Wohin kommt das neue Gaskraftwerk?

Möglicher Standort des neuen Gaskraftwerks: die Müllverbrennungsanlage Stellingen.

Die Standortfrage wird demnächst geklärt.

Von Christopher von Savigny. Auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage Stellingen könnte innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Gaskraftwerk entstehen, das rund 200.000 Hamburger Haushalte mit Fernwärme beliefert. Die Projektplanungen laufen gerade an: Hamburgs Energieversorger Vattenfall hat jetzt mit den Vorbereitungen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung begonnen.
Das neue Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (kurz GuD-Kraftwerk) könnte 2017 in Betrieb gehen, die Investitionssumme soll bei 400 Millionen Euro liegen. Es gilt bereits als sicher, dass das Kraftwerk tatsächlich kommt. Allerdings gibt es noch keine Einigung mit der Umweltbehörde (BSU) bei der Wahl des Standorts: Auch Wedel käme in Frage, dessen altes 60er-Jahre-Kohlekraftwerk im Winter 2016/2017 vom Netz geht. Das neue Werk soll den Kohlemeiler ersetzen. „Die Entscheidung über den Standort fällt in diesem Sommer“, sagt BSU-Sprecher Björn Marzahn.
Mit einem neuen Kraftwerk nördlich der Elbe erübrigt sich die umstrittene Fernwärmeleitung vom Kraftwerk Moorburg aus nach Norden. Anwohner in Altona hatten in der Vergangenheit heftig gegen die Trasse demonstriert, für die man alleine im Gählerpark rund 350 Bäume hätte fällen müssen.
Ohne die Auskopplung könnte das Kohlekraftwerk Moorburg mit seinen beiden 870 Megawatt starken Blöcken ausschließlich Strom erzeugen. Angesichts der bevorstehenden Stilllegung der Atomkraftwerke macht eine solche Umnutzung durchaus Sinn.
Bei einem GuD-Kraftwerk wird Erdgas verbrannt, um Wasser zu erhitzen. Der entstehende Dampf treibt wiederum Turbinen an. Die neue Anlage soll darüber hinaus ein „innovatives Speichersystem“ bekommen. Im Vergleich zur Kohle gilt die Bauart als umweltfreundlich: „Das ist heutzutage das Sinnvollste, was man machen kann“, sagt Paul Schmid, Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Noch besser wären allerdings mehrere kleine Einheiten, damit der Transportweg nicht so lang ist.“
Eine Rolle bei der Planung spielt auch der mögliche – und äußerst umstrittene – Rückkauf von 25 Prozent der Energienetze durch die Stadt: Ein „sauberes“ Gaskraftwerk könnte Hamburgs klimapolitisches Image deutlich aufbessern.
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