Was geschah am Rondenbarg?

Das Absperrband flattert dort, wo bis zum Morgen des 7. Juli ein Absperrgitter befestigt war. Foto: mg

Haben dort Demonstranten mit der Gewalt begonnen? Polizeivideo weckt Zweifel an bisheriger Darstellung

Horst Baumann, Bahrenfeld
Das Eisengitter am Rondenbarg ist noch nicht wieder aufgebaut. Am Morgen des 7. Juli waren hier im Industriegebiet Polizisten und Demonstranten gegen den G20-Gipfel aufeinander getroffen. Gegen 59 Personen aus der 200 Teilnehmer starken Gruppe von Demonstranten ermittelt die Staatsanwaltschaft laut NDR wegen schwerem Landfriedensbruch. 13 von ihnen kamen in Untersuchungshaft, mindestens vier von ihnen befänden sich noch dort.NDR und „Süddeutsche Zeitung“ zitieren aus einer „zeugenschaftlichen Darstellung des Sachverhalts“ durch den stellvertetenden Einsatzleiter der Brandenburger Bundespolizeieinheit. Er berichtete, dass die Beamten massiv mit Flaschen, Böllern und Bengalos beworfen wurden. Um die Angriffe abzuwehren liefen die Beamten in Schutzausrüstung auf die Demonstranten zu. Diese Darstellung bildet die Grundlage für die Haftbefehle.
Von den wohl entscheidenden Minuten des Vorfalls gibt es ein Polizeivideo, das bislang unter Verschluss war. Die Journalisten von „Panorama“ und „Süddeutscher Zeitung“ konnten es nun sehen. Gefilmt von einer Kamera, die auf einem Einsatzwagen befestigt war, stehen sich um 6.27 Uhr Demonstanten und Polizei etwa 50 Meter gegenüber. Drei Bengalos werden auf die Beamten geworfen, die jedoch weit entfernt auf der leeren Straße landen. Stein- und Flaschenwürfe seien auf dem zwölf Minuten und 23 Sekunden langen Video nicht zu sehen. Um 6.28 Uhr stürmt die Polizei den Demonstration entgegen und bringt 73 von ihnen „zu Boden“ .
Auf der Straße werden drei Stahlseile, zwei Hammer, eine Zwille und drei Signalraketen von der Straße aufgesammelt, so dass es durchaus zur beschriebenen Gewalt durch Demonstranten hätte kommen können. Aber auf dem Video ist nichts davon zu sehen, so dass Zweifel an der Darstellung des Brandenburger Beamten geweckt wurden.

Das Geländer brach zusammen, es gab 14 Verletzte
„Der Angriff der Polizei kam aus dem Nichts“, zitiert die „SZ“ Nils Jansen, der als Vorstandsmitglied der Verdi-Jugend aus Köln angereist war.
Nicht auf dem Video sei zu sehen, wie Demonstranten über ein Geländer zwei Meter in die Tiefe auf das Gelände der Firma Transthermos stürzten, als sie vor der Polizei davonliefen. Das Geländer brach zusammen, 14 Demonstranten wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die Feuerwehr wurde mit dem Funkspruch „Massenanfall von Verletzten“ gerufen.
Die Aufarbeitung der Geschehnisse dürfte noch länger dauern, als das zerrissene Flatterband am Rondenbarg durch ein neues Gitter zu ersetzen.
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