Wir wollen unsere Bushaltestelle wieder haben!

Protestieren mit vielen anderen dagegen, dass die Haltestelle „Gerichtstraße“ „in einer Nacht- und Nebelaktion“ verlegt wurde: Erdal Bal, Gisela Frowerk, Tolunay Terzi, Joe Asmussen und Ingrid Albertsen (v.l.).
 

Anwohner protestieren gegen Verlegung der Bushaltestelle „Gerichtsstraße“–
1.367 Unterschriften gesammelt.

Sind im Rahmen des Hamburger Busbeschleunigungsprogramms die Leute, die den Bus wirklich brauchen, im Regen stehen gelassen worden? Im Fall der verlegten Bushaltestelle Gerichtstraße sieht es ganz so aus. Anwohner aus dem Viertel protestieren seit Monaten und lassen nicht locker. Sie haben viele Unterstützer, sammelten bisher 1.367 Unterschriften. Doch die zuständige Behörde lässt das kalt.
Seit Mitte Juli liegt die Bushaltestelle „Gerichtstraße“ nicht mehr wie bisher direkt am Amtsgericht. In Fahrtrichtung Süden wurde sie mehrere Hundert Meter weiter zwischen das Gymnasium Allee und die Zentrale des Altonaer Spar- und Bauvereins plaziert. In Fahrtrichtung Norden befindet sie sich nun an der kleinen Grünanlage oberhalb der Einmündung Hospitalstraße.
Der Protest gegen diese Maßnahme war von Anfang an vehement und reißt nicht ab.
Anwohnerin Gisela Frowerk: „Im Gerichtsviertel leben viele alte Menschen, die nicht gut zu Fuß sind. Die Bushaltestelle ist jetzt so weit an den Bahnhof Altona gerückt, dass man dort gleich hinmarschieren kann!“ „Und was ist mit den behinderten Menschen, die Termine am Amtsgericht haben?“ fragt Ingrid Albertsen. Kay Schulze, Richter am Amtsgericht, ergänzt: „Wer das Gericht aufsucht, tut das selten aus freien Stücken. Ihn durch eine umständliche Anreise zu bestrafen, ist unsozial“.
Elternvertreterin Gülay Genc, deren elfjähriger Sohn die sechste Klasse des Gymnasiums Allee besucht, befürchtet Unfälle an der neuen Haltestelle: „Dort gibt es keine Ampel, die Kinder rennen einfach über die Straße, um den Bus zu bekommen.“ „Die Zustände da sind absolut chaotisch“, bestätigt Tolunay Terzi (17), Schüler des Gymnasiums. Außerdem, so Genc, sei die Haltestelle auf der östlichen Straßenseite, also in Richtung Holstenstraße, sehr verlassen.
„Da ist nur Gebüsch, da hört und sieht keiner, wenn was passiert“, sagt sie.
Erdal Bal, Inhaber des Max Shops neben dem Gericht, weist darauf hin, dass sämtliche Geschäfte an diesem Standort mit Einnahmerückgängen zu kämpfen haben, seit die Haltestelle verlagert wurde.
Altonas Bezirksversammlung hat sich hinter die Anwohner gestellt und die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation aufgefordert, die Haltestelle zurückzuverlegen. Doch vermutlich wandert diese Aufforderung sofort in den Papierkorb. Behördensprecherin Helma Krstanowski: „Die Max-Brauer-Allee, in der die Haltestelle liegt, ist eine Hauptverkehrsstraße. Beschlüsse der Bezirksversammlung sind insofern nicht bindend. Es ist derzeit nicht vorgesehen, die Haltestelle an ihren alten Platz zurückzuverlegen.“

Warum wurde die Bushaltestelle verlegt?
Die Bushaltestelle Gerichtstraße wurde im Rahmen des Hamburger Busbeschleunigungsprogramms verlegt. Die zunächst provisorische, knapp 30.000 Euro teure Verlegung habe, so die Verkehrsbehörde, „kurzfristig und mit vergleichsweise wenig Aufwand eine merkliche Verbesserung für den Busverkehr erzielt.“ Erklärt wird das unter anderem damit, dass die Bushaltestelle sich jetzt hinter und nicht mehr vor der Ampel an der Ecke Max-Brauer-Allee /Gerichtsstraße befände. Allerdings scheint, was für Busse in Richtung Süden gilt, für die in Richtung Norden nicht zu gelten: Die Bushaltestelle „Gerichtstraße“ in der Gegenrichtung liegt nämlich seit der Verlegung vor - und nicht mehr wie bisher hinter - der Ampel.

Was meinen Sie?
Die Verkehrsbehörde argumentiert für die Bushaltestellen-Verlegung auch mit dieser Aussage: Zwar werde für einen Teil der Busfahrgäste der Weg zur Haltestelle länger, für andere allerdings auch entsprechend kürzer.
Ist das richtig so? Gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die die Verlegung begüßen, weil der Weg zur Haltestelle für Sie nun kürzer ist? Schreiben Sie uns!
Oder sind Sie mit denen einer Meinung, die gegen die Verlegung protestieren? Schreiben Sie uns, warum!
Senden Sie uns bitte Ihre kurz begründete Meinung, Stichwort „Gerichtstraße“, an: Elbe Wochenblatt, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg. Fax: 85 32 29 39. Per E-Mail mit dem Betreff „Gerichtstraße“ an: post@wochenblatt-redaktion.de
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2 Kommentare
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Lisa Greunke aus Bahrenfeld | 26.09.2013 | 17:48  
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Kay Schulz aus Altona | 26.09.2013 | 18:19  
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