Weniger Parkplätze, mehr Fahrradbügel

Hier wird sich künftig einiges ändern: die Harkortstraße im September 2017. Foto: CVS

Neue Mitte Altona: Behörde setzt auf ein autoarmes Verkehrskonzept

Ch. v. Savigny, Altona
Bald sollen die ersten Mieter in die Häuser der Neuen Mitte Altona einziehen können. Insgesamt 1.600 Wohnungen wird der neue Stadtteil künftig beherbergen. Dazu kommen eine Stadtteilschule und ein Kindergarten sowie rund 20.000 Quadratmeter für Büros, Gewerbe und Gastronomie.Wo so viele Menschen leben und arbeiten, braucht man ein vernünftiges Verkehrskonzept: Ab Mitte nächsten Jahres soll zunächst mit dem Umbau der Harkortstraße begonnen werden. Die Fahrbahn bekommt einen neuen Teerbelag und wird künftig durch – teils baumbestandene – Mittelinseln zweigeteilt sein. An den Rändern sind Fahrradwege oder -schutzstreifen geplant. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 Stundenkilometern, im südlichen Abschnitt gilt künftig Tempo 30. Sobald das jetzige Holstenareal frei geworden ist, soll eine zusätzliche Verbindungsstraße zur Haubachstraße gebaut werden. Eine weitere Straße entsteht in Richtung Schützenstraße/
Kohlentwiete – dies allerdings erst, wenn der zweite Bauabschnitt abgeschlossen ist. Aktuell verlaufen dort noch die Gleise der Deutschen Bahn.
Autobesitzer dürften es künftig schwerer haben, einen Parkplatz zu finden: Denn in der Harkortstraße fallen 49 von derzeit 132 Stellflächen weg. Ohnehin sieht das Konzept der Behörde ein „verkehrsarmes“ Wohnen für die Neue Mitte Altona vor. Das bedeutet: Nur 0,6 Parkplätze pro Wohnung (üblich sind 0,8) – stattdessen viele Fahrradbügel (laut Planung 5.000) und mindestens eine neue StadtRad-Station. Hintergrund: Laut Untersuchungsberichten gehört Altona zu den Stadtteilen, in denen der Anteil von Haushalten ohne Pkw mit zwei Dritteln besonders hoch ist.
Bus und Bahnen ganz in der Nähe
Eine wichtige Rolle spielt auch der Anschluss des neuen Viertels an den öffentlichen Personennahverkehr: Die nächste Bushaltestelle befindet sich am Kaltenkircher Platz (Entfernung im günstigsten Fall etwa 100 Meter), um zur S-Bahn (Altona: 400 Meter, Holstenstraße: 700 Meter, Diebsteich: 800 Meter) zu gelangen, muss man jedoch weitere Wege zurücklegen. Eine zusätzliche Buslinie durch die Harkortstraße – wahrscheinlich als Verlängerung der Linie 183 – soll hier Abhilfe schaffen. Geplant sind zwei Haltestellen und ein 20-Minuten-Takt.

23 Bäume sollen fallen 

In dem Beet vor der Harkortstraße 42b und 42c wachsen Buschrosen, Storchenschnabel, eine Zierkirsche und ein kleiner Apfelbaum. Das Biotop gegenüber vom Neubaugebiet „Neue Mitte Altona“ bietet Lebensraum für zahlreiche Vögel, Eichhörnchen, Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und weitere Insekten. Seit über 15 Jahren kümmern sich Anwohner ehrenamtlich darum, dass die städtische Fläche hübsch aussieht und nicht zuwuchert. Damit soll nun auf einmal Schluss sein – die Behörde braucht Platz für eine Bushaltestelle. Die betroffenen Ehrenamtlichen sind entsetzt. „Wir möchten verhindern, dass unser Kleinbiotop dem Straßenbau zum Opfer fällt“, sagt Anwohnerin Dorothee Oetzmann.
Eigentlich sollte die Harkortstraße im Zuge der Planungen für die „Neue Mitte“ einen Großteil ihres Pflanzenbewuchses behalten dürfen. Stattdessen steht offenbar ein rigoroser Kahlschlag bevor – auch viele größere Bäume sind davon betroffen: Rund 30 Stück auf der Westseite wurden laut Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) bereits gefällt, 23 weitere (auf der Ostseite) sollen noch gefällt werden. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Linden und Eichen, die ältesten davon um die 80 Jahre alt.
75 Bäumchen werden
nachgepflanzt
Prominentester Fällkandidat ist ein einzeln stehender Kanadischer Zuckerahorn am Südende der Harkortstraße. „Gerade in dicht bebauten Stadtvierteln dienen Bäume und Grünflächen als Sauerstoffspender und als Luft- und Wärmefilter“, protestiert Heinz Peper, Diplombiologe und Mitglied beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Auch dass der LSBG insgesamt 75 Bäumchen nachpflanzen will, lässt Peper nicht gelten. „Das Nachpflanzen junger Bäume ersetzt nicht die Wertigkeit des alten Baumbestands.“
Laut Verkehrsbehörde BWVI sind die Fällungen unumgänglich, da Platz für Autos, Radfahrer und für den geplanten Busverkehr geschaffen werden muss. BWVI-Sprecher Christian Füldner: „Da die derzeitige Straßenbreite einen entsprechenden Querschnitt nicht erlaubt, sind vereinzelte Eingriffe in Vorgärten, die bisher auf öffentlichem Grund geduldet wurden, sowie weitere Baumfällungen leider nicht vermeidbar.“ Bei der Planung sei versucht worden, vorhandene Bäume nach Möglichkeit zu integrieren. Und zum Thema Bushaltestelle: „Es gibt nur wenige Stellen, an denen der Straßenverlauf zu diesem Zweck vergrößert werden kann.“
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2 Kommentare
7
Sabine Hartmann aus Altona | 28.09.2017 | 12:52  
6
Nicole Soosten aus Altona | 04.10.2017 | 17:38  
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