Vom Nachbarn terrorisiert

Vom Balkon über ihrem brüllt der Nachbar von Lisa S. Unflätigkeiten in die Welt, gerne nachts. (Foto: ch)

Lisa S. traut sich nicht mehr aus dem Haus

Christiane Handke, Altona - Er hat gedroht, ihr den Schädel einzuschlagen und ihrem Sohn die Kehle durchzuschneiden. Er stellt sich nachts auf den Balkon und brüllt in den schlimmsten Ausdrücken heraus, was er von ihr hält. Sie erträgt seine Attacken seit zwei Jahren. Jetzt kann sie nicht mehr. „Ich habe Angst um mein Leben. Deswegen gehe ich an die Zeitung. Wenn mir was passiert, soll die Öffentlichkeit wissen, was hier passiert“, sagt Lisa S. (48, Name der Redaktion bekannt).
Der Mann, der sie in Angst und Schrecken versetzt, ist kein ehemaliger Ehemann, kein Ex-Freund, kein abgewiesener Liebhaber. Er ist ihr Nachbar Lothar R. (Name der Redaktion bekannt).
S. lebt mit ihrem Sohn in einem Mehrfamilienhaus der Saga in der Schomburgstraße, im Stockwerk darüber wohnen R. und sein Freund. Deren Beziehung ist stürmisch und von Aggression geprägt - jedenfalls, wenn man von den Geräuschen ausgeht, die immer wieder von oben zu hören sind. Eines Nachts ging S. hin, bat um Ruhe und wurde wüst bepöbelt. Daraufhin kündigte sie an, die Polizei zu informieren. „Damit fing das ganze Unglück an“, sagt sie.
Seitdem gibt es keine Ruhe mehr. Nachbar R. springt auf und ab, sodass bei ihr der Putz von der Decke fällt. Er schreit vom Balkon: „Dir hetz ich meine Türken auf den Hals, dich Schlampe mach ich fertig, die Alte bring ich um.“ S. hat die Tiraden auf Band aufgenommen. Inzwischen traut sie sich kaum mehr raus. Ihre Nerven liegen blank. Ihrem Sohn hat sie verboten, nachts das Haus zu verlassen. Mehrmals war sie bei der Polizei, mehrmals trafen Lothar R. und Lisa S. sich vor Gericht.
Karina Sadowski von der Polizeipressestelle kennt den Fall und erklärt: „Es besteht für Herrn R. ein Kontakt- und Näherungsverbot.“ Sie fügt hinzu: „Das ist natürlich schwierig, wenn sie Nachbarn sind...“
Lisa S. hat versucht psychologische Unterstützung zu bekommen: „Man gab mir den Rat, ‘nachbarschaftsfreie Räume’ zu schaffen. Was immer das heißen soll.“
Jetzt greift die Saga ein. Saga-Pressesprecherin Sophie Plessing: „Das Kündigungsverfahren gegen Herrn R. läuft. Für die Übergangszeit bis zu seinem Auszug wurde Frau S. angeboten, in ein Ersatzquartier zu ziehen.“ Danach will die Saga Lisa S. auch dauerhaft eine neue Wohnung verschaffen, damit sie nicht weiter in der Angst leben muss, dass R. ihre Adresse kennt.
Das Wochenblatt hat Lothar R. ein Gespräch angeboten; dieser hat auf das Angebot nicht reagiert.


Terrorisiert, gestalkt oder bedroht? Informationen gibts auf der Internetseite
www.polizei-beratung.de
Wer Ähnliches erlebt hat wie Lisa S. und mit ihr in Verbindung treten möchte, um eine Selbsthilfegruppe zu gründen, mailt an post@ wochenblatt-redaktion.de oder schreibt an: Redaktion Elbe Wochenblatt, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg oder faxt an 85 32 29 39
Stichwort: Terror
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