Wer nicht aufgegessen hat, muss Strafe zahlen!

Warnung auf dem Tisch: Was ungegessen abgeräumt wird, muss bezahlt werden!
 
Lecker Sushi - da können die Augen schonmal größer als der Magen sein.

In einem Bahrenfelder Restaurant greift man zu ungewöhnlichen Mitteln, um Essensverschwendung zu vermeiden.

Gerade hat Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner darauf hingewiesen: In Deutschland landen jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmitel im Müll. In Bahrenfeld gibt es ein Restaurant, wo man gegen Essensverschwendung aktiv geworden ist. Dort setzt es Strafen, wenn der Teller nicht leer gegessen wird.
Auf den Tischen des asiatischen Restaurants „Mahlzeit“ stehen Hinweisschildchen: „Vermeiden Sie bitte jegliche Art von Verschwendung des Essens. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir für jedes Stück Sushi, das Sie liegen lassen, einen Aufpreis von 50 Cent berechnen müssen. Für jeden Rest auf dem Teller ab 50 Gramm berechnen wir einen Aufpreis von einem Euro.“
Inhaber Jian Bo Zhang (39) erklärt, wie es dazu kam: „Wir bieten zu einem Festpreis ein Büfett, an dem Gemüse, Fleisch und Fisch von den Gästen ausgesucht und vor ihren Augen frisch zubereitet werden. Nach der Eröffnung 2009 haben wir oft volle Teller abräumen müssen. Wenn wir nachfragten, sagten die Gäste: ‘Wir können nicht mehr.’ Das hat uns traurig gemacht. Essen ist doch etwas Kostbares!“
Mut habe es gebraucht, die Schildchen aufzustellen, denn als Gastronom habe man Angst davor, die Kunden vor den Kopf zu stoßen. Aber 98 Prozent aller Gäste, so schätzt der Restaurant-Inhaber, hätten mit der angedrohten Strafe kein Problem:„Viele sprechen uns sogar darauf an und sagen, sie finden das gut.“
Eigentlich sei das Schild ja nur eine Warnung. Achtung: Probiert erst, und nehmt lieber wenig und dafür öfter. Aber es sei schon vorgekommen, dass kassiert werden musste. Jian Bo Zhang: „Tut uns leid, sagen wir dann, Sie müssen die Strafe zahlen. Dafür dürfen Sie die Reste auch mitnehmen.“ Da gebe es schon mal Auseinandersetzungen und saure Mienen. „Aber wir bleiben hart. Sonst nützt es ja nichts.“
Clarissa Müller empfindet die Regelung als Bevormundung: „Ich finde das vom Grundsatz her zwar verständlich, aber ich würde dort nie essen gehen. Ich möchte im Restaurant entspannt essen und nicht das Gefühl haben, man guckt mir ständig auf den Teller.“
Monika Giese ist da völlig anderer Meinung. Sie geht öfter zu „Mahlzeit“, findet die Idee mit den Warnschildchen „phänomenal gut!“ und hinterlässt nach dem Essen immer einen blankgeputzten Teller.

Info: Essen im Müll
In Deutschland landen durchschnittlich jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll - pro Bürger knapp 82 Kilogramm. Wert: 235 Euro. Zwei Drittel davon wären noch essbar. Im Augenblick läuft eine vom Landwirtschaftministerium ausgehende Kampagne mit dem Motto: „Zu gut für die Tonne.“
Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) schätzt, dass über 40 Prozent aller jährlich weltweit produzierten Lebensmittel im Müll enden. Das ergibt die unglaubliche Zahl von 1,3 Milliarden Tonnen - genug, um drei Milliarden Menschen zu ernähren.
Eine knappe Milliarde Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen. Allein die weggeworfenen Lebensmittel Europas und Nordamerikas würden mehr als ausreichen, um sie alle satt zu machen.

Was sagt der Hotel- und Gaststättenverband?
Fragen an den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband: Ist es eigentlich legal, für nicht gegessenes Essen zahlen zu müssen? Und was hält der DEHOGA überhaupt davon? Jürgen Quaißer, Altonas DEHOGA-Kreisvorsitzender: „Diese Aktion ist absolut legal. Der DEHOGA Bundesverband findet sie sehr gut und nachahmenswert. Uns sind aber keine Restaurants bekannt, die Ähnliches durchführen. Doch ich bin sicher, dass nach Ihrem Artikel einige Kollegen über ähnliche Aktionen nachdenken werden. Der Umweltaspekt wird dabei eine große Rolle spielen.“
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