Zirkus-Mobbing in Hamburg?

Tierschützer kritisieren die Arbeit mit wilden Tieren im Schweizer Nationalzirkus Zirkus Knie. (Foto: pr)
 
2009 gastierte der Zirkus Knie auf dem Heilgengeistfeld. Das war für September 2012 ebenfalls geplant - und von Hamburg schon zugesagt, versichert ein Sprecher des Zirkus. Jetzt kam plötzlich die Absage. (Foto: pr)

Zirkus Charles Knie: Erst Zusage für September, jetzt Absage. Vorgeschobene Gründe?

Zurzeit gastiert der Zirkus Knie in Harburg - und hat es nicht leicht. Als einer der letzten Zirkusse, die „wilde“ Tiere präsentieren, ist er dem ständigen Beschuss von Tierschützern ausgesetzt. Doch den größten Schlag hat dem Unternehmen jetzt die Stadt Hamburg versetzt. Unversehens rückte die Wirtschaftsbehörde von ihrer 2009 gemachten Zusage ab, dass der Zirkus im September auf dem Heiligengeistfeld seine Zelte aufschlagen darf. Jetzt hieß es plötzlich „Nein“.
„Damit sitzen wir vom 20. September bis zum 14. Oktober mit einem Loch in unserem Terminplan da,“ sagt Knie-Pressesprecher Sascha Grodotzki. „Das bedeutet für unser Unternehmen mit 96 Angestellten einen finanziellen Verlust in mittlerer sechsstelliger Höhe.“
Ihn empört das Vorgehen der Stadt. „Auf den Vertrag ließ man uns lange warten, weil der Eventausschuss der Bürgerschaft die Senatsinitiative bezüglich eines Wildtierverbots in Deutschland abwarten wolle. Diese scheiterte im Bundesrat, der Eventausschuss stimmte unserem Gastspiel zu. Doch nun blockierte der Finanzausschuss. Seine Begründung: Auf dem Heiligengeistfeld seien Bombensondierungen geplant. Nichts dürfe dort mehr stattfinden, außer dem Dom. Nun haben wir aber erfahren, dass doch andere Veranstaltungen terminiert sind – zum Beispiel Public Viewing im Rahmen der EM.“
Auf Anfrage des Wochenblatts in der Wirtschaftsbehörde, meint Sprecherin Helma Krstanoski, wegen der möglichen Blindgänger im Boden würden nur solche Veranstaltungen verboten, die Verankerungen nötig hätten. Ein Zirkuszelt müsse, im Gegensatz zu den Dom-Fahrgeschäften, bis zu zehn, zwölf Meter tief im Boden verankert werden.
Die CDU-Bürgerschaftsfraktion behauptet dagegen, dass überhaupt keine weiteren Bombenuntersuchungen auf dem Heiligengeistfeld geplant seien. Das hätten Anfragen an den Senat ergeben. Die im letzten Jahr vom Zirkus Krone genutzte Fläche sei ohnehin schon sondiert und frei von Blindgängern. Ihr Verdacht: Mit einem Vorwand versuche man durch die Hintertür, das im Bundesrat gescheiterte Wildtierverbot in Hamburg umzusetzen.
Damit habe die Absage an Zirkus Knie „gar nichts“ zu tun, pariert die Wirtschaftsbehörde.

Kommentar
von Christiane Handke-Schuller
Es gibt gute Gründe dafür, dem Zirkus Knie ein Gastspiel auf dem Heiligengeistfeld zu versagen.
Grund A: Man möchte in Hamburg keinen Zirkus mit dressierten Tieren dulden.
Grund B: Unter dem Heiligengeistfeld sind Blindgänger verborgen, das Risiko beim Verankern des Zirkuszeltes ist zu groß.
Beides gute, ehrliche Gründe. Aber was nicht geht: Den einen Grund vorzuschieben, weil man den anderen Grund nicht sagen will. Was auch nicht geht: Erst Ja sagen und dann Nein. Das ist unehrlich, wenig hanseatisch.
Wenn der Zirkus Krone im letzten Jahr - Blindgänger hin oder her - sein Zelt auf dem Heiligengeistfeld aufstellen durfte, warum soll es der Zirkus Knie jetzt nicht dürfen?
Und wenn Hamburg - wie viele seiner Bürger - keinen Zirkus mit Tierdressuren mehr dulden möchte; warum sagt man dann nicht: Wir haben Ja gesagt für 2012 und stehen zu unserem Wort. Aber nochmal vermieten wir euch keine Fläche.
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4 Kommentare
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Dieter Seeger aus Altona | 25.04.2012 | 14:09  
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Juergen Kolmsee aus Harvestehude | 25.04.2012 | 20:43  
237
Manfred Hagel aus Harburg | 25.04.2012 | 22:20  
359
Andreas Scharnberg aus Neugraben | 26.04.2012 | 02:22  
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