Wieder ein altes Haus weg

Ottenser Hauptstraße 28: Ein Zaun ist schon um das alte Haus gezogen worden, der Abrissbagger lässt nicht mehr lange auf sich warten. (Foto: rs)

In der Ottenser Hauptstraße 28 wütete die Abrissbirne – dort soll jetzt ein schicker Neubau entstehen

von Reinhard Schwarz, Ottensen - Wieder ein altes Haus weniger in Ottensen: In der Ottenser Hauptstraße 28 rückte kürzlich ein Abrissunternehmen an und verrichtete ganze Arbeit. In dem weißen, zweistöckigen Haus war im Erdgeschoss unter anderem ein Weinhandel untergebracht. „Es entsteht dort ein Neubau, der in der Höhe den Nachbarhäusern entspricht“, erklärte SPD-Planungsexperte Mark Classen. „Im Erdgeschoss wird es wieder Geschäfte geben, in den Stock-werken darüber entsteht Wohnraum.“
Ist der „Schutz historischer Bausubstanz“, wie er im Altonaer Koalitionsprogramm von Rot-Grün vereinbart wurde, nur ein Lippenbekenntnis? Classen: „Wir erhalten Ottensen, aber auch Häuser haben ihre Lebenszeit. Das Abrisshaus an der Ottenser Hauptstraße war auf jeden Fall nicht als denkmalschutzwürdig erkannt.“ Ähnlich sieht es auch CDU-Bauexperte Sven Hielscher: „Nicht jedes Haus ist erhaltbar. Manche Häuser sehen von außen besser aus, als es innen der Fall ist.“ Sprich: Das Gebäude war innen bereits marode, eine Renovierung hätte sich vermutlich nicht mehr gelohnt.
Im vorliegenden Fall, so Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchivs, sei das Haus wohl nicht mehr zu retten gewesen. „Die Frage ist aber: Wie ist das Haus in diesen Zustand gekommen?“ Insider sprächen in diesem Zusammenhang vom „Zuwarten“. Gemeint sei damit, dass einfach so lange nichts an einem Haus getan wird, bis es reif für die Abrissbirne ist.
Viele Menschen ziehen nach Ottensen, weil sie den leicht maroden Charme schätzen, der von den Altbauten ausgeht. Doch nach und nach verschwindet das Ottensen von einst – alte Häuser werden durch sterile Neubauten ersetzt.
Aus Sicht Vacanos gebe es durchaus Mittel, das Stadtbild zu erhalten: „Lüneburg zum Beispiel hat einen Bestandsschutz. Dieser verpflichtet die Bauherren, die Neubauten der Umgebung anzupassen.“
Hielscher zufolge kann der Bezirk „ein Haus unter Erhaltungsgebot stellen. Damit unterliegt es einem Genehmigungsvorbehalt.“ Das meint: „Dann muss der Hausbesitzer einen formellen Abrissantrag stellen, der dann vom Bezirk einzeln geprüft wird. Der Eigentümer kann nicht mehr so einfach abreißen.“
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