Von der HSV-Anhängerin zur Präsidentin

Will selber mitgestalten: Tamara Dwenger, die Präsidentin des HFC Falke. Foto: patrick frank

Tamara Dwenger engagiert sich beim HFC Falke in der Kreisliga

Folke Havekost, Altona-Nord

Nach dem Abpfiff geht Tamara Dwenger zur Bank, holt einen Schokoriegel und überreicht ihn Angelo Litrico. Der Torjäger ist schon 31, aber erstens ist Ironie auch beim Fußball erlaubt. Und zweitens sind bei ihrem Verein ja irgendwie alle jung.
Der HFC Falke wurde im Ju- ni 2014 gegründet, kurz nach- dem die Mitglieder des Ham- burger SV mit deutlicher Mehrheit die Auslagerung des Profifußballs in eine AG beschlossen hatten. Und damit ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten freiwillig abgaben, wie die rund 420 Falke-Mitglieder kritisieren. Dwenger ist seit der Gründung Präsidentin der HSV-Rebellen. „Wir haben eine andere Vorstellung, wie Fußball funktionieren soll“, sagt die 30-Jährige, die im Verkaufsaußendienst für eine japanische Spedition arbeitet: „Der HSV hat als AG eine Chance vergeben, seine Fans mitzunehmen. Wir sind dazu eine Alternative, vielleicht auch eine Ergänzung.“ Während sie sich als HSV-Anhängerin früher zehn bis 15 Stunden pro Woche mit Fußball beschäftigt habe, sei der Falke- Vorsitz längst zu einem „Vollzeit-Zweitjob“ geworden.
Meist kommen mehr als 500 Fans, um Falke zu sehen
Die Herkunft der Falken ist nicht zu übersehen. Die Mann- schaft spielt in den HSV-Farben schwarz-weiß-blau, für die meist mehr als 500 Zuschauer eine gewohnte Farbkombination. Nach der souverän gewonnenen Meisterschaft in der Premierensaison ganz unten in der Kreisklasse (Neunte Liga) tun sich die Falken in der Kreisliga allerdings deutlich schwerer. Nur die Tordifferenz machte den Klub zum Herbstmeister der Staffel 2.
„Wir sind im positiven Sinne in der Realität angekommen“, sagt Dwenger: „Natürlich hätten wir unsere drei Niederlagen lieber nicht auf dem Konto, aber wir werden auch nicht nervös, wenn wir den Durchmarsch in die Bezirksliga nicht gleich schaffen.“ Sieben bis zehn Jahre ab Gründung soll es dauern, bis die Falken in der noch drei Aufstiege entfernten Hamburger Oberliga (Fünfte Liga) landen – das höchste sportliche Ziel, wenn man sich nicht in die Abhängigkeit von Sponsoren begeben will.
Derzeit sucht Dwenger nach einem Jugendleiter für den Verein, denn ab dem nächsten Sommer soll es auch eine Falke-Jugend geben. Der Zulauf dürfte hoch sein. „Wenn dieser Zug erstmal ins Rollen gekommen ist, wird er schwer zu stoppen sein“, vermutet Dwenger, die aber nichts übers Knie brechen will: „Wir wollen die Dinge lieber dreimal quer- denken als Hauruck-Aktionen zu machen.“

HFC Falke
Der Name des Klubs geht auf zwei der drei Gründungsvereine des HSV zurück: den Hamburger FC von 1888 und FC Falke 1906. Ihre Begründung dazu: „Das Ganze ist keine Anti- Aktion, sondern etwas Positives. Ein Start in eine neue, hoffentlich bessere und nachhaltige Zukunft für alle, die sich beim HSV in seiner zukünftigen Form nicht mehr richtig aufgehoben fühlen.“
Die Heimspiele trägt Falke auf dem Rudi-Barth-Sportplatz beim SC Union 03 in der Waidmannstraße 17 in Altona-Nord aus.
❱❱ www.hfc-falke.de
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