Wer war schuld daran, dass Robert (5) fast ertrank?

Nils M. (50) ist einer von zwei Betreuern, die wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Altona stehen. Unter ihrer Aufsicht ist ein kleiner Junge vor zwei Jahren fast ertrunken.

Betreuer schiebt alle Verantwortung an Beinahe-Katastrophe auf seine Mitangeklagte

Nils M. (50) weist jede Schuld weit von sich. Er habe nichts damit zu tun, dass der fünfjährigen Robert L. im Festland-Bad an der Holstenstraße fast ertrunken ist. Wie auswendig gelernt wiederholt der Angeklagte immer wieder dieselben Worte: Er habe das Kind in die Obhut der mitangeklagten Melanie S. (28) gegeben.
Nils M. und Melanie S. stehen wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung vor Gericht. Was war passiert? Am 4. Juli 2011 besuchte eine Gruppe Kinder vom „Kinderspaßverein“ das Festland-Bad. Die fünf- bis siebenjährigen Nichtschwimmer wurde von Melanie S. und Nils M. betreut, die zuvor noch nie zusammengearbeitet hatten. Beide merkten nicht, dass sich Robert aus der Gruppe entfernte. Bademeister Djawid R. fand den Kleinen kurz danach bewusstlos im Schwimmerbecken. Er holte das Kind aus dem Wasser und leistetet erste Hilfe. Robert wurde gerettet; es geht ihm gut.
Für Nils M. ist klar, wer Schuld an der Beinah-Katastrophe hat: alle, nur nicht er. Der Verein. Die Chefs des Vereins. Und vor allem: seine Mitbetreuerin. „Ich habe den Jungen in die Obhut von Frau S. gegeben und war den anderen Kindern zugewandt. Ich weiß nicht, was ich anders hätte machen sollen.“ Er unterstellt Melanie S. Verantwortungslosigkeit, weil sie voll bekleidet am Beckenrand stand und nicht, wie er, bei den Kindern im Wasser war. Das habe ihn „völlig geschockt.“
Im Laufe der Befragung wird der Angeklagte jedoch unsicher, durchsetzt seine Antworten mit Floskeln wie „irgendwie, glaube ich, meine ich, ich weiß nicht.“ und fragt: „Was soll ich denn sagen?“
War es wirklich Robert, den er an Melanie S. abgegeben hat? Lange Pause. Dann erst kommt ein Ja. Der Rechtsanwalt der Mitangeklagten bohrt nach, weist Nils M. mehrere Fehler nach. Er hat die Größe der Gruppe nicht richtig im Gedächtnis: Es waren sechs, nicht fünf Kinder. Er weiß nicht mehr, dass Melanie S. am Beckenrand stand, weil ein kleines Mädchen nicht mitschwamm. Nils M. wird sauer: „Mehr möchte ich nicht sagen. Jetzt ist auch gut.“
Drei Stunden dauerte die Befragung von Nils M. am vergangenen Freitag. Melanie S. wird am 22. Mai ab 13 Uhr aussagen. Am 12. Juni sollen die Zeugen gehört werden.
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