Viel zu schnell in der 30er-Zone

Tempo 30 gilt tagsüber vor vielen Schulen (Symbolfoto), um Kinder zu schützen. Der ADAC fordert mehr Kontrollen und Rücksichtnahme, vor allem auch von Eltern. Foto: cv

Studie des ADAC: Ein Drittel der Autofahrer ignoriert Tempolimits

Carsten Vitt, Lurup/Eidelstedt

In Tempo-30-Zonen wird immer noch zu schnell gefahren, vor allem vor Schulen. Etwa 30 Prozent der Fahrer halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Das ist das Ergebnis einer hamburgweiten Studie des ADAC Hansa (siehe Text rechts). Der Verkehrsclub hält die Zahlen für alarmierend – die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
– Vor der Fridtjof-Nansen-Schule (501 Schüler) in Lurup waren 21 Prozent der Autos zu schnell. Gemessen wurde hier wie an anderen Schulen an mehreren Tagen im Zeitraum von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Erschreckend: Der Spitzenwert waren 85 Stundenkilometer in der 30er-Zone, ausgerechnet mit einem Laster!
– Noch weniger auf das Tempolimit achten Autofahrer an der Schule Heidacker (240 Schüler) in Eidelstedt: 39 Prozent der Fahrzeuge sind zu schnell unterwegs. Spitzenwert hier: 75 Km/h.
– Den traurigen Rekord hält die Schule Rungwisch (270 Schüler): Dort waren 51 Prozent der Fahrzeuge zu schnell. Höchste gemessene Geschwindigkeit: 83 km/h, auch von einem Laster.
„Wer vor Schulen nicht vom Gas geht, handelt mindestens fahrlässig. Dessen sollte sich jeder bewusst sein“, sagt Ingo Meyer, Vorstandsvorsitzender des ADAC Hansa. Mit mehr als 50 Stundenkilometern waren vor den Schulen in Lurup und Eidelstedt vergleichsweise wenige Autos unterwegs: 16 Prozent bei der Fridtjof-Nansen-Schule, ein Prozent am Heidacker und vier Prozent am Rungwisch.
Dennoch: „Die erfassten Verstöße sind in der Anzahl und auch in der Höhe nicht akzeptabel. Allerdings sind sie nicht der einzige Gradmesser für die Sicherheit der Kinder. Denn vor vielen Schulen ist nicht zuletzt durch die vielen Elterntaxis morgens die Verkehrssituation so unübersichtlich, dass sogar Tempo 30 zu schnell sein kann“, urteilt Meyer.
Was sagt die örtliche Polizei? Vor den Eidelstedter Schulen schätzt das Polizeikommissariat (PK) 27 die Verkehrslage „nicht als gefährlich ein“. Die Polizei messe und kontrolliere regelmäßig vor Ort. Aktuelle Zahlen läger allerdings nicht vor. Das PK 27 will im Frühjahr erneut messen lassen.

ADAC: „Elterntaxi“ ist ein Problem
Wie wird es besser? Der ADAC fordert mehr Kontrollen vor Schulen. Die Autofahrer sollten dabei noch an Ort und Stelle mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert werden. Nur das Ausschildern eines 30 km/h-Bereiches reiche nicht aus, um eine Akzeptanz bei den Autofahrern zu bewirken.
Umbauten an Straßen wie Mittelinseln und der Einsatz von Geschwindigkeits-Anzeigern (Displays) könnten helfen, die Verkehrssicherheit vor den Schulen zu erhöhen.
Ziel: Selbstständige Kinder
Der ADAC rät: „Kinder müssen Erfahrung im Verkehr sammeln, das können sie nur als aktiver Teilnehmer in Begleitung von Eltern und Erziehern. Ein Kind, das täglich bis vor das Schultor gefahren wird, kann kaum für die selbstständige Teilnahme am Verkehr ertüchtigt werden. Das Elterntaxi trägt täglich zu kritischen Verkehrssituationen durch verbotswidriges Halten oder riskante Wendemanöver im Bereich vor Schulen bei. Hol- und Bringezonen sollten etabliert werden.“
Die Studie
Die Verkehrsstudie des ADAC Hansa basiert auf Messungen vor den Schulen an fünf verschiedenen Tagen im Juni und Juli 2016. Bei den genannten Überschreitungen hat der ADAC lediglich die Geschwindigkeiten über 35 Stundenkilometern einbezogen. Trotz der eingeräumten Toleranzgrenze lag die Verstoßquote bei 30,5 Prozent. Das heißt, dass fast ein Drittel der Autofahrer mit mehr als 35 km/h an den Schulen vorbeifuhren. Ohne den Abzug der Toleranz waren mit 53 Prozent sogar über die Hälfte der Verkehrsteilnehmer zu schnell. CV
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