Wem gehört der Elbstrand?

Stephanie Kessler (l.) aus Ottensen entspannt mit ihrem Besuch und Hund am sonnigen Elbstrand. Sie hat eine dezidierte Meinung: „Seit das ‘Ahoi’ da ist, ist es hier total angenehm.“
 
Das Ahoi (vorne) scheint auf ersten Blick nahtlos an die Strandperle (hinten) anzuschließen - aber für die beiden Strandgastronomien gelten ganz unterschiedliche Regeln.

Oevelgönne: Nachbarn laufen Sturm gegen das „Ahoi“.

Die Beschwerde trägt 66 Unterschriften. Die Liste liegt beim Bezirksamt. Das Blatt Papier könnte das Ende des Strandkiosks „Ahoi“ am Elbufer in Oevelgönne bedeuten. Betreiber Vullnet Rusani versteht die Welt nicht mehr. Er sagt: „Meine Nachbarn mobben mich“.
Rusani, der in Hamburg aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, hier studiert hat, hat immer schon von einer Gastronomie am Elbstrand geträumt. Schwer zu verwirklichen, der besonderen Situation wegen: Oevelgönne ist eine Wohngegend. Lediglich die „Strandperle“ darf hier ausschenken, denn sie besteht schon seit mehr als 40 Jahren.
Aber 2010 ging Rusanis Traum in Erfüllung - weil am Strand Toiletten fehlten. Mit der Verpflichtung, regelmäßig die öffentlichen Toiletten zu öffnen und zu warten, durfte er sein „Ahoi“ eröffnen. Dazu unterliegt der Betrieb strengen Auflagen zu Lärm, Öffnungszeiten und Anlieferung. Was dazu führt, dass die unmittelbar nebeneinander liegenden Strandbuden „Strandperle“ und „Ahoi“ verschiedene Öffnungszeiten und Betriebsbedingungen haben.
Damit könnte Rusani leben. „Strandperle“ und „Ahoi“ machen sich keine Konkurrenz. Im Gegenteil: Während man sich früher an schönen Abenden in der Schlange vor der Strandperle 40 Minuten die Beine in den Bauch stehen konnte, bis man sein Alsterwasser in der Hand hatte, ist die Situation durch das „Ahoi“ entspannter geworden. Das spricht sich rum. Es kommen wieder mehr Hamburger, die die drängelige Ecke vorher gemieden hatten.
Es könnte so schön sein. Ist es aber nicht, wegen der Nachbarn. „Alle, die hier wohnen, sind von den Leuten, die den Strand genießen, genervt. Und dann projiziert sich ihre Wut auf den, der angeblich seinen Reibach damit macht“, sagt Rusani. Die Nachbarn führen Listen. Alles werde notiert und gemeldet: Wenn das „Ahoi“ zu spät schließt. Wenn es zu früh schließt. Wenn der Hinweis auf die Toiletten nicht rechtzeitig hängt. Wenn es laut ist. Wenn ein Stuhl nicht innerhalb der abgesteckten Grenzen steht.
Rusani hat Angst um seine Betriebserlaubnis: „Die Grundfrage ist doch: Wem gehört der Strand? Dem, der sich den Elbblick gekauft hat, oder dem, der sich in den Sand legt?“

Die Anwohner
„Wir protestieren gegen die Erweiterung der Strandgastronomie in Oevelgönne. Wir fordern die Kontrolle der Einhaltung der Auflagen bezüglich der bereits erteilten Genehmigungen. Der Strandkiosk hat seit seiner Eröffnung kaum ein einziges Mal um 22 Uhr den Verkauf eingestellt. Vielmehr fanden im Sommer an fast jedem Freitag und Sonnabend Veranstaltungen mit Discomusik bis in die frühen Morgenstunden im Strandkiosk und in dem zum Grundstück Oevelgönne 59 gehörenden Keller statt. Wir fordern Auflagen zu erteilen bezüglich der Anlieferung von Waren. Derzeit werden über den ganzen Tag verteilt Waren über den Schulberg angeliefert.“
66 Unterschriften

Das Bezirksamt
„Der Strandkiosk Ahoi wurde widerruflich genehmigt unter der Auflage, öffentliche Toiletten bereit zu stellen, die täglich geöffnet sein müssen.
Die Anwohner haben nach unserer Kenntnis zweimal die Polizei gerufen, und wir haben durch den Bezirklichen Ordnungsdienst einmal abends eine Ortsbesichtigung durchführen lassen.
Der Betreiber hat eine Anhörung bekommen, in der er aufgefordert wird, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Derzeit läuft die Anhörung, das Ergebnis bleibt abzuwarten.“
Kerstin Godenschwege, Sprecherin
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1 Kommentar
68
Das Treibholz aus Finkenwerder | 15.05.2013 | 10:31  
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