Zeise II: Initiative klagt vor Gericht

Bürohaus-Gegner am Ort des Geschehens: die Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ mit Sprecher Hauke Sann (2. v. r.). Ob das Bauvorhaben durch den Bürgerentscheid tatsächlich gestoppt wird, ist höchst fraglich. (Foto: pr)

Eilantrag soll sofortigen Baustopp herbeiführen – Laut Investor wurde der B-Plan strikt eingehalten

Von Christopher von Savigny, Ottensen

Steht im Fall des umstrittenen Bauvorhabens „Zeise II" an der Friedensallee eine Wende bevor? Fast zeitgleich mit der Auszählung des Bürgerentscheids hat der Hauptgegner des Projekts, die Bürgerinitiative „Pro Wohnen Ottensen", nach eigenem Bekunden einen Eilantrag auf sofortigen Baustopp beim Verwaltungsgericht eingereicht.
Inhaltlich geht es nach Auskunft von Ini-Chef Hauke Sann um die Nicht-Einhaltung von Bauvorschriften. „Es gibt erhebliche Abweichungen vom Bebauungsplan", sagt Ini-Chef Hauke Sann. Kommentar Dennis Barth (Geschäftsführer des Investors Procom): „Der Klage der Ini sehen wir gelassen entgegen. Unsere Bauplanung weicht de facto nicht vom gültigen B-Plan ab.“
Auf dem ehemaligen Parkplatz neben den Zeisehallen entsteht seit einigen Monaten ein Bürohaus, in das nach Fertigstellung (geplant: 2017) mehrere Werbefirmen einziehen sollen.
Das Bezirksamt hatte dem Projekt die Genehmigung erteilt, obwohl parallel bereits ein Bürgerbegehren lief, das sich für Wohnbebauung aussprach (das Wochenblatt berichtete). Ob die Bemühungen der Initiative überhaupt Aussichten haben, ist fraglich. Die Stadtentwicklungsbehörde kann die angestrebte Wohnbebauung stoppen. Kritiker halten die Abstimmung für reine Geldverschwendung – immerhin habe der Bürgerentscheid rund 280.000 Euro gekostet.

Sieg für die Gegner

Mit rund 75 Prozent der Stimmen haben die Bürohaus-Gegner einen deutlichen Sieg eingefahren: Beim Bürgerentscheid unterstützten knapp 30.000 Altonaer die Forderung der Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ für Wohnungen und Gewerberäume. Allerdings lag die Wahlbeteiligung nur bei 20 Prozent. Für die Gegner war es trotzdem ein Sieg. Sprecherin Rike Wolf: „Altona hat ein klares Votum abgegeben: Die Menschen wollen beteiligt werden, wenn in ihrem Stadtteil über große Bauvorhaben entschieden wird.“
Die andere Seite hingegen hält das Ergebnis für nicht repräsentativ: „Die große Mehrheit hat am Bürgerentscheid nicht teilgenommen, weil sie unsere genehmigte Bautätigkeit akzeptiert und das Projekt offenbar für die bessere Lösung hält. Dies ist eine gute Nachricht und Vertrauensbeweis für die parlamentarische Demokratie“, so Dennis Barth, Geschäftsführer des beteiligten Investors Procom.
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