Wie es dazu kam, das sich Michael Borkowski für seinen Stadtteil Altona begeistert

Michael Borkowski ist begeistert von seinem Stadtteil Altona.
 
Richtfest Hauptkirche Altona St. Trinitatis 1965, nach dem Tum und Spitze aufgesetzt wurden . (Foto: Archiv Borkowski)
An einem nebligen, trüben Novembertag im Jahre 1964 erlebte ein kleiner Junge etwas, was ihm für immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen sollte. Nach langen Jahren der Wiederaufbauzeit wurde vor seinen Kinderaugen die Turmspitze der Hauptkirche Altona St. Trinitatis ganz vorsichtig von einem riesigen Kran aufgesetzt. Fest drückte er dabei die Hand seiner Mutter, die ihn gerade aus dem Kindergarten geholt hatte. Auf dem Weg nach Hause beobachten sie zufällig gemeinsam das große Geschehen, von der Kirchenstraße, Ecke Amundsenstraße aus.
Dieses historische Ereignis hat Michael Borkowski nie wieder vergessen – seitdem fühlt er sich mit der Hauptkirche Altona St. Trinitatis verbunden. Aber es geschah noch etwas mit ihm durch dieses Erlebnis: Sein Interesse an seinem Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist, sollte ihn nie wieder loslassen.
Gern erinnert er sich an seine Kindheit und Jugendzeit zurück, als er noch als Steppke Pfennige und Steine auf den Schienen der Straßenbahn in der Palmaillie legte, um zu sehen was passiert, wenn sie hinüber fährt. Alte leer stehende Abrisshäuser wie zum Beispiel damals die am Hexenberg, der Schellfischtunnel und die Störtebeker Höhle am Elbhang vom Altonaer Balkon („Schöne Aussichten“), waren für ihn echte Abenteuerspielplätze. Das haben die Eltern natürlich nie erfahren, auch nicht wie das Loch in die neue Hose kam.
Nach und nach entwickelte sich aber auch die Neugierde an den Orten, die er oft besuchte: Wann wurde der Schellfischtunnel gebaut? Was war denn mal überhaupt die „Störtebeker Höhle“ gewesen? Gehörte sie zum Donnerschloss, von das er oft gehört hatte? Und wie kam Altona überhaupt zu seinen Namen?
Fragen über Fragen beschäftigten ihn, und er besorgte sich erst einmal einige Bildbände über seinen Stadtteil. Überwältigt von der Flut zahlreicher Schwarzweißfotografien aus vergangener Zeit, erweiterte er seinen Horizont und begann die Umgebung Altonas mit anderen Augen zu sehen. Aber Michael Borkowski musste auch irgendwann feststellen, dass nicht immer alles der Wahrheit entspricht, was in manchen Büchern wiedergegeben wird – er lief selbst die Gefahr, diese Informationen an andere weiterzugeben. So war er gut beraten sich viele Bücher zum Thema anzuschaffen, Büchereien zu besuchen, zu vergleichen und auch echte Altona-Forscher mit viel Erfahrung zu befragen, wie zum Beispiel Wolfgang Vacano, Leiter und Begründer des Altonaer Stadtarchivs.
Inspiriert von den vielen und zum Teil berühmten Fotografen wie etwa Herbert Dombrowski, die Altona liebevoll für die Nachwelt festhielten, versuchte er es ihnen gleich zu tun. Mit S-8mm Schmalfilm- und Spiegelreflexkamera bewaffnet, ging er auf die Pirsch und beobachtete Altona in seinem stetigen Wandel. Heute weiß Borkowski nun, aus vielen Fragen und eigener Recherche, dass es sich bei die Störtebekerhöhle um eine ehemalige, künstlich aus Kalkstein erbaute Grotte handelt, die als Kaskade diente und nichts mit dem ehemaligen Donnerschloss im Donnerspark zu tun hatte. Er versuchte auch, sich Fragen zu stellen, die kaum in Büchern behandelt wurden: Was passierte eigentlich mit den vielen Skulpturen, die 1914 in der Gartenbauausstellung im Donnerspark zu sehen waren. Existieren sie noch? Insgesamt fünf dieser Ausstellungsstücke konnte er ausfindig machen, zwei davon auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Auch das Wappen vom Gebäude Donner-Schloss konnte er finden, was leider später auf Nimmerwiedersehen verschwand. Viele seiner Entdeckungen hielt er mit Ölfarbe auf Leinwand fest und stellte sie schon erfolgreich aus. Um noch näher an die Bürger Altonas heranzukommen, schreibt er im Elbe Wochenblatt als Bürgerreporter über seine Erlebnisse in Altona und gibt seine Erfahrungen weiter.
So schrieb er, wo der Suppenkaspar in Ottensen begraben liegt, über die Rettung des Nobistor-Pfeilers, über den letzten Tag von Cafe Möller auf der Reeperbahn und lernte auch ein paar bekannte Leute kennen, wie den Kiez-Fotografen Günter Zint.
In diesem Jahr, zum 350-jährigen Stadtjubiläum, hat er sich richtig Mühe gegeben und gleich zwei Altona Ausstellungen organisiert: eine im Mercado Center Untergeschoss (Eröffnung am 18. August) und eine, die bereits schon längere Zeit erfolgreich läuft, in der Hauptkirche St. Trinitatis – an dem Ort also, wo im Jahre 1964 alles begann.
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