Vertrag unterschrieben: Glück im Gängeviertel

Blick vom Valentinskamp durch „Schier's Passage“ ins Gängeviertel und auf das dahinter liegende, moderne Brahmsquartier. (Foto: cvs)
Der Kooperationsvertrag zwischen der Stadt und Vertretern des Gängeviertels ist unterschrieben worden. Damit haben die Diskussionen um das mehr als 150 Jahre alte Viertel zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße, dessen Abriss vor rund zwei Jahren durch die Besetzung verhindert wurde, ein vorläufiges gutes Ende genommen. Ein Ende, das gleichzeitig einen Neuanfang bedeutet: Jetzt kann das zum Teil marode Gängeviertel endlich denkmalgerecht saniert werden. Es wird von der Gängeviertel Genossenschaft 2010 e.G. in Selbstverwaltung übernommen und entwickelt werden.
Im Dezember 2009 hatte die Stadt das Gängeviertel von einem holländischen Investor für 2,8 Millionen Euro zurückgekauft, nachdem sich erheblicher Protest gegen den Verkauf und die Pläne, hier Bürohochhäuser zu bauen, entwickelt hatte. Am 22. August 2009 war das Gelände von rund 200 Künstlern friedlich besetzt worden; sie bewohnten es seitdem und versuchten es auf eigene Faust so gut wie möglich in Schuss zu bringen.
Nun wird die Stadt im Laufe der kommenden acht Jahre 20 Millionen Euro in die Sanierung pumpen; die Vertreter des Gängeviertels haben nach harten Verhandlungen mit der Stadt erreicht, dass sie ein Mitspracherecht haben. Sanierungsträger wird die Stadtentwicklungsgesellschaft Steg. Hauptplaner wird auf Wunsch der Bewohner des Gängeviertels der Architekt Joachim Reinig.
Das Viertel, in dem einige der Häuser immer noch nicht an die städtische Strom- und Wasserversorgung angeschlossen sind, soll zu einem lebendigen Quartier mit rund 80 preiswerten Wohnungen, Atelier- und Gewerberäumen werden. Die Wohnhäuser sollen später genossenschaftlich verwaltet werden. Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau: „Die Stadt schafft hier weitgehende demokratische Mitgestaltungsmöglichkeiten.“
Nach Abschluss der Sanierung hat die „Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG“ das Recht, mit der Stadt über den Ankauf des Quartiers beziehungsweise über den Erwerb des Erbbaurechts zu verhandeln.
Das Gängeviertel in der Nestadt ist gekennzeichnet durch sehr dichte Bebauung, entstanden zwischen Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Hier wohnten vorwiegend Arbeiterfamilien mit mittleren bis kleinem Einkommen. In den Weltkriegen kam das heute bekannte Gängeviertel weitgehend heil davon, auch hinterher wurde es nicht, wie weiter südlich gelegenen Quartiere abgerissen und neu bebaut. Nur einige Fachwerkhäuser wurde durch Gründerzeithäuser ersetzt. Ab 2002 versuchte die Stadt, das Gelände zu verkaufen; 2006 wurde ein Investor gefunden, der das Quartier weitestgehend abbrechen und durch Neubauten ersetzen wollte. Im August 2009 kulminierte der Protest der Initiative „Komm in die Gänge“ in der Besetzung des Gängeviertels. Die Stadt gab dem Druck nach; sie kaufte das Gelände im Dezember 2009 vom Investor zurück.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.