"Warum lässt man uns nicht mehr sonntags schwimmen?"

Sie gehen jeden Sonntag im St. Pauli Bad schwimmen und möchten das auch weiterhin tun: Bettina Natho, Elisabeth Richnow, Marion Dodt und Doris Sam-Essandoh (v.l.). (Foto: pr)

St. Pauli Bad soll sonntags geschlossen werden.
Nutzer protestieren gegen neueste Bäderland-Sparmaßnahme.

Protest von Nutzern des St. Pauli Schwimmbads: Das Bad an der Budapester Straße soll ab dem 10. Mai sonntags für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben. Gegen diese Entscheidung der Bäderland Hamburg GmbH ziehen die Schwimmer jetzt zu Felde, sammeln Unterschriften für den Erhalt der Sonntagsöffnungszeiten.
Bäderland-Pressesprecher Michael Dietel sagt, der Sonntagsbetrieb lohne sich nicht mehr. „Das Bad steht stundenlang leer“ . Außerdem sei das St. Pauli Bad ohnehin nur vorübergehend sonntags geöffnet gewesen. „Als das Bismarck Bad abgerissen wurde und das Festland-Bad als Ersatz dafür noch nicht fertig war, haben wir das St. Pauli Bad für die örtlichen Nutzer sonntags geöffnet.“
Inzwischen sei das Festland in Betrieb, die Voraussetzung für die Sonntagsöffnung an der Budapester Straße damit hinfällig. Die Schwimmer sollten das neue Bad nutzen.
Seltsam: Das „Festland“ wurde im Frühjahr 2009 eröffnet. Dass sechs (!) Jahre später die Sonntagsschließung des St. Pauli Bades etwas damit zu tun haben soll, ist zumindest schwer zu vermitteln. Dietel weiter:  „Im übrigen können Vereine und Gruppen das Bad, zum Beispiel für Wettbewerbe, auch sonntags nutzen“. Die müssen es dann allerdings mieten.
Elisabeth Richnow (58) findet ihren sportlichen Ausgleich beim Bahnenschwimmen – sonntags, weil sie in der Woche durch den Beruf ausgelastet ist. Für sportliche Schwimmer sei das Festland völlig falsch, erklärt sie. „Das ist ein Spaßbad, da kann man keine Strecke machen, sonntags ist das Bad komplett voll mit Kindern. Ich will schwimmen, nicht plantschen.“
Sie glaubt nicht, was Bäderland-Sprecher Dietel behauptet. „Ich sehe sonntags im St. Pauli Bad auch viele Familien mit kleinen Kindern, denen die Väter im Extra-Becken Schwimmen beibringen.“ Das bestätigt Barbara Gerhard (75), die gemeinsam mit ihrem 83-jährigen Mann seit elf Jahren täglich zum Frühschwimmen kommt. Nach Auskunft des Schwimmbad-Personals seien sonntags regelmäßig 200 bis 200 Menschen im Bad. Gerhard fürchtet: „Das Bad schreibt schwarze Zahlen. Wenn jetzt die Sonntagsschwimmer abgezogen werden, könnte das Bad wieder in die roten Zahlen rutschen. Damit werden die Voraussetzungen für eine endgültige Schließung geschaffen.“
Eines ärgert die beiden Schwimmerinnen Elisabeth Richow und Barbara Gerhard besonders. Richnow: „Das passiert im Jahr der Olympia-Bewerbung! Da krieg ich einen ganz dicken Hals!“
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