Wenn Microsoft aus Adelaide anruft...

„Bessere Meetings“: Das Fernwartungsprogramm „join.me“ ist praktisch und kostet nichts – man sollte sich jedoch davor hüten, Fremden den Zugang zum eigenen Computer zu erlauben

Achtung, Falle: Betrüger versuchen, arglose Computernutzer auszutricksen.

Von Christopher von Savigny.
Am Donnerstagmittag um kurz vor 12 Uhr klingelte das Telefon. Ein Englisch sprechender Herr mit starkem, indisch klingenden Akzent erklärte mir ohne Umschweife, er sei von der Firma „Microsoft, California“, und man habe festgestellt, dass mein Computer von Viren verseucht sei.
Obwohl mir die Sache von vornherein Spanisch vorkam, beschloss ich, erstmal zuzuhören. Das Ganze klang nach einem derart plump eingefädelten Betrugsversuch (Woher hat Microsoft meine Nummer? Können die sich keine Mitarbeiter mit besseren Sprachkenntnissen leisten?), dass ich gar nicht anders konnte, als neugierig zu werden.
„Sitzen Sie gerade an ihrem Computer?“ Mein „Ja“ schien den Anrufer zu freuen. „Drück-en Sie die Windows-Taste und 'R'“, forderte er mich auf. Damit hätte man das Fenster zum Ausführen von Programmen geöffnet. Geht bei mir allerdings nicht. Kein Wunder: Ich bin bereits letztes Jahr auf Linux umgestiegen, was ich dem Typen am anderen Ende der Leitung jedoch wohlweislich verschwieg.
Es ging weiter: „Öffnen Sie Google“, forderte er mich auf. Dort ließ er mich nach dem Begriff „join.me“ suchen. Ein Klick auf die entsprechende Seite und ich wurde zum Download eines Programms ermuntert, mit dem man aus der Ferne auf fremde Computer zugreifen kann. Diese sogenannten „Fernwartungsprogramme“ sind äußerst beliebt, jedoch auch mit Risiken behaftet, weil Schutzprogramme und Firewalls gegen sie völlig nutzlos sind.
Keine Frage: Ich sollte in die Falle gelockt werden. Wie ich später beim Durchlesen diverser Internetforen herausfand, war „Microsoft“ bereits seit Jahren aktiv. Die Angerufenen hatten sich zum Teil auf die Anweisungen der angeblichen Mitarbeiter eingelassen. Über den Fremdzugriff wurde den Computernutzern Schadsoftware aufgespielt, später bekamen sie dafür „Reparaturkosten“ in Rechnung gestellt. Durch seinen forschen Tonfall aggressiv geworden, beschloss ich, dem Anrufer auf den Zahn zu fühlen: „Woher rufen Sie an? Aus welcher Stadt?“
Er zögerte. „Adelaide“, sagte er schließlich. „Adelaide? Das ist doch nicht in Kalifornien, sondern in Australien?“ Das Gespräch war kurz darauf beendet.
Was sagt die echte Firma Microsoft dazu? „Ungefragt nehmen wir nie telefonischen Kontakt auf“, stellt die deutsche Sprecherin Ines Gensinger klar. „Deshalb raten wir allen, die einen verdächtigen Anruf erhalten, sofort aufzulegen.“ Im Schadensfall sei es ratsam, sich unverzüglich bei der Polizei zu melden und eventuell preisgegebene Bankkonten sperren zu lassen.
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