Wussten Sie’s schon- die Große Bergstraße ist das Letzte. Eine Geschichte aus dem Herzen Altonas.

Vor einigen Tagen traf ich in Ottensen eine gute Freundin mit ihrer fünfjährigen Tochter. Wie es so ist, wenn man sich zufällig auf der Straße begegnet, plauderten wir ein bisschen über dies & das und plötzlich sagt meine Freundin: „Du, mir ist kürzlich etwas passiert, das mir komplett die Sprache verschlagen hat.“

Wer meine Freundin kennt weiß, dies ist absolut ungewöhnlich und ein echter Ausnahmefall. Sie lässt sich von wirklich niemandem die Butter vom Brot nehmen – nie. Ich sage überrascht: „Was war denn?“ Und sie: „Vorgestern habe ich Lilly von der Kita abgeholt. Wir waren gerade an der Kreuzung Max Brauer Alle / Große Bergstraße angekommen und warteten auf das grüne Ampelmännchen, als wir das Gespräch von zwei Frauen mitbekamen, die neben uns standen. Und das war so: „Ja nee, Ottensen ist wirklich toll und ganz schick, aber das hier, das ist echt das Letzte – man muss sich ja nur mal umsehen. Echt das Letzte!“ Während meine Freundin davon erzählte, schossen kurz Zornestränen in ihre Augen und ich kapierte, wie sehr sie die Bemerkung dieser Stadtschranzen getroffen hatte. Es war auch ganz schön harter Tobak, insbesondere weil die kleine Lilly natürlich kurze Zeit später verunsichert fragte: „Mama, warum sind wir denn das Letzte?“

An dieser Stelle wurde auch ich wütend, denn das sollte kein Kind fragen müssen. Übrigens ist das auch der Grund warum ich diesen Artikel schreibe; gegen die Wut und für Lilly. Und wenn ich schon mal dabei bin, mache ich meinem Unmut über die Situation in Altona / Ottensen doch gleich noch etwas Luft.

Seit einiger Zeit frage ich mich oft, woher eigentlich all die versnobten Leute kommen; die sogenannten Jungfamilien mit ihren overdressed Kids, die teuren Ökoschick oder Hollister Hoodies tragen und Wutanfälle kriegen, wenn sie heute mal nicht in den Eisladen in der Fischers Allee dürfen. Kürzlich wurde ich Zeugin wie ein höchstens 4 jähriges Mädchen seine Mutter schlug und beschimpfte, weil sie es gewagt hatte ihr dort kein Eis zu kaufen. Blöde Mama, oder Du bist so doof und gemein, überhört man ja in der Regel, aber ein Kind, das erbarmungslos auf den Rücken seiner Mutter einschlägt, als sei dieser eine Djembe, ist schon eine andere Nummer.

Die Mutter sah übrigens überhaupt nicht doof aus - im Gegenteil - vermutlich war sie Lehrerin, oder Psychologin und hatte nach Feierabend einfach keine Kraft mehr ihr Tyrannentöchterchen in seine Schranken zu weisen. Die Szenerie mag vielleicht amüsant erscheinen, aber ich habe nicht gelacht.

Und ich werde auch ganz sicher nicht lachen, sollte mir ein solcher Kommentar zu Ohren kommen wie der, den meine Freundin sich von den zwei Schranzen anhören durfte.

Ich werde mich denen in den Weg stellen, sie anlächeln und freundlich sagen: „Nichts für Ungut, aber warum verpisst ihr euch dann nicht einfach? Und nehmt Ikea doch am besten gleich mit!“
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