„Wir sind Meister im Schnellarbeiten

Peter Giese (l.) leitet die Beratungsstelle „Opferhilfe Hamburg“, die von der Sozialbehörde unterstützt wird, aber auch auf Spenden angewiesen ist, wie sie hier Marcelino Romero übergibt. Foto: ch

Vorgestellt: die Beratungsstelle „Opferhilfe Hamburg“

Von Christiane Handke.
Tempo ist wichtig – schnell zu helfen, wenn jemand leidet. Das gilt für körperliche Verwundungen wie auch für seelische. Das weiß das Team der Opferhilfe Beratungsstelle Hamburg. Am Paul-Nevermann-Platz, am Altonaer Bahnhof, in einer unauffälligen Etage eines unauffälligen Hauses, arbeiten seit 1986 Psychologen und Psychotherapeuten daran, von Gewalterfahrungen traumatisierten Menschen zu helfen. Schnell. Und ganz praktisch.
Peter Giese, Leiter der Beratungsstelle: „Wir sind eine Kriseneinrichtung. Künstler im Schnellarbeiten. Darin, Menschen zu stabilisieren, ihnen Boden unter die Füße zu legen, sie wieder handlungsfähig zu machen.“ Angst und die Opferrolle gäben Menschen einen Tunnelblick, der sie daran hindere, sich selbst zu helfen. Giese gebraucht dafür einen schönen Vergleich: „Sie verhungern vor der Käseplatte, weil sie nur auf die Löcher im Käse starren“.
Die Psychotherapeuten, Ärzte und Psychologen der Opferhilfe versorgen ihre Klienten – die sie „Ratsuchende“ nennen – mit viel Information, mit praktischem Handwerkszeug, sind im besten Sinne also „Seelenklempner“. Giese: „Wir geben ihnen einen Erste Hilfe Set in die Hand, damit sie sich aus der Krise helfen können.“
Eine große Freude sei es, zu sehen, welche Selbstheilungskräfte der Mensch habe. Giese: „Jeder Mensch hat sie. Wir legen sie frei.“
An die 14.000 Männer und Frauen haben bei der Beratungsstelle bisher Hilfe gesucht. Alter: zwischen 18 und 90 Jahren. Ein Drittel Männer, zwei Drittel Frauen. Manche persönlich, manche übers Telefon. Giese: „Eine Telefonberatung ist für manche Leute leichter. Sie können das Gespräch abbrechen, wenn es ihnen zuviel wird, können einfach auflegen. Gut ist das auch für Menschen mit Handicap oder für Frauen, die in der Familie stark kontrolliert werden.“
Demnächst soll auch eine Internet-Beratung angeboten werden. Besonders Männer gehen lieber über das Internet an die Bewältigung ihrer Probleme als in einem persönlichen Gespräch mit dem Psychotherapeuten.


Wem hilft die Opferhilfe?
Opfern oder auch Zeugen von Gewalttaten sowie Menschen, die durch Gewalttaten gegen andere belastet sind. Diese Taten können ganz frisch sein oder lang zurückliegen und als Erinnerung belasten.
In Kurzzeit-Therapien soll den Ratsuchenden die Kontrolle über quälende Symptome und über sich selbst zurückgegeben werden. Sie sollen lernen, die eigene Stimmung positiv zu beeinflussen und handlungsfähig zu werden.
Während Hilfesuchende, die psychotherapeutische Behandlung benötigen, auf dem „freien Markt“ oft monatelang auf Termine warten müssen, versucht die Opferhilfe, Termine innerhalb von Tagen zu vermitteln.

Opferhilfe Hamburg e.V.
Paul Nevermann Platz 2-4
Telefon 38 19 93
www. opferhilfe-hamburg.de
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