianer wissen, dass sie sich bis Donnerstag mittag am Holstenkamp einfinden müssen; sonst ziehen wir den Antrag zurück."




Entwurf des Bezirksversammlungsantrags für das Altonaer Angebot an Zomia

Die Bezirksversammlung möge beschließen,

1. Die Fläche beim Pflegeheim am Holstenkamp wird der Zomia-Gruppe für eine sofortige Zwischennutzung zur Verfügung gestellt, bis ein von der Zomia-Gruppe akzeptierter Standort im Bezirk Altona gefunden ist. Die Zomia-Gruppe kann ihre Wagen und Fahrzeuge mitbringen und die sanitären Einrichtungen und auch Räume im leer stehenden Haus am Holstenkamp 4 nutzen.

2. Das Bezirksamt wird verpflichtet, die wohlwollende Prüfung und Suche nach alternativen Standorten fortzusetzen, bis ein von der Zomia-Gruppe akzeptierter Standort in Altona gefunden ist. Prioritär und kurzfristig soll das Bezirksamt die Verfügbarkeit der von der Zomia-Gruppen vorgeschlagenen städtischen Flächen klären. Bis Mitte Januar 2012 soll Klarheit über die Flächenalternativen bestehen.

3. Ist ein von der Zomia-Gruppe akzeptierter Standort gefunden, erhält Zomia dafür eine Nutzungsgenehmigung und eine entsprechende Nutzungsvereinbarung, sofern es sich um eine städtische Fläche handelt. Sollte die Gruppe auf eine private Fläche umziehen, würde der Bezirk dies wohlwollend begleiten und die entsprechenden Genehmigungen erteilen. Damit wäre der Wagenplatz legalisiert.
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1 Kommentar
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Angela Banerjee aus Altona | 24.11.2011 | 21:52  
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