„Wie im Pfadfinderlager“

Pastor Torsten Morche. Foto: michael borkowski

Gelebter G20-Gegenentwurf: 350 Aktivisten campierten auf Kirchenwiese von St. Trinitatis

ch. v. Savigny, HAMBURG WEST

Fünf Nächte lang hat Pastor Torsten Morche von der Trinitatiskirche Altona während des G20-Gipfels mehrere hundert Demonstranten auf „seiner“ Kirchenwiese nächtigen lassen. Und das, obwohl er, der erst wenige Tage zuvor sein Amt an der Altonaer Hauptkirche angetreten hatte, selbst noch gar kein richtiges Dach über dem Kopf hatte und zwischen Umzugskisten schlafen musste. Ein Experiment mit glücklichem Ausgang, sagt Morche. „Das war der gelebte Gegenentwurf zur neoliberalistischen Politik, da zeitgleich von den Politikern in den Messehallen verhandelt wurde. Ein fröhliches und heiteres Miteinander.“ Das spontane Camp habe ihn an ein Pfadfinderlager erinnert, sagt Morche.

Dabei waren die Sorgen im Vorfeld erstmal groß gewesen. Was, wenn die Gruppe Radau gemacht, sich am allgemeinen Tohuwabohu beteiligt hätte? Schließlich kannte man keinen der Neuankömmlinge. „Das Thema ist im Kirchenvorstand zuvor durchaus kontrovers diskutiert worden“, so Morche. „Es war aber naheliegend, dass die Menschen, die kurz zuvor noch von Entenwerder oder aus dem Stadtpark verjagt worden waren, sich nicht in Luft auflösen konnten. Da hat sich unsere Wiese natürlich angeboten.“
Laut Pastor Morche gab es insgesamt 120 Zelte und etwa 350 Personen. Die Übernachtungs-gäste setzten sich aus vielen kleineren Grüppchen wie auch Einzelpersonen zusammen. „Die Stimmung war ausgesprochen friedlich, es hat auch viele Gespräche mit uns und mit den Anwohnern gegeben. Ganz anders, als das, was parallel dazu in der Schanze passiert ist.“ Zudem sei das temporäre „Campinggelände“ nach dem Abbau tipptopp hinterlassen worden. „Die Wiese sah sauberer aus als vorher“, so Morche. Von der G20-Berichterstattung in den Medien ist der Kirchenmann schwer enttäuscht: „Ich fand es schade, dass die Gewaltbilder vorherrschten, während es, wie man hier sieht, auch ganz anders verlaufen kann.“
Vorerst wird der Pastor, der mit seiner Frau in Billstedt lebt, weiterhin mit seinem provisorischen Nachtlager zurechtkommen müssen. „Es entsteht demnächst ein Neubau mit Pastorenwohnung, aber das dauert noch ein paar Jahre“, so Morche.
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